Was ging bei... "Nachgefragt" mit Samuel Koch?

Franziska Brandsch & Felix Wacker

Eine drehende Bühne, Mojito statt Wasser und ein Video der Abi-Feier: Samuel Koch war am Dienstag zu Gast bei der Schülertalkshow "Nachgefragt". Trotz sensibler Themen war der Abend unglaublich heiter und brachte so manche alte Geschichte hervor.

Das Format

Das Rotteck-Gymnasium Freiburg ist durch seine Talkshow-Reihe "Nachgefragt" mittlerweile deutschlandweit bekannt. Seit 2005 stellen sich mehrmals im Schuljahr Prominente den Fragen zweier als Moderatoren fungierenden Schüler. Zusätzlich werden mit dem Gast witzige Spiele veranstaltet. Dieses Mal ist der Schauspieler und Autor Samuel Koch in Freiburg zu Besuch.

Der erste Eindruck

Alle Stühle der Aula waren belegt mit Schülern und Lehrern des Rotteck-Gymnasiums sowie anderen Besuchern. Sogar im ersten Stock auf der Empore standen viele Schüler und Lehrer. Trennwände schützten anfangs die Bühne vor neugierigen Blicken. Dann ging das Licht aus und das Publikum jubelte begeistert. Die Moderatoren stellen sich vor und begrüßen ihren heutigen Gast. "Hi", erwidert Samuel Koch, und bereits jetzt liegt ihm das Publikum zu Füßen.

Die Stage

Ein Highlight dieses Abends war definitiv die drehende Bühne, gebaut aus dem Schreibtisch eines ehemaligen Schulleiters. Etwa vier Minuten braucht es für eine Umdrehung. Samuel Kochs Kommentar zum rotierenden Podest: "Habt ihr hier immer so Schnickschnack und Dreh-Kladderadatsch?" Moderator Leon Schönemeyer erwiderte es sei erst der Beta-Test für die Bühne aber so Schnickschnack hätten sie schon immer viel.

Die Moderatoren

Dieses Mal moderierten den Abend Sarah Jehle und Leon Schönemeyer. Bereits in der Begrüßung gingen sie auf Leons hervorragende Deutsch-Note von einer 2+ ein und das blieb auch über den Abend der Running Gag immer wieder, wenn es um Grammatikfragen ging. Die Schülerin Marie las die Biografie von Samuel Koch vor und Zoe half ihm beim "klavier-trompeten".

Die Themen des Abends

Wie üblich bei "nachgefragt" war Politik immer wieder Thema: Direkt die erste Frage bezog sich auf die gescheiterten Jamaika-Sondierungen und Samuel Kochs Antwort: "Wenn ich gewusst hätte, dass ihr hier über Politik schnacken wollt...Aber ich befürchte ja, dass es eine Minderheitsregierung geben wird". Angela Merkel nannte er als politisches Vorbild und zitierte ihre Aussage, die Politik sei ihr Kind und sie habe sich ihr zu 100 Prozent verschrieben.

Seine Bücher waren ebenfalls Thema des Abends. Mehrfach lasen die Moderatoren oder Koch selbst Passagen vor. Besonders eingegangen wurde auf die "Was ich noch kann"-Liste. Hierin beschreibt Samuel Koch die Dinge, die er nach seinem Unfall noch tun kann. Unter anderem auf dieser Liste: Lachen, schmecken, lesen, fortpflanzen, denken, küssen und Mundorgel spielen. Daraufhin wurde er aufgefordert mit einer Art Klavier-Trompeten-Instrument zu spielen. Mit Hilfe einer Schülerin gab er dann das Lied "Alle meine Entchen" zum Besten. "Für so einen Kack habe ich ja noch nie Applaus bekommen", lacht er.

Natürlich war auch sein Unfall vor fast sieben Jahren bei "Wetten, dass..." und sein Leben danach ein Thema. Er habe damals viele Menschen um Rat gefragt, ob er den Stunt machen solle. Nicht weil, er Angst vor der sportlichen Darbietung hatte, die war für ihn kein Problem, da er bereits als Kind Dinge mit Salti übersprungen habe. Er war sich unsicher ob er sich eventuell als Schauspieler damit schaden würde. Dennoch ließ er sich überzeugen und machte den Stunt. Ob er nun vernünftiger geworden sei, verneinte er ganz klar. Er sei eher noch unvernünftiger geworden. Heute sagt er würde er eher auf sein Bauchgefühl hören.

Die Games

Neben dem Üblichen Frage-Antwortspiel mit vier Antwortauswahlmöglichkeiten, gab es vier zusätzliche Spiele.

Bei einem der Spiele erzählten Samuel und die Moderatoren eine Geschichte, bei der jeder im Kreis einen Teil weiter fortführt. Heraus kam dabei eine urkomische Geschichte eines Mädchen namens Susi, die zu viel Wein getrunken hat auf einem Schützenfest und sich dann bei einem Englischtest wiederfindet.

Bei einem anderen Spiel sollten Gerüche aus Reagenzgläsern, "einem Potpourri direkt aus dem Chemielabor" erraten werden sollten, konnte Samuel Koch diese sofort zuweisen - von Autoabgasen, über Parfüm bis hin zu Red Bull.

Deepe Gespräche

Es war von Beginn an klar, dass mit Samuel Koch nicht nur gescherzt wird. Sarah Jehle fragte nach seinem Gefühl während des Hochzeitstanzes im vergangenen Jahr. Denn er hat nicht nur mit seiner Frau an Seilen hängend getanzt, sie sind sogar durch das ganze Zirkuszelt geflogen. "Ihr das zu ermöglichen war ein schönes Gefühl, Tanzen kann ja jeder", lacht Samuel Koch.

