Was ging bei … Katie Melua im Zirkuszelt?

Laura Wolfert

Ein Schleifchen am Rock, eine weiße Bluse, alles adrett – Katie Meluas Outfit war wie das Konzert: Schön, aber nicht weiter aufregend. Was gefehlt hat, war die Lederjacke von vor 16 Jahren.


Die Stage

2001: Zwei silberfarbene Haarklammern stecken links und rechts in Katies leicht gelocktem Haar. Der Scheitel ist mittig gebürstet, die Lederjacke übergeworfen. Im Gegensatz zu ihren Konkurrentinnen hat sie sich nicht in ein bauchfreies Top gequetscht. Denn: Katie Melua beweist schon vor 16 Jahren bei der Kinder-Fernsehshow "Stars up their nose", dass nur die Stimme zählt – nicht das Outfit. Mit "Without you" von Mariah Carey setzt sich Teenager-Katie mit ein paar schiefen und schönen Tönen gegen ihre Konkurrentinnen durch: Ihre Karriere als Sängerin beginnt.

Jetzt steht sie vor uns. Nur ein greller Scheinwerfer blendet auf. Die Bühne: Weniger aufregend, als die vor 16 Jahren – und Katie Melua genauso: In ockerfarbenen Schuhen – nicht zu hoch – steht sie in der Mitte der Bühne.

Ein langer Teller-Rock mit einem kleinen Schleifchen schmiegt sich an ihre Taille. Eine weiße, lockere Bluse, die bis an den Hals hoch geknöpft ist, verdeckt Schulter, Dekolleté und Arme. Viel Haut ist nicht zu sehen. Lediglich interessant: roter Lippenstift. Was man jedoch erkennt: Katie Melua ist älter geworden. Das zarte Gesicht von damals sieht so aus, als hätte es viel erlebt.

Der erste Ton von "I cried for you" erklingt. Kein "Hello", nur ein Zupfen an der Gitarre reicht vorerst als Begrüßung.

Die Crowd

Wirft man einen Blick hinter sich, sieht die Menge aus wie ein "Sucht den Walter-Bild", auf dem man den kleinen Mann mit gestreiftem Shirt finden muss. Die Zuschauer bewegen sich nicht, stehen wie angewurzelt da. Es sind hunderte Köpfe, die mit großen Augen nach vorne blicken.

Das Publikum ist eher fortgeschrittenen Alters. Nur vereinzelt tauchen junge Gesichter auf. Ein paar Damen haben ihre Füße in hohe Schuhe gesteckt, andere ihren BH zuhause liegen lassen.

Track-Check

Der Abend erinnert an einen Disneyfilm: Selten wird geredet, mehr gesungen, immer wieder Melodien eingespielt, die einem sagen, wie man fühlen soll. Eine zarte Stimme erklingt, meist eine Prinzessin, oder eine gute Fee. Eine gute Fee, die zu fein ist, um ordentlich auf den Putz zu hauen – eine Katie Melua.



Was fehlt: der Höhepunkt, die Wende, das Böse – ein schnelles Schlagzeugsolo, Rock, irgendwas, mit dem man nicht gerechnet hat. Man weiß, wie es ausgeht – Katie Melua kündigt vorher immer an, welchen Song sie spielt und aus welchem Album er stammt. In den Filmen wechseln die Feen, oder Prinzessinnen ihr Kleid – Katie Melua ihre Gitarre. Bei jedem Song wird ihr eine andere gereicht.

Das erste Mal wird es nach knapp 30 Minuten bei "A Moment of Madness" etwas schneller und lauter. Die Sängerin verlässt den Platz am Mikrofon. Sie schlendert zum Schlagzeuger, schnipst mit den Fingern, hält die blaue Gitarre hoch und man hofft: schmetter sie auf den Boden! Aber nein, sie lächelt. Das Publikum klatscht entzückt im falschen Takt.

Das war’s mit Action: Katie Melua spaziert zurück an ihr Mikro und bekommt einen Hocker gereicht. Es folgt "Nine Million Bicycles".

Sprit Check

Zwei, drei Bier stehen auf dem Boden. Man muss sich keine Sorgen machen – hier bewegt sich eh nichts.

Geil

Eine Harfenspielerin, die Katie Melua neu in ihrer Band hat: Mit roten, langen Haaren sitzt "Maria-Christine" an den langen Saiten des Instruments und zupft sie zart mit ihren Fingern.

Pauschalurteil

Nach eineinhalb Stunden ist Schluss. Katie Melua kündigt an: Das ist der letzte Song, dann verschwindet sie von der Bühne. Sie ist toll, sie singt fantastisch, aber ich fühle mich ihr nicht nah. Sie wirkt sehr kalt, unpersönlich.

Katie klingt exakt wie auf ihrer CD. Schön, aber für knapp 50 Euro für eine Karte erwarte ich etwas Show, ein kleines Highlight. Irgendwas, an das ich mich später erinnern kann. Etwas rockiges, dass die Stimmung bricht: eine Lederjacke wie die vor 16 Jahren.