Was ging bei... Philipp Dittberner & Band auf dem ZMF?

Joshua Kocher

Zwischen knutschenden Pärchen und Muttis, die ihren Töchtern beibringen wollten, was Liebe wirklich heißt, begab sich fudder-Autor Joshua Kocher zu Philipp Dittberner & Band ins Spiegelzelt. Nach Hause gefahren ist er trotz Kuschelstimmung nassgeschwitzt.

Die Crowd

Beim Beobachten der Schlange vor Einlassbeginn fällt vor allem eines auf: Es sind fast ausschließlich Frauen hier. Ein paar von ihnen haben ihren Freund an der Leine dabei, ein paar Muttis haben Papa ebenfalls mitgebracht. Dieser nuckelt geduldig an seinem Fürstenberg-Becher und fragt sich wahrscheinlich, wie es denn so weit kommen konnte. Vor ein paar Jahren noch die AC/DC-Welttournee mitgemacht, nun steht er hier und muss sich von einem 24-Jährigen erzählen lassen, wie das Liebesleben funktioniert.

Der Großteil der Damen erscheint in knappen Hotpants oder im Sommerkleid – es ist aber auch echt heiß an diesem Sommertag. Schnell wird noch die Hugo-Sektflasche leergemacht, dann ist man/ frau bereit für den Frauenschwarm mit den süßen Texten.



Die Show

Der Name Philipp Dittberner steht bekanntermaßen nicht für die großen Showeffekte. Der Fokus liegt auf seinen lyrisch sehr ausgereiften Texten und den Gitarren. Dementsprechend auch die Stimmung. Man schunkelt gemütlich mit, hat seinen Schatz im Arm und denkt über Gott und die Welt nach.

Der Act singt von Freundschaften, gescheiterten Beziehungen, Trennungsschmerz und dem Spaß am Leben. Bei "Ich dich auch" droht dann tatsächlich so etwas wie Stimmung aufzukommen, doch wird diese mit dem nächsten Schmusehit "Neben dir" direkt wieder abgewürgt. Die Band-Version seines größten Hits "Wolke 4", das Lied, das ihn gar erst nach Freiburg gebracht habe, ist der Höhepunkt des Abends. Das Spiegelzelt springt und klatscht, der Schweiß tropft von der Decke. "Ich habe gar nicht gewusst, dass wir heute in einer Sauna spielen", sagt Dittberner etwa bei der Hälfte seines Konzerts. Nach dem Song ist es fast nicht mehr auszuhalten im Spiegelzelt. Selbst stehend, am Rand des Geschehens, läuft einem der Schweiß bis an die Waden herunter.

Geil

Fraglich, wie lange der Act an der Ankündigung für sein Cover von Caspers "So perfekt" gebastelt hat, doch war diese wirklich gelungen. Beim Gang über das Festival am Nachmittag, sei es noch nie so leicht gewesen, zu erraten, wer vor ihm spiele (es war Dieter Thomas Kuhn). "Ich mag Fasching ja", witzelt er und spielt eine sehr ausgeklügelte Version des Rap-Songs.

Sympathisch gleicht er dabei auch einen Verspieler des Drummers aus und verliert zu keinem Zeitpunkt die Ruhe. Als er dann jedoch an seiner Tee-Peter-Tasse nippt, die neben der Setlist auf dem Boden der Bühne steht, ist das Rapper-Image schnell wieder verflogen. Die Akustik-Gitarre wird auf die Bühne gebracht, das Licht gedimmt und die Discokugel angeknipst, der Act streicht sich durchs Haar und gewinnt mit "Verlaufen" endgültig die Frauenherzen in der Menge. Um nicht allzu viel Schwäche zu zeigen, greift er danach zur E-Gitarre und liefert sich mit seinem Gitarristen ein Riff-Battle bei Blitzlicht. Nicht nur optisch hatte man zeitweise das Gefühl, Milky Chance stehe auf der Bühne, auch die Stimme erinnerte erschreckend stark an die des Stimmwunders Clemens Rehbein.

Sekundenschlaf

Etwa bei der Hälfte des Konzerts schleicht sich der Eindruck ein, der Act wiederhole eines seiner Lieder drei Mal in Folge, so ähnlich klingen viele von ihnen. Eine kluge Auswahl der Setlist sorgt jedoch dafür, dass man spätestens beim vierten Lied wieder aufwacht. Gut gemacht!

Fazit

Als Geschenk zum Jahrestag mit der Freundin war das Konzert mit Sicherheit genau das Richtige. Sollte jemand tatsächlich in der Erwartung hergekommen sein, die Show seines Lebens zu sehen, dann war das sicher eher enttäuschend. Für Schweißausbrüche sorgte dabei nicht etwa die Band, sondern vielmehr der Hitzestau unter der Decke des Zeltes.

Der Act konzentriert sich auf seine Texte, die echt gut sind und zum Nachdenken anregen. Auch an der Gitarre überzeugen Dittberner und seine Bandkollegen. Sollte es ihm gelingen, noch ein bisschen variabler in Melodie- und Tonauswahl zu werden, dann blüht dem Kerl eine große Karriere, ähnlich einem Philipp Poisel, der außerdem bei derselben Plattenfirma wie Dittberner unter Vertrag steht – wer hätte das gedacht?