Was ging bei … Selah Sue auf dem ZMF?

Jennifer Reyes

Am Donnerstagabend begeisterte die belgische Soulröhre Selah Sue auf dem Mundenhof mit einer knapp 90-minütigen Reise durch ihre vielfältige Musikwelt. fudder-Mitarbeiterin Jennifer Reyes war dabei.

Zuerst hört man nur die ruhigen Klänge eines Cellos spielen. Dann kommt sie in weißem, schicken Sommerkleid und der gewohnten blonden, wilden Amy-Winehouse-Mähne auf die Bühne. Schon bei den ersten Oh’s, die sie zu dem Cover des bekannten Disney-Songs aus Cinderella "So this is love" ganz Marilyn-Monroe-like in das Mikrofon haucht, fließen die ersten Gänsehautschübe über die Haut.




"Freiburg, alles gut?" begrüßt sie ihr Publikum nach dem langsamen Konzertauftakt auf Deutsch und lacht. Doch ruhig bleibt es nicht lange. Mit "I won’t go for more" oder dem erst soulig beginnenden Song "Fyah Fyah" bricht sie ins Ragga und packt die Menschenmenge, die anfängt zu wippen, zu nicken und singend Antwort gibt.

Etwa 600 Menschen im Spiegelzelt lauschen Selah Sue

Die kleine, energiegeladene Songwriterin aus Belgien mit der kratzigen Stimme kommt auch ohne große Band klar. Zu dritt, nur mit Pianist und Cellist, mit denen sie auch ihre Songs komponiert und musikalisch experimentiert, steht sie auf der Bühne. Fast sieben Jahre lang war Selah Sue mit ihrem gleichnamigen Debütalbum auf Tour und legte 2015 mit "Reason" ihr zweites Studioalbum nach. Dann ging sie für ein Jahr in Babypause und nahm sich eine Auszeit.

Produktiv war sie trotzdem. Sie schrieb Songs in ihrem Garten, während das Kind auf ihrer Brust schlief. "In a Heartbeat" ist ein gefühlvoller Song mit Gitarrenbegleitung und die an die 600 Menschen im Spiegelzelt lauschten ruhig. Eine genussvolle Atmosphäre entsteht. Die Songwriterin lässt ihre Zuhörer teilhaben an ihrem privaten Glück als Mutter. Sie wirkt sehr ausgeglichen und scheint es zu genießen, wieder auf der Bühne zu stehen, wenn sie die Augen beim Singen schließt. Sie wollte aber auch etwas Neues, etwas "Cooles machen", sagte sie.

Ragga-Sprechgesang und Multieffektgeräte

Die neue Richtung geht ins Elektronische. So mischt sie den Song "Peace of Mind" mit opernartigen Loops aus ihrer Stimme, welche die Spiegel im Zelt fast schon zum Klirren bringen könnten, Gitarrenakkorden und eigenen Beatbox-Elementen auf der Bühne zusammen. Dann rappt sie in ihrem gewohnten Ragga-Sprechgesang und bringt die Menschenmenge vor ihr in Bewegung, baut über Beats Spannung auf und lässt durch elektronische Multieffektgeräte Harmonien für Background-Gesang entstehen.

Doch Selah Sue gesteht, sie liebt den "Melancholic Train" noch mehr als den "Soul Train" und schließt ihre Setliste für den Abend mit "This World", einem trägeren Song mit düsterer Stimmung. Sie verabschiedet sich und man ist begeistert, doch man fragt sich: So ein Konzertende passt doch nicht zu Selah Sue? Klatschendes Betteln, dann kommt sie zurück auf die Bühne und gibt gleich drei Songs als Zugabe. Die Lautsprecher vibrieren zu ihrem ersten großen Hit "Raggamuffin" und sie schließt zum Grande Finale mit einem Ragga-Medley. Damit fing eben alles an.

Doch weiter gehen wird es, wenn man bei Selah Sue doch auch nie sagen kann wie. Diese Künstlerin lässt sich einfach in keine Schublade stecken.

Mehr zum Thema: