Was ging bei … Prinz Pi im Zirkuszelt?

Laura Wolfert

Ein echter Wiehre-Bub: Prinz Pi erzählt von seiner Zeit als Freiburger. Auf seinem Konzert gab es Trump-Witze, Gänsehaut und Geschrei. Was gefehlt hat: Schorli wiss sür.


Die Stage

Der klassische Freiburger: Ein bisschen Hipster, wohnt in der Wiehre, klettert auf das Stadttheater und schreibt Songs auf dem Dachboden. So wie Friedrich Kautz – Prinz Pi.

Der Rapper ist einfach gekleidet: Er ist in ein graues Shirt und eine schwarze Dreiviertel-Hose geschlüpft. Eine rote Cap bedeckt seine Gel-Frisur, die Hornbrille hockt auf seiner Nase. "Ich habe vier Monate in der Wiehre gewohnt", sagt der 36-Jährige. "Ich weiß deshalb, wann ihr gut drauf seid Freiburg – und ihr seid gut drauf!"


Ein Wiehre-Bub also. Ein Wiehre-Bub, der sich bei Regen "IGod" auf dem Dachboden ausdenkt – und bei Sonnenschein heimlich auf das Stadttheater klettert. "Da habe ich diesen Song geschrieben", sagt er, und spielt "Wasser zu Wein" ein. Na ja, ein echter Freiburger hätte ihn "Wasser zu Schorli wiss sür" genannt – aber er war ja nur vier Monate da.

Prinz Pi springt wie ein Flummi von der einen Ecke zur anderen. Er fuchtelt mit seinen Armen in der Luft und schüttelt seinen Kopf. Das lange Kabel des Mikros schlingt sich um sein Bein, einmal um ihn herum, über seine Schulter. Fällt er gleich? Das ist Prinz Pi egal, er rappt seinen Song vom Dachboden einfach weiter – das verschwitzte Zirkuszelt kreischt.



Die Crowd

Ja, sie kreischen. Sie kreischen viel zu laut. Mädchen haben sich ihre Haare streng zu zwei Zöpfen geflochten. Wahrscheinlich haben sie sich vor dem Konzert auf einem 1,40-Meter-Bett frisiert, den gleichnamigen Song gehört und dabei "Hugo", "Lilly", oder "Inge" getrunken.

Aber es tummeln sich auch ein paar vereinzelte, ältere Fans in der Menge. Fans, die Prinz Pi schon vor "1,40" kannten. Die schon damals bei der Hausparty "Gib dem Affen Zucker" laut aufgedreht haben. Richtige Fans mit Fan-Shirts, die aussehen wie Prinz Pi selbst: Braune, gegelte Haare, Hornbrille und Cap.

Was Freiburg aber nicht kann: mitjubeln. Prinz Pi rappt zu "Schwermetall", die Menge soll ihm nach schreien. Aber nichts. "Freiburg, das ist mehr so Aluminium – wenn überhaupt Kupfer", sagt Pi.

Sprit-Check

Bier. Bier. Bier. Kein Wasser, das zu Wein wird und auch keine Schorli wiss sür. "Inge", "Lilly" und "Hugo" sind bereits in den Bäuchen der kreischenden Mädels.

Track-Check

Knapp die Hälfte des Konzerts ist vergangen und Prinz Pi meint immer noch: "Das wird heute ein guter Abend!" Zehn Minuten später verabschiedet er sich aber schon mit "das - war - ein guter Abend" und kommt kurz darauf wieder auf die Bühne gehüpft. Schon so früh eine Zugabe? Ja, nach vier weiteren Songs ist das Konzert – nach eineinhalb Stunden – schon vorbei. Den meisten reicht es aber mit Kuschelrap: Das Hemd ist verschwitzt, das Bier leer und die "Hugo-Inge-Lilly-Blase" voll.

Flirtalarm

Er hüpft nicht, tanzt nicht, schreit nicht. Prinz Pi steht auf der Stelle, packt den Mikrofon-Ständer, als wäre er jemand von Bedeutung. "Noch heute sehe ich in Menschenmengen manchmal deine Silhouette, es ist ein tiefer Schnitt wo du warst", rappt Pi. Fünf Feuerzeuge leuchten auf. Sein Arm ist angespannt, er zeigt auf einen Platz in der Menge.

Keine Scheinwerfer, die Pi im Licht verschlingen - nur ein kleiner heller Strahl, der ihn beleuchtet. Um ihn herum ist alles schwarz. Für einen kurzen Moment kribbelt die Gänsehaut auf den Armen. Sein Song "Laura" : Das Highlight des Abends.

Geil

Nach einem Moment Besinnlichkeit wird Pi wieder ernst: "Wirklich – ich hoffe wirklich – dass irgendwann einer kommt und sagt: Hey, das mit Trump ist alles nur ein Witz. Der wird niemals Präsident".

Pauschalurteil

Eine gute Mischung aus alten und neuen Songs, ein nettes Konzert, bei dem man mitsingen kann. Prinz Pi liefert eine gute Show ab, aber keine, die völlig überrascht. Ein Konzertticket für 29,30 Euro ist für einen deutschen Rapstar hingegen wirklich top! Was gefehlt hat: Schorli wiss sür!