Auch die Frage nach etwaigen Suizidgedanken nach seinem Unfall kam auf und Samuel verneinte konkrete Selbstmordgedanken, doch es gab eine sehr schmerzhafte Phase in der er glaubte mit der Gabe der Bewegung alles verloren zu haben.

Zum Schluss des Gesprächs erzählte Samuel Koch von etwas, das ihm sein Vater schon früh beigebracht habe, und zwar ein gutes Selbstwertgefühl und Selbstbewusstsein zu haben. Sein Vater sagt ihm stets einfach so "1+" um ihm zu zeigen, dass er genau richtig war, selbst bei einer schlechten Schulnote. "Er liebt mich, weil ich bin, genau wie Gott". Es ist viel wichtiger zu sein, als etwas erreicht oder verdient zu haben, findet Koch und beendete die Talkrunde mit den Worten: "Vielleicht heißt es deshalb im Englischen "human being und nicht human doing".

Anekdote des Abends

Die Schüler des "nachgefragt"-Teams haben alte Stories aus Samuel Kochs Schulzeit ausgegraben:

Er ist damals von einer Halle der Schule zur nächsten gesprungen. "War das mit den Lehrern abgesprochen?", fragte Moderator Leon Schönemeyer. "Natürlich", entgegnete Koch mit seiner gewohnt trockenen Art und die Menge grölte vor Lachen.

Bei einer Klassenfahrt nach Rom, habe der 18 Jahre alte Samuel Koch seinen Schlüssel vergessen und sei die Hausfassade hochgeklettert, gaben die Moderatoren eine Geschichte wieder. "Wen habt ihr denn da gefragt?", lachte Samuel Koch. "Quellenschutz", antwortete Moderator Leon Schönemeyer. Also daran könne er sich nicht erinnern, so Koch, aber es klinge nicht so unrealistisch. "Auch das war wieder mit den Lehrern abgestimmt, nehme ich an?" "Mit Sicherheit", lautet Kochs Antwort.

Ein Video von seiner Abifeier wurde abgespielt, das den jungen Samuel Koch tanzend zu "Better, faster, stronger" mit einem Klassenkameraden zeigt. Mit dem kurzen Film, den es sogar auf Facebook gibt, konfrontiert, verteidigt sich Koch und sagt:" Der Song hat aber auch eine tugendhafte Botschaft".



Geil

Als die Moderatoren Samuel Koch zu seiner Meinung nach dem diesjährigen Jugendwort "I bims" befragen, sagt er, er hätte lieber "fernschimmeln" gehabt. Auf die Frage, ob er wisse was das Wort bedeute sagte er: "nö, hört sich aber gut an". Sie erklärten ihm, dass damit gemeint sei an einem anderen Ort zu chillen und so erzählte Samuel Koch, dass er am liebsten dieses Jahr im Toten Meer "ferngeschimmelt" hätte.

Zum Schluss waren alle sichtlich erschöpft von den anregenden Gesprächen, was auch daran zu merken war, dass Moderator Leon Schönemeyer sich bei Sebastian Koch bedankte, anstatt bei Samuel Koch.

Stimmung

Mehrmals fragte Samuel Koch nach dem kichernden Publikum und witzelte über klirrende Gläser mit "Prost". Seine schlagfertige und humorvolle Art begeisterte die ganze Aula. Auch die mehrfach fehlerhafte Technik des Tablets, das Samuel Koch ermöglichen sollte, die Fragen vor sich zu sehen, erheiterte gemeinsam mit den trockenen Kommentaren Kochs das gesamte Publikum. Doch auch die Mechanik der Bühne sorgte immer wieder für Geräusche, die Koch so kommentierte: "Ohje, jetzt geht's kaputt".

Sprüche des Abends

Samuel Koch hat an diesem Abend wirklich einen Spruch nach dem anderen rausgehauen und die Menge zum Lachen gebracht:

Die Moderatoren tranken Orangina, doch Samuel Koch hatte Wasser vor sich. Er scherzte, dass er zu einer Orangina auch nicht nein sagen würde und prompt hatt er eine vor sich. Das Beste jedoch: Er legte noch einen oben drauf und witzelte "Wenn ich leer habe, nehm' ich einen Mojito" - und zack stand schon einer vor ihm. "Hier gefällt's mir, hierher komme ich öfters."

Auf die Frage nach seinem Lebensmotto antwortete Samuel Koch, dass sein Motto im Abi-Jahrbuch war: "Erst der Spaß dann das Vergnügen" , und fügte hinzu: "Heute bin ich weiser und würde es vielleicht umdrehen."

Bei einer Antwort trinkt Samule Koch zwischendrin und fragt anschließend: "Wo war ich? Hat jemand zugehört? Wahrscheinlich nicht - wie in der Schule." Bei Lehrern wie Schülern gleichermaßen war das Gelächter groß.

Fazit

Der Abend, der unter dem Motto "Was ist Schicksal" lief, hätte nicht lustiger und zugleich so bewegend sein können. Es steckt viel mehr hinter dem Mann, den viele nur als den "bei Wetten, dass...-Verunglückten" kennen.
Save the Date

"Nachgefragt" heißt es im Rotteck-Gymnasium bereits wieder am Donnerstag, 7. Dezember, um 19 Uhr. Dieses Mal zu Gast sein wird CDU-Politiker und Bundespräsident a.D. Christian Wulff.