Was ging bei … Mile Me Deaf im Slow Club?

Simon Langemann

Mile Me Deaf klingen weit weniger nach Geheimtipp für Indie-Checker als nach der großen Festivalbühne im Abendrot. Am Freitag waren die Wiener trotzdem auf kleiner Bühne im Slow Club zu Gast.

Die Stage

Mile Me Deaf verwandeln die kahle Kelleratmosphäre des Slow Clubs in eine buntes Wunderland: Ganz in weiß gekleidet, lassen sich die vier Bandmitglieder von einem Beamer mit farbenfrohen Animations-Visuals anstrahlen, die ihr Kollege übers Tablet steuert. So simpel, aber so wirksam.

Fail

Der Supportact Brandt musste krankheitsbedingt leider absagen.

Geil

Natürlich der Mainact Mile Me Deaf, mit seinem schillernden Alternative-Sound. Jung sehen sie aus – und lassen einen doch spüren, dass man es hier nicht mit Newcomern zu tun hat, sondern mit einem über 13 Jahre gewachsenen Projekt. Wenngleich der dandyhafte Sänger und Gitarrist (und Alleskönner) Wolfgang Möstl die Alben gerne mal im Alleingang einspielt.

Die Musik

Mutet nur auf den ersten Blick verschroben an, ist in Wirklichkeit aber durch und durch Pop. Das klingt gerne mal nach dem Shoegaze der Raveonettes, in den psychedelischsten Momenten nach Tame Impala oder Pond, manchmal aber auch dezent nach den Libertines.

Die Crowd

Spielt im Verlauf des Konzerts noch eine größere Rolle als zunächst vermutet. Ganz die kompromisslosen Künstler, spielen Mile Me Deaf zunächst ihr neues Album "Alien Age" komplett durch – ehe Bassist Florian Seyser die frontale Konzertsituation in charmant bräsigem Wienerisch auflöst: Es gebe jetzt noch zwei Songs, die man eh immer spiele, aber davor sei ausreichend Raum für Wünsche.

Track-Check

Und so verwandelt sich auch die Band selbst vom konzentrierten Quartett in eine offene Gesprächsrunde – munter ausdiskutierend, ob man dem vorliegenden Wunsch nachkommen könne. Resultiert daraus ein "Nein", verspricht Seyser dem Wünschenden eine Mile Me Deaf-CD. Und irgendwann schließlich auch Schallplatten, um sich selbst einen Anreiz zu schaffen, wenigstens Hits wie "Shiver" oder "Brando" aus dem Stegreif hinzubekommen.

Sekundenschlaf

Das Spielchen wäre prädestiniert für diverse Durchhänger-Momente. Doch bevor das Publikum sich langweilen kann, schickt Mile Me Deaf-Soundmann Werner Thenmayer stets seinen gluckernden Drumcomputer über’s Mischpult. Und auch während der Stücke schwingt sich der im Adidas-Trainingsanzug bekleidete Toningenieur immer wieder zum fünften Bandmitglied auf – und ergänzt die Stücke mit einer Rassel.

Kassensturz

Die Abendkasse elf Euro, die Garderobe nix, das kleine Bier 2,50.

An der Tanke

Getrunken wird vorrangig Freiburger oder Bio-Bier. Nicht gesichtet: das Slow Club-Hausgetränk "Phil Collins".

Flirtalarm

Na ja, ein paar Paare halten sich umschlungen. Doch im thematischen Zentrum der neuen Platte "Alien Age" steht ja nicht die Romantik, sondern der postapokalyptische Zustand nach dem Ende der Menschheit. Immerhin: Ihr letztes Stück widmen Mile Me Deaf "den Liebenden".

Der Ohrwurm danach

"Digital Memory File", der Hit vom 2015er-Album "Eerie Bits of Future Trips", mit seiner genial penetranten Refrainmelodie.

Pauschalurteil

Tolle Truppe – bitte gerne weitersagen. Mile Me Deaf klingen nämlich weit weniger nach Geheimtipp für Indie-Checker als nach der großen Festivalbühne im Abendrot.