Was ging bei … Kofelgschroa im Spiegelzelt?

Inka Rupp

Im Spiegelzelt haben Kofelgschroa am Freitagabend auf dem ZMF übers Wäschetrocknen gesungen und Dieter Thomas Kuhn mit der Tuba Konkurrenz gemacht. Was noch so ging bei der bayrischen Blaskapelle.

Der erste Eindruck

Kofelgschroa, das sind vier junge Männer aus dem kleinen bayrischen Ort Oberammergau. Sie sind schon in Amerika und im Hamburger Mojo Club aufgetreten. Jetzt also zum ersten Mal in Freiburg. Als sie schnell und ohne viele Worte die Bühne betreten, wirken sie zunächst ernst und etwas schüchtern. Das legt sich aber schon nach den ersten Liedern, die die Musiker heute mit veränderter Besetzung spielen – Gitarrist Michi "hot n Unfall ghet". Seinen Part übernimmt Johannes, der seine Sache trotz einmaliger Probe sehr souverän macht.

Die Crowd

Die Leute, die kurz vor dem Konzert im Spiegelzelt eintrudeln und es sich auf dem Holzboden gemütlich machen, bilden einen angenehmen Kontrast zur grell geschmückten Dieter Thomas Kuhn-Fanschar draußen. Die Stimmung ist locker und familiär, während des Konzerts hüpfen und tanzen Kinder in der ersten Reihe. Junge Leute mit Jutebeutel sind da und ein Mädchen ist im Dirndl gekommen. Die Mehrheit der Konzertbesucher ist älter als die Bandmitglieder. Es wird viel gelacht, wenn die vier Bayern zwischen den Liedern immer wieder auf ihren Heimatort Oberammergau zu sprechen kommen und von Klettergerüst-Wetten erzählen.

Track-Check

Was die vier Musiker auf der Bühne hervorbringen, lässt sich nicht leicht in eine Schublade stecken. Die Texte, mal bayrisch, mal hochdeutsch, handeln von alltäglichen Dingen, wie dem Schlafen – "die Augen so schwer wie a Sakkerl Zement" – oder dem Wetter. Die vier Musiker kommen ohne Schlagzeug aus und führen stattdessen die Tuba ins Feld: Sie liefert den dröhnenden Grundrhythmus zur virtuosen Mischung aus Horn, Akkordeon und Gitarre. Als neben altbekannten Liedern der Song "Baaz" vom gleichnamigen neuen Album angestimmt wird, kommt auch die Heimorgel zum Einsatz – eine Neuerwerbung der Band: "Dr Matthias hot so a schäbige Orgel bschtellt." Von Volksmusik ist jetzt eigentlich nicht mehr viel zu spüren, vielmehr wabern nun psychedelische Doors-Orgelklänge durchs Spiegelzelt.

Geil

"Jetzt schau mer mol ob mer m Dieter Thomas Kuhn bassmäßig Konkurrenz mache kenna", ruft Maxi Pongratz, der Sänger, bevor die Tuba im nächsten Song das Spiegelzelt zum Beben bringt. Auch sehr schön: Als die vier Oberammergauer mit viel Applaus und Fußgetrappel zur Zugabe auf die Bühne geholt werden, verlangt das Publikum geschlossen nach "Wäsche!". Gemeint ist natürlich der Ohrwurm der Ohrwürmer: Das Lied, dessen Refrain das Wäschetrocknen besingt: "Die Wäsche trocknet an der Sonne, die Wäsche trocknet auch am Li-hicht, wie schön ist das eigentlich!"

Sprit-Check

Wie nicht anders zu erwarten wird im Publikum Weizen getrunken. Die vier Oberammergauer auf der Bühne trinken Bier, die leeren Flaschen stellen sie auf der Orgel ab.

Schwitzfaktor

Im Gegensatz zu den saunähnlichen Verhältnissen beim La Brass Banda-Konzert ist das Klima im Spiegelzelt angenehm und obwohl das Zelt gut gefüllt ist, gibt es kein Gedränge. Ein Paar nutzt den freien Platz vor der Bühne, um zu einem Lied Walzer zu tanzen.

Kassensturz

21,70 Euro kostet der Eintritt an diesem Abend – ein humaner Preis für zwei Stunden abwechslungsreicher, ungekünstelter Unterhaltung in familiärer Atmosphäre. Da bleibt noch Geld übrig für das eine oder andere Bier an der Bar.

Pauschalurteil

Ein rundum schönes Konzert, das zeigt, dass Bayern musikalisch jenseits von Oktoberfest-Geschunkel und Bierzelt-Schlagern einiges zu bieten hat. Nachdem sich die vier Musiker am Ende des Konzerts unter tosendem Applaus höflich verbeugt und bedankt haben, stellt Maxi Pongratz fest: "Dr Weg hot sich rentiert" – das finden wir auch.