Was ging bei... Me And My Drummer in Schmitz Katze

Florian Forsbach & Katharina Kiefel

Ist Liebe ein Kühlschrank? Nach fast vier Jahren Pause präsentiert das Indie-Duo Me and My Drummer ihr neues Album "Love is a Fridge" im Schmitz Katze. Träumerischer Indie-Pop, warum sich alles um Tübingen dreht und eine Überraschung fürs Freiburger Publikum.



Fabian Simon – spaciger Cowboy Soul zum Eingrooven

Fabian Simon, ein früherer Kollege von Me and My Drummer aus Tübingen, dem Ort, an dem alles begann. Fabian Simon eröffnet den Gig mit seiner Gitarre. "War jemand bei meinem letzten Konzert?" Nachdem keine Reaktion aus dem Publikum kommt meint er: "Das is´gut, war nämlich nich' so geil!" Unter Gelächter des Publikums stimmt Fabian Simon den nächsten Song an und erweist sich nicht nur thematisch als souveräner Allrounder, sondern auch musikalisch: Neben folkigen Songs, Pop in Beatles-Manier und Tom Waits'scher Stimmgewalt, vereint er im "tödlichen Kitchen-Blues" den versprochenen Cowboy-Soul mit Potenzial für den nächsten Tarantino Soundtrack. Das kommt gut an beim Freiburger Publikum, das den Tübinger sofort ins Herz geschlossen hat und nicht ohne Zugabe von der Bühne lassen will.

Me and My Drummer - Die Show

Me and My Drummer – das sind Charlotte Brandi und Matze Pröllochs, die sich am Landestheater Tübingen kennenlernten und für ihr musikalisches Schaffen seit Jahren in Berlin leben. Dort haben sie sich in den letzten vier Jahren – seit Erscheinen ihres Debütalbums The Hawk, The Beak, The Pray – vor allem auf sich selbst und ihre Musik konzentriert. Herausgekommen dabei ist eine neue musikalische Kompromisslosigkeit, die experimenteller, direkter und tanzbarer denn je um die Ecke kommt. Das wird gleich im Auftaktsong Prague I & II sichtbar, der das Freiburger Publikum in den Bann zieht und ihm nach und nach erste Tanzbewegungen zu entlocken schafft.

"Wow, ihr seid sehr viele. Das is' was Schönes", haucht Charlotte nach den ersten Songs fast schon verlegen ins Mikrophon. Alles andere als verlegen präsentieren Me and My Drummer in knapp zwei Stunden Konzert Songs vom alten, als auch neuen Album Love is a Fridge. Charlottes authentischer und berührender Gesang wird mal von Synthie-Klängen, mal von E-Gitarrensounds (die Charlotte bei den Arbeiten zum neuen Album für sich entdeckt hat), aber immer von dem treibenden Beat ihres Drummers getragen. Einfühlsam und kraftvoll zugleich verhandeln Me and My Drummer die Krux des Zusammenseins, intimer Momente und menschlicher Beziehungen.

Der Style

Berlin und London. Die beiden Metropolen, die Me and My Drummer musikalisch geprägt haben, lassen sich auch im Mode-Stil erkennen: Charlotte trägt schwarze Lack-Dr. Martins, eine High-Waist-Jeans und ein schwarzes weiteres T-Shirt. Die Mähne offen und die Lippen dunkelrot.

In einen nicht ganz so schlichten Zwirn hat sich Matze an diesem Sonntagabend geworfen, die wasserstoffblonde Mähne erinnert entfernt an den Bilderbuch-Frontsänger Maurice Ernst, das farbenfrohe Hemd mit ebenso bunt bedrucktem Blouson darüber vereint Hipstertum, Berlin und Synthie-Pop auf eine perfekte Art, die im Einklang mit den Bewegungen an den Drums und seinem Lächeln einen Hingucker darstellen.

Highlight

Nachdem Charlotte ihren Drummer vorgestellt hat, meint der zum Publikum: "Ich bin aus Tübingen, is' das 'n Problem?" und erntet Jubel. Es folgt ein gemeinsamer Track mit Fabian Simon, der einem Besucher ein "GEIL!" entlockt, woraufhin das Duo verlegen lacht und dem Publikum nun eine ganz besondere Überraschung, nämlich einen Song auf Deutsch, präsentiert. Das Publikum hat nun endgültig die 40-Grad-Marke geknackt und feiert die letzten beiden Songs so richtig ab.

Die Crowd

Tja, die Crowd. Schwer zu sagen, da Schmitz Katze teilweise eher einer dunklen Tropfsteinhöhle gleichte, in der das Publikum nur schwer auszumachen war. Vom Lautstärkepegel, der enormen Hitze und dem Maß an Beinfreiheit lässt sich vermuten, dass die Katze an diesem Sonntagabend voll war und sich – zurecht – viele junge Freiburger für gute Musik und gegen den Polizeiruf entschieden haben.

In den ersten Reihen wird getanzt, andere genießen mit den Zehen mitwippend ihr Bier, andere versinken in ein tranceartiges Kopfwippen. Fest steht: Alle hatten Spaß, Love is a Fridge kam in der dampfigen Katze extrem gut an.

Kassensturz

16 Euro im Vorverkauf, 19 Euro an der Abendkasse. Dazu noch Getränke. Egal was, Hauptsache kühl. Vollkommen Ok für ein super Konzert, tolle Klangqualität und die beste Option für einen verregneten Sonntagabend.

Fazit

Me and My Drummer beenden nach knapp zwei Stunden ihr Konzert mit einer Zugabe und haben das Freiburger Publikum restlos in ihren Bann gezogen. Auch der Tontechniker bekommt noch seinen fame. Ein gelungenes Konzert!

Mehr dazu:

 

Fotos: Florian Forsbach

Tipp: Wartet einen Augenblick, bis die Galerie komplett geladen ist. Ihr könnt euch dann ganz bequem jeweils das nächste Foto anzeigen lassen, indem ihr auf eurer Tastatur die Taste "N" (für "next") drückt.