Konzert

Was ging bei… Kraftklub in der Freiburger Sick-Arena?

Joshua Kocher

Nach sechs Jahren kamen Kraftklub wieder nach Freiburg: Beim fulminanten Tourabschluss in der Sick-Arena flogen Becher im Minutentakt, die Menge pogte und von der Band gab’s ein flammendes Statement gegen Rechts.

Der Act

2012 spielten Kraftklub zuletzt in Freiburg. Damals noch im Zäpfle-Club - das einzige nicht ausverkaufte Konzert auf der "Mit K" Tour. Dieses Mal wollten fast 5000 Leute die fünf Chemnitzer spielen sehen. Zwar wieder nicht ausverkauft, dafür aber viermal so viele Fans wie 2012. In der Sick-Arena feierten Kraftklub den Abschluss ihrer Tour mit dem aktuellen Album "Keine Nacht für Niemand".

Die Stage

Die Sick-Arena zeigt sich mal wieder von ihrer schlichten Seite. Hinten ein grauer Vorhang, davor eine stählerne Hebebühne. Auf der Hauptbühne eine rotierende rot-weiße Hinterwand, davor Kraftklub und ihre Instrumente. Geht in Ordnung.

Die Show

Der rote Vorhang fällt. Und das erste, was Frontmann Felix Brummer zu sehen bekommt, ist ein Becher voller Bier, der auf ihn zufliegt. Zwar kann er sich wegducken, doch hat er sichtliche Probleme mit seinen Monitoring-Kopfhörern. Der Show tut das keinen Abbruch. Mit "Hallo Nacht" begrüßen Kraftklub die gekommenen Fans. Und die nächsten Becher fängt der Sänger mit den grau-gefärbten Haaren einfach und schmeißt sie zurück.
In den nächsten zwei Stunden wird er in ein Latexhemd schlüpfen, seine Bandmitglieder auspeitschen, im Bischofskostüm predigen, mit einer Pyrofackel die Halle erleuchten, mit der Vorband Faber ein Cover von Icona Pops "I love it" singen und plötzlich auf der Rollstuhl-Bühne am Rande der Halle auftauchen. Er gibt alles, damit das Freiburger Publikum bei Laune bleibt. Doch das braucht es eigentlich gar nicht, denn die Lieder der Band bringen die Fans auch so zum Pogen.

Die Crowd

Weiße Shirts und rote Hosenträger so weit das Auge reicht. Das traditionelle Outfit der Band schlägt sich auch im Publikum nieder. Wer zu Beginn der Show ganz hinten stand, ist am Ende plötzlich ganz vorne. Es wird gepogt, gesprungen, geschwitzt und getanzt. Im Minutentakt fliegen Becher durch die Luft, Moshpits werden gebildet und Fans lassen sich auf den Händen durch die Menge tragen.

Geil

Nach dem Song "Karl-Marx-Stadt", in dem die Band ihre ostdeutsche Heimatstadt Chemnitz würdigt, setzt Brummer zum Statement gegen Rechts an. "Wir kommen aus Sachsen, also leider Gottes der Gegend, in der die AfD bei der Bundestagswahl letztes Jahr extrem hohe Stimmenanteile bekommen hat." Laute Buh-Rufe im Publikum. "Ich finde aber", so Brummer, "wenn man schon ein Mikrofon in der Hand hat, sollte man sich gegen Rassismus aussprechen". "Nazis Raus", ertönt es im Gegenzug aus der Halle.
Und dann feixt Brummer über die Hunderten Becher, die kreuz und quer durch die Halle fliegen. "Gibt es darauf eigentlich keinen Pfand? Freiburg, ihr seid so reich!"

Das Finale

Falls es tatsächlich Fans gegeben haben soll, die sich bis zum Ende der Show gelangweilt haben, dann sorgten Kraftklub mit ihrer Zugabe für das Gegenteil. Als sie die Bühne mit ihrem scheinbar letzten Song verlassen, ertönen aus den Boxentürmen die Klänge eines startenden Auto-Motors. Plötzlich schwingt der Vorhang neben der Bühne auf, wo die Acts eigentlich in den Backstagebereich gelangen. Auf einem zwei Meter hohen Podest stehen vier der fünf Bandmitglieder und lassen sich einmal durch die Halle ziehen. "Ich will nicht nach Berlin", einer ihrer erfolgreichsten Songs, wird kräftig mitgesungen.
Als das Gefährt in der Mitte der Halle stehen bleibt und "Randale", einer der Songs mit den unverkennbaren E-Gitarren-Riffs, ertönt, setzt sich die gesamte Halle einfach hin - ohne Anweisung. Und als der Refrain einsetzt, springen alle auf, fliegen Becher, T-Shirts, BHs, Rosen, also alles, was irgendwie in die Hände gelangt, in die Luft und alle pogen, was das Zeug hält. Die drei Gitarristen und Sänger Brummer schmeißen sich in die Menge und lassen sich zurück zur Bühne tragen. Eskalation pur und der Abschluss eines starken Auftritts.