Was ging bei ... Marcel Gein & Helmet Lampshade im Slow Club?

Katharina Kiefel

Nachdenkliche und einfühlsame Musik mit Tiefgang: Marcel Gein sorgt mit Support von Helmet Lampshade für Wohlfühlstimmung im Slow Club. Warum er Saarbrücken wortwörtlich zum Kotzen findet, der Schwarzwald tiefe Spuren hinterlassen hat und es am Valentinstag Jägermeister gab:



Der erste Eindruck

Zwei Jungs aus dem Südwesten Deutschlands, die mit Gitarre und Stimme tiefsinnige Musik machen. Während Marcel Gein noch lässig das ein oder andere Bierchen an der Theke süffelt, beginnt Helmet Lampshade das Konzert im Slow Club vor einem überschaubaren Publikum. Zarte Melodien, getragen von einer teils filigranen, aber auch kraftvollen Stimme hüllen das Freiburger Publikum in eine wohlige Klangatmosphäre.

Helmet Lampshade, der eigentlich Julian heißt und bald zum zweiten Mal Papa wird ("Oh Gott"), begeistert mit einem warmen Klang. Nach einem gemeinsam performten Song und ganz viel Männerliebe übernimmt Marcel Gein die in Rotlicht getauchte Bühne. Marcel Gein hat sich zumindest optisch seiner Wahlheimat Hamburg ("uuuh, Hamburg!") bestens angepasst: Skinny Jeans, Wollmütze im Hamburg-Style und Matrosenbart.

Hinter dem Style verbirgt sich eine angekratzte Stimme, die wohl schon einige Zigaretten aus der Nähe gesehen hat. Aber genau diese Stimme verleiht Marcel Geins Musik das gewisse Etwas und stellt einen spannenden Kontrast zu den meist schmeichelnden Melodien seiner Songs dar. "Hallo Freiburg, schön dass ihr da seid".

Die Musik

Als "Perry O´Parson" begann Marcel Gein seine musikalische Karriere und tourte mit englischsprachigem Folk durch halb Europa. Mittlerweile – nach vier Platten - singt Marcel Gein auf Deutsch und widmet seine Musik alltäglichen Situationen und Eindrücken, die oft klein wirken, aber große Wirkungen erzielen.

Diese guten und schlechten Momente mischen sich zu einem "Soundtrack des Lebens", den Marcel Gein mit Gitarre und ehrlicher, kratziger Stimme mit Leben füllt. Dabei verliert er sich nicht in einer Ich-bezogenen Gefühlsdümpelei, sondern lässt den Zuhörer in verschiedene Rollen schlüpfen und an den Storys rund um die Songs teilhaben.

Die Crowd

Die Crowd ist an diesem Abend überschaubar. Schade. Die tolle Klangqualität, die moderaten Bierpreise und vor allem der musikalische Act hätten mehr Publikum gut vertragen. Ganz so schlimm wie in Lindau, wo die Musiker vor 3 Leuten spielen mussten, ist es dann aber nicht. Das Publikum, das vor allem aus Leuten in den Zwanzigern und Dreißigern besteht, macht Stimmung und saugt die Musik mitwippend auf. Darüber dürften die Konzertierenden froh gewesen sein, erzählten sie doch von einem "Horrorauftritt" im Schwarzwald vor Leuten gehobenen Alters, denen nicht nur das Prinzip von Ebay Kleinanzeigen, sondern auch der tiefere Sinn ihrer Musik nähergebracht werden musste.

Die familiäre Atmosphäre im Slowclub rundet das Konzert zu einer schönen Veranstaltung ab, in der Künstler und Publikum nach dem Konzert zusammen an der Bar Bier trinken, aus dem Nähkästchen geplaudert wird und Anekdoten von Abenden in Cardigans mit roten Autos darauf erzählt werden. Publikum und Künstler scheinen zufrieden nach einem gemütlichen, stimmungsvollen Konzert.



Die Setlist

"Soulmate", "Saarbrooklyn", Marcel Geins "Stück gegen Saarbrücken", wo er nach seinem ersten Mensabesuch "gebrochen hat", "Licht an, Licht aus", oder "Bubbles", das den Affen von Michael Jackson besingt (der übrigens schon mal im Weltraum gewesen war), sind nur einige Songs, die Marcel Gein an diesem verregneten Abend im Freiburger Slow Club zum Besten gibt. Gegen 23.30 Uhr schließen Marcel Gein und Helmet Lampshade das Konzert mit "Bubbles" und lohnendem Applaus der begeisterten Konzertbesucher ab.

Szenen des Abends

"Boah ey, ich würd'gern jeden Euro Eintritt zurückzahlen – kannst du mir Geld leihen, Carsten?" sagt Marcel Gein in das Mikro hinein und lacht. "Ich hab bestimmt schon 8 oder 10 Bier vor der Sendung getrunken…" Musikalisch tut das keinen Abbruch; außerdem erfährt das Publikum so noch mehr Geschichten, etwa die des "traurigsten Valentinstages": Marcel Gein hatte sich gerade frisch getrennt, als er für ein Konzert an einem romantischen See "mit so Schwan-Booten und so 'n Scheiß" angefragt wurde.

Er sagte zu und spielte vor "Pärchen, deren Rumgeknutsche ihm auf den Sack ging" und freute sich, dass das Konzert von Jägermeister gesponsert wurde. So sehr, dass er dann im Regen stehend mit Gitarrenkoffer auf seine Eltern warten musste, die ihn mit dem Auto abholen kamen. Marcel Gein ist vor allem eins: authentisch. Und das kam bei dem Freiburger Publikum gut an.

Kassensturz

6 Euro, beziehungsweise 4 Euro für Slow-Club Mitglieder. Plus fancy Biobier (!) für 2 Euro. Läuft.

Fazit

Marcel Geins Musik ist echt, ohne Schnörkel und schafft eine wohlige Atmosphäre. Auch ohne Kuscheldecke.

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