Was ging bei … Royal Canoe im Great Räng Teng Teng?

Katharina Kiefel

"Something Got Lost Between Here and the Orbit" heißt das neue Album der kanadischen Indie-Popper von Royal Canoe. Am Samstag spielten sie im Räng. Was die Band an deutschen Clubs liebt und warum einer sein Handy während des Konzertes laden musste.

Die Crowd

Das Publikum im Räng Teng Teng ist gut durchmischt – von etwas älteren Semestern, die brav im Takt wippen, bis zur jungen Generation, die sich nach der Show in Sneakern und Jogginghose an den improvisierten Merchandise-Stand herantraut und mit der Band plaudert. Irgendwie ist die Musik schon tanzbar, das beruht aber sehr auf individueller Auslegung: von ausgefallenen Tanzstilen bis hin zu Kopfwippen, Gähnen und Pärchenkuschelei ist alles dabei.

Die Show

Das Bühnenoutfit der Indie-Band besteht aus Hemd und Hose. Fertig. Keine ausgeflippten Prints, Frisuren oder Tribal-Tattoos. Entspannt schlendern sie – fast etwas unbemerkt – auf die Bühne und beginnen das Konzert ohne viel Tamtam. "Hey Freiburg, it´s great to be here – I don´t know how we happened to play here, but we´re really happy about it!". Durch das Publikum geht ein Lachen und die Band taucht die Freiburger in Elektro-PopSoundlandschaften.

Nach einigen Songs deutet Frontmann Matt lachend auf sein Handy, dass vor ihm inmitten seiner Synthesizer, Mischpult und Kabelgewirr liegt: "Yeah, that´s actually my phone. I have to charge it. Seems strange, but you know, when you´re on tour and on the road, you always have to find a source of electricity". Das Freiburger Publikum lacht laut, als Matt weiter erzählt: "Oh yeah, I love these phones. Imagine if we didn´t have them today, we would have to talk to each other, make meaningful conversations and stuff, communicate. Ugh, so strange!"

Die Musik

Iceland Airwaives, Bonaroo und Osheaga sind alles keine Unbekannten mehr für Royal Canoe. Nicht nur auf diesen Festivalgrößen, sondern auf mehr als 200 Konzerten weltweit absolvierte die Band Auftritte mit ihrem 2013 erschienenen Album "Today we are Believers", das bei den Western Canadian Music Awards als das Beste Independent Album ausgezeichnet wurde. Nach Features mit Alt-J oder Bombay Bicycle Club erstrahlen Royal Canoe nun in neuer emotionaler und soundtechnischer Klarheit auf ihrem neuen Album "Something Got Lost Between Here and the Orbit". Zu einer vielfältigen Spanne an Synthesizern kommen hausgemachte Samples und Effekte, unter anderem Kirchengeläut. Apropos: "Today, we took a walk around the city, we saw the big church – it´s beautiful. I guess you´re all proud of it!".

#Fail

Nicht direkt ein Fail, aber dennoch schade, dass die sechs Jungs aus Winnipeg trotz anhaltendem Applaus und Rufen nach Zugaben keinen Song mehr performen. Das Publikum ist etwas enttäuscht – Sänger Matt Peters erklärt jedoch mit sympathischer Aufrichtigkeit: "That´s really all we can do. We already played all our songs. So, we gotta go, otherwise we would just awkwardly stand here…"

#Awesome

Matt Peters ist begeistert davon, dass man im Räng Teng Teng rauchen darf! Er erzählt davon, dass es in kanadischen Bars seit 2003 verboten sei und er seitdem etwas deprimiert ist. Er zeigt lachend auf seinen Tontechniker hinter der Bar, der sich in diesem Moment demonstrativ eine Kippe anzündet: "He’s in heaven, since we’re here".

Kassensturz

Der Spaß kostet 14,40 Euro plus Vorverkaufsgebühren. Kein Problem – ist ja Monatsanfang; außerdem ist das Bier im Räng erschwinglich und für die gebotene Show ist der Preis allemal gerechtfertigt.

Flirtalarm

Körperkontakt oder erotische Tanzstile stehen an diesem Abend nicht allzu hoch im Kurs, dafür scheint ein Pärchen ganz besonders Spaß zu haben an diesem Abend – neben intensivem Knutschattacken wird geschmust, sich über die Anschaffung eines Plattenspielers unterhalten und eng umschlugen mitgetanzt. Das alles in einer etwas verraucht-verruchten Atmosphäre: Hot.

Pauschalurteil

Richtig guter Indie-Elektro-Pop aus Kanada, der einfach nur gute Laune macht. Sechs sehr sympathische Jungens von der anderen Seite vom großen Teich, die noch mehr Aufmerksamkeit in ihrem Genre verdient haben.