Was ging bei...Otago im Stadttheater?

Katharina Kiefel

Weiche Stimme, wechselnde Instrumente und sehr viel träumerische Sphären: Das neue Bandprojekt Otago rund um Hannes Wittmer tauchte den Werksaal des Stadttheaters gestern in eine ferne Klangwelt.

Der erste Eindruck

Hannes Wittmer betritt fast unbemerkt in Jeans, Adidas-Sneakern und T-Shirt die Bühne. Ohne viel Tamtam wird das erste Lied angestimmt, die Reise in neue Klangwelten geht los. Das Publikum, das an diesem Abend in besonderer Kulisse – nämlich im Werkraum des Stadttheaters – zusammen gekommen ist, schnallt sich an und ist mit an Bord. Wittmer versinkt in den Klangwelten seiner Musik, schaut teilweise fast wie ein aufgeschrecktes Reh in die Menge, um dann schnell wieder seine Augen zu schließen und sich im Strom der Klänge mitreißen zu lassen. Wittmer ist – genau wie seine Bandkollegen – Vollblutmusiker, genießt, leidet, verkörpert Musik. Penibel stimmt er vor jedem Lied seine Gitarre: "Will ja noch n paar Platten verkaufen…"

Die Band

Die Band besteht aus Hannes Wittmer – ehemals unter Spaceman Spiff bekannt geworden – David König, Clara Jochum und Jonny König, der bereits als Support La Koeur an den Drums begeisterte. Mit Otago ist ein Bandprojekt entstanden, das auf Englisch musiziert, ein künstlerisches und musikalisches Potpourri darstellt, das wunderbar zusammen klingt. Jonny König liebt und lebt sein Instrument, mal improvisiert, mal mit einer Hand an den Drums, die andere an der Loopstation, mal auf Guglhupf-Formen trommelnd, mal mit Gitarre, mal nur mit Stimme. Er ist ein Profi an seinen Drums und hat sichtlich Spaß. Clara Jochum und David König legen Wittmers Gesang auf einen weichen Klangteppich aus Celloklängen, Synthiesound und Xylophon. Dass auch alle Bandmitglieder à Capella eine gesanglich überzeugende Leistung bieten können, zeigt sich bei der letzten Zugabe, einem "Gute Nacht-Lied".

Die Musik

Dass Hannes Wittmer ein großartiger Singer-Songwriter ist, hat er mit seinem Projekt "Spaceman Spiff" bereits in der letzten Dekade bewiesen. Mit Otago präsentiert sein neues Bandprojekt das gleichnamige Debütalbum – an diesem Abend zum fünften Mal überhaupt vor Publikum. Darin mischen sich elektronische und akustische Elemente, die sich aus einer verträumten Stille heraus zu eindringlichen, pulsierenden Rhythmen und eingängigen Melodien entwickeln. Klangwelten schichten sich in mehreren Ebenen übereinander, nehmen Fahrt auf und begeben sich auf eine Reise, auf die man gerne mitkommen möchte – so etwa in Ghost Stories. Musikalisch spielt die Band auf professionellem Niveau, jedes Bandmitglied glänzt für sich und ist trotzdem eine starke Einheit.

Die Show

Mal Nebelschwaden, mal Projektionen des Albumcovers, auf dem ein springendes Pferd zu erkennen ist, mal reduzierte Farbspiele. Das Bühnenbild schmiegt sich an die Musik, visualisiert die Klangwelten und spiegelt genau das wieder, was Otago mit ihrer Musik ausdrücken. So zeigt eine Visualisierung ein Kaleidoskop, das immer wieder etwas Neues, Unerwartetes hervorbringt und damit genau den Kern der teils komplexen, teils reduzierten Songkonstruktionen Otagos verbildlicht.

Nur wenige Worte richtet Wittmers an diesem Abend an das Freiburger Publikum, bedankt sich ausgiebig bei seiner Band und der Ton- und Bildtechnik, macht Witze über die Kehrseiten einer neu gegründeten Band: "Ja, das ist nun eben das Problem mit einer neuen Band: Wir haben das Album durchgespielt, mehr gibt’s nicht." Aber die Band hat was im Petto: A Capella stimmt sie ein Gute-Nacht-Lied an.

Die Crowd

"Sitzen oder Stehen?" Das ist hier definitiv die Frage. Das auffällig junge Publikum besteht aus Spaceman- Spiff-Fans erster Stunde und – spätestens nach diesem Konzert – auch aus Otago – Anhängern, die das frischgeschlüpfte Bandprojekt ausgiebig feiern. Ein Teil des Publikums setzt sich im Laufe des Konzertes, was schnell eine Kettenreaktion auslöst. Spätestens bei "Lessons" , einem Song, der mit pulsierenden Beats sehr vorangehend wirkt, steht das Publikum restlos, worüber sich Wittmer sichtbar freut.

Kassensturz

12 Euro im Vorverkauf für ein Konzert eines Bandprojekts auf hohem Niveau, von dem noch viel zu erwarten ist. Jeden Groschen wert. Definitely more to come.

Fazit

Wow. Bitte bald wieder!