Was ging bei … Mine auf dem ZMF?

Anna-Lena Gröner

Deepe Texte, elektronische Klänge und ein Akkordeon: Am Sonntagabend hat Mine auf dem ZMF gespielt. Außerdem hat sie das Publikum mit Super Soakern nass gemacht und ist Backstage auf einem Plüschpferd geritten.

Mine ist eine deutsche Künstlerin, die es schafft mit HipHop Einflüssen, elektronischen Klängen und totgeglaubten Instrumenten wie einem Akkordeon das Publikum in ihren Bann zu ziehen. Man klebt ihr an den Lippen, man schwebt auf den Wellen ihrer Musik.


Vor der Stage

Das Publikum hat es sich auf dem Dielenboden des Spiegelzeltes bequem gemacht. Im Schneidersitz geparkt, Schorle oder Bier trinkend, wartet man auf sie - Mine. Und kaum ertönen die ersten Klänge, stehen alle wie von Fäden nach oben gezogen auf und beginnen im Takt der Musik mitzuwippen. Die Sängerin erscheint einem langen schwarzen Mantel auf der Bühne. "Man ist das heiß hier drin", merkt sie schnell. "Ich habe extra meinen Morgenmantel angezogen. Der wird noch fallen." Darauf Beifall.

Die Crowd

Angenehmes und auffällig gemischtes Publikum. Halten wir mal im Schnitt Ü30 fest. In der ersten Reihe stehen einige Fangirls, die textsicher bei jedem Lied mitsingen. Dann sind da die frisch verliebten Pärchen, die vor allem bei den ruhigeren Songs die Finger nicht voneinander lassen können – so wie sich das eben gehört. Es ist ein aufmerksames Publikum, das oft bis zum Ausklang des letzten Tones wartet, bis es Beifall klatscht. Das kommt auch bei der Sängerin gut an, die sich am Ende mit den Worten "Die Qualität dieses Publikums war sehr beeindruckend. Ich gehe mit viel Liebe nach Hause, also ins Hotelzimmer", verabschiedet.

Track-Check

Mine beginnt ihr Konzert im Spiegelzelt mit mit "Anker", dem ersten Lied ihres neusten Albums "Das Ziel ist im Weg". Quasi sicherer Halt für die nächsten eineinhalb Stunden. Wäre aber auch Wurst gewesen, mit welchem Lied sie angefangen hätte – im Publikum sind Mine-Fans und die finden alles gut, was die 31-Jährige und ihre Band abliefern. Mit glasklarer Stimme, Geigenklängen, Akkordeonmusik, Walzermelodien und HipHop-Beats haut die Gute raus, was ihre zwei Alben hergeben und das Publikum feiert es. Bei "Findelkind" wird abgerockt, bei "Du scheinst" liegen sich die besagten Pärchen in den Armen und bei der Zugabe "Das Ziel ist im Weg" wird noch einmal kräftig aufs Parkett getreten.

Geil

Nach dem dritten Song gibt Mine bekannt, dass die Band den Tag über eigentlich gar nicht so gut drauf gewesen sei und nicht so recht gewusst habe, wie man sich vor diesem Konzert fühlen soll. Schuld daran ist Gitarrist Hannes. Er ist am selben Tag durch die Gitarrenprüfung gefallen. "Wir sind sehr strebsam und legen wert auf einen Abschluss", scherzt die 31-Jährige. "Also Hannes, heute musst du dich Beweisen. Verkack's nicht!". Das ist wohl wahre Bandliebe. Hannes liefert!

Auch Geil

Der Schlagzeuger drückt immer wieder in alter Stefan Raab Manier Knöpfe, bei denen die Stimme des Berliner Künstlers Friedrich Lichtenstein (EDEKA-Werbung "supergeil") ertönt. Dabei handelt es sich um Outtakes, die für Mines Orchesterkonzert aufgenommen wurden.

Noch mal Geil

Mine erzählt dem Publikum von Frank the backstage horse. Einem Pferdchen, auf dem die Künstler hinter der ZMF-Spielegzelt-Bühne reiten können. Sie lädt alle dazu ein, dem lieben Tierchen auf Instagram zu folgen @frankthebackstagehorse.



Schwitzfaktor

Es ist warm im Spiegelzelt und es heizt sich mit der Zeit immer weiter auf. Beim Song "Der fliehende Robert", in dem es im Refrain heißt "Lass es regnen auf dich", holt die Band hinter der Bühne Super-Soaker und gibt dem schwitzenden Publikum eine kleine Abkühlung. Sehr nett. Sehr lustig. Sehr sympathisch.

Pauschalurteil

Man möchte Mine zur Freundin, mit ihr in den Clubs tanzen und einen über den Durst trinken. Sie wirkt unglaublich sympathisch, scheint sich zusammen mit ihrer Band ernsthaft darüber zu freuen, dass das Publikum nur für sie gekommen ist und sie nicht, wie sonst bei Festivals, nur 45 Minuten spielen dürfen, sondern eineinhalb Stunden. Und diese gehen so schnell vorbei, dass man die Dame und ihre Band leider schneller vermisst, als einem lieb ist. Alles richtig gemacht, Mine. Nur den "Morgenmantel", den hat die Gute tatsächlich bis zum Schluss angelassen.

Bildergalerie