Was ging bei ... Peter Licht in Schmitz Katze?

Lena Prisner

Peter Licht ist Philosoph, Autor, Sänger. Mal über den Al-Quaida-Ortsverein, mal über iPhones, mal über Liebe. Nachdenklich, könnte man seine Musik nennen - oder leise. "Lauter", schrie deshalb ein Mann, als Licht am Mittwochabend in der Katze spielte:



Der Künstler

PeterLicht ist ein deutscher Indie-Pop Musiker und hat im Oktober sein siebtes Album herausgebracht: „Lob der Realität“. Da seine Plattenfirma kein Geld dafür ausgeben wollte, hat er es gecrowdfundet. Drei Bücher hat er übrigens auch geschrieben – aus dem Neuesten wird er heute auch lesen.

PeterLicht ist vielfältig, manche seiner Texte wurden als Theaterstücke aufgeführt und die Mischung aus Konzert und Lesung erweist sich definitiv als interessant. Man denkt, es könnte stören, wenn die Musik immer wieder unterbrochen wird. Aber durch das Wechselspiel kann man kurz konzentriert zuhören, um sich dann wieder auf die Klänge der Musik einzulassen. Dadurch ist es viel weniger anstrengend als dauerhaft einer Lesung zuzuhören.

Insgesamt ist PeterLicht, der nur mit einem weiteren Mann auf der Bühne steht, sehr gelassen, witzig und spontan. Vor allem aber ist er eines: unprätentiös. Wenn er Lust hat zu tanzen, dann tanzt er. Wenn er Lust hat, leise zu singen und den Rest des Verses ins Mikro reinzunuscheln, dann nuschelt er. Zwischen ihm und dem Publikum gibt es keine Distanz: es ist gleichzeitig, als wären sie gar nicht da, und als wäre er ihnen sehr vertraut. Es fühlt sich an, als sei PeterLicht unter Freunden.

Die Crowd

Es ist brechend voll. Jung, älter, ganz alt – alles vertreten. Studenten, Nicht-Studenten, Leute, die aussehen, als würden sie sonst nie einen Laden wie diesen betreten (da normalerweise Hausfrau und/oder Couchpotato). Viele Kenner, die PeterLichts Humor schätzen und ihm zujubeln. Aber auch verwirrte Blicke gibt es zu entdecken, wenn er einen seiner 'weirden' Texte raushaut und von einer Jeans erzählt, die man niemals waschen darf und die sich deshalb in einen Maggiwürfel verwandelt. Es ist köstlich, man erkennt diese Leute sofort – solche, die mit seinem Humor nicht vertraut sind. Sie sind noch zu verkrampft für grandiose Albernheit wie diese.

Lacher

„Sag mal, geht das lauter, oder soll das so?“ fragt zu Beginn jemand aus dem Publikum. Naja, grübelt PeterLicht, mal sei es lauter, mal nicht… „Wir machen Rock’n’Roll von unten“, erklärt er. „Der Herbst beginnt, es ist total viel Getöse.“ Er lädt jeden, dem es zu leise ist, ein, sich doch einfach an den Rand der Bühne zu setzen. Er höre sich übrigens gut, kommentiert er mit einem Augenzwinkern.

Die Texte

… sind wundervoll seltsam. PeterLicht singt vom iPhone-Wegschmeißen, vom Mann mit Bombe aus dem Al-Quaida-Ortsverein, von der Liebe und ihren Trennungen, als seien sie federleicht. Vom Katerhaben: „Wer saufen kann, kann auch ausschlafen. Und den Tag in die Matratze drücken, bis ihm das Kissen an der Backe klebt“.

Aufreger

Irgendwann brüllt von hinten ein Rentner: „LAUTER!“ Durch das Publikum geht ein Raunen. Was soll das?, denkt sich wohl gerade jeder. Manche Leute stünden hinten und täten nichts hören, versucht sich der Schreihals zu verteidigen. PeterLicht aber bleibt gelassen: „Sorry, ich find’s eigentlich ganz schön.“ Auch er solle doch bitte einfach nach vorne kommen. Macht der Typ natürlich nicht. Von diesem Moment an nutzt der Künstler jede Gelegenheit, sich über derartige Beschwerden lustig zu machen. Man könne mitsingen, wenn man wolle, aber bitte nur leise. Und jetzt den Refrain, aber nicht vergessen: extra leise. Die Leute grölen.

Der Höhepunkt

Bei „Wir sind jung und machen uns Sorgen über unsere Chancen auf dem Arbeitsmarkt“ singt das Publikum ganz leise mit und PeterLicht trällert Einschübe dazwischen. Er redet von „euphorischer Stille“, und das beschreibt es ganz gut. Der fast meditative Gesang des Publikums ist garantiert etwas, das man so noch nicht erlebt hat. PeterLicht bittet den Techniker, jetzt doch mal die „Sonne“ anzumachen, dieses „Rollteil“. Leider geht die Sonne nicht an. Jetzt könne jeder machen, was er will, erklärt der Musiker; wieder wird gelacht. Er zumindest geht dieser Aufforderung sofort ungezwungen nach und streckt sich ausgiebig. Dann packt er eine Banane aus und isst sie, während er sein Buch aufschlägt, um wieder eine Passage zu lesen.

Fazit

Ein super Abend. Ruhige, philosophisch-ironische Musik, wie man sie von PeterLicht kennt und liebt. Ein unheimlich witziger Auftritt, der das Entspannungslevel im Saal immens anhebt. Wie gern wäre man noch geblieben, um weiter in PeterLichts Wortspielen zu versumpfen. Oder mit ihm noch eins trinken gegangen.

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