Konzertkritik

Was ging bei…. Käptn Peng auf dem ZMF?

Jannis Jäger

Hiphop wie aus einer anderen Welt. Am Dienstag traten Käptn Peng und die Tