Was ging bei... Rea Garvey im Zirkuszelt?

Moritz Kraus

Rea Garvey hat in Freiburg seine Karriere begonnen. Für den irischen Rocksänger war das Konzert am Sonntag auf dem ZMF also etwas ganz Besonderes. Deshalb wollte er den Abend "un – fucking – vergesslich" für das Freiburger Publikum machen. Ob ihm das gelungen ist:



Stage

In der Mitte der Bühne hängt das Banner mit dem Coverlogo von Garveys Album „Pride“. Darauf zu sehen: ein skizzierter, anmutig dreinblickender Fuchskopf. Ansonsten ist die Bühne in schlichtem Schwarz gehalten, ohne dekorativen Schnickschnack. Ein Blickfang während des Konzerts ist das gewagte Federn-Kleid der Backgroundsängerin, die übrigens Reas kleiner Schwester Margaret ist.

Crowd

Dass Rea Garveys Songs ein breites Publikum ansprechen, zeigt sich heute Abend deutlich. Links vor der Stage sammelt sich eine Gruppe von jungen Männern im Surfer-Look ausgerüstet mit reichlich Bier. Daneben steht eine Mutter, die wohl gerade ihre Midlife-Crisis hinter sich gebracht hat und hält sich einen Handventilator vors Gesicht.

Ein paar Meter weiter erklärt ein Mädchen ihrer Oma wie sie mit ihrem Smartphone fotografieren kann. Kurz darauf schießt diese erfreut das obligatorische Konzert-Selfie mit der Bühne im Hintergrund. Neben mir drängt eine verschwitzte, blondgelockte Mittvierzigerin mit dem Satz „Ich will ihn aus der Nähe sehen“ Richtung erste Reihe. Ungeduldig fängt die Menge zwei Minuten nach offiziellem Beginn an zu klatschen und zu pfeifen. Ob das den Rea wohl aus dem Backstage lockt?

Track-Check

Als Opener bringt Rea „Oh My Love“ in einer Gitarren-Version. Im Anschluss seine andere Single „Can’t Say No“.  Mit „Candlelight“, „Catch Me When I Fall“ und „We All Fall Down“ spielt der Ire weitere Lieder aus „Pride“. Der zweite Teil der Tracklist besteht dann aus älteren Songs wie “Supergirl”, “Wild Love”, “Can’t Stand the Silence” oder “Sorry Days”. Besonderes Highlight: der letzte Song „End of the Show“ mit mehrminütigen Soli von Drummer und Gitarrist, die trotz der vielen Balladen keinen Zweifel daran lassen, dass das hier ein Rock-Konzert ist.

Als Zugabe gibt es dann „It’s a Good Life“ und nochmal „Oh My Love“. Zum Schluss kündigt Garvey dann einen „Kneipensong“ an, den er gemeinsam mit einem guten Freund geschrieben hat, den er auch auf die Bühne bittet – es ist Marlon Roudette, ehemals Mattafix, der bei „Miss You When You’re Gone“ als zweiter Backgroundsänger sichtlich Spaß hat.

Geil

Garveys Aussage: „Seit dem ersten Lied zittert die Hütte hier“ trifft es perfekt, denn die Stimmung ist grandios. Ob klatschen, stampfen, oder hüpfen - das Publikum ist mit vollem Körpereinsatz dabei. Rea nimmt sich Zeit zum Plaudern und das kommt gut an. Er erzählt von seinem Hausverbot im Keidel-Thermalbad und einer peinlichen Begegnung mit dem Bürgermeister von Munzingen. Er meinte wohl den Ortsvorsteher, Munzingen gehört schließlich zu Freiburg und hat keinen eigenen Bürgermeister.

Für einen Song läuft Rea sogar durchs Publikum – was konstantes Gekreische zur Folge hat. Als er dann sagt, er habe sich den ganzen Sommer auf dieses Konzert gefreut und fühle sich wie zu Hause, gibt es minutenlangen Applaus.



Fail

Wo früher mit Feuerzeugen vor der Bühne geschwungen wurde, werden heute Smartphones in die Höhe gehalten. Irgendwie zerstört das ein wenig die tolle Atmosphäre, besonders bei Balladen wie „Oh My Love“, bei der das ganze Zelt abgedunkelt ist. Warum können Konzertbesucher nicht mehr nur genießen, sondern müssen unbedingt ein Video vom Konzert machen, dass man dann bei YouTube hochladen kann?

An der Tanke

Zu trinken gibt es Bier für drei Euro und die typischen Sommerdrinks „Hugo“ oder „Aperol Spritz“ für fünf Euro. Bestellt man ein Wasser in der Flasche, schraubt die Barkeeperin einem den Verschluss ab und behält ihn. „Aus Sicherheitsgründen“, sagt sie. Vermutlich will der Veranstalter verhindern, dass verärgerte Besucher volle Flaschen auf die Bühne werfen.

Kassensturz

Für die Karte werden knapp 50 Euro fällig. Mit Bier und Wasser kommt man auf 60 Euro. Im ersten Moment ist das ob der tollen Stimmung zu verschmerzen. Für nicht einmal zwei Stunden Konzert ist das aber eigentlich zu viel.

Schwitzfaktor

Wer an diesem Abend einen Fächer hat, ist im Vorteil, denn es ist genau wie die Tage zuvor sehr heiß im Zirkuszelt. Rea Garvey stellt treffend fest: „Das hier ist ja wie Massen-Bikram-Yoga!



Pauschalurteil

Das Highlight des Zelt-Musik-Festivals hat gehalten, was es versprochen hat: eine tolle Performance mit einer guten Mischung aus neuen Hits und alten Klassikern. Dazu ein blendend aufgelegter Rea Garvey, dem man anmerkt, dass er sich beim Freiburger Publikum pudelwohl fühlt. Ein würdiges Finale des ZMF 2015.

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Foto-Galerie: Patrick Seeger

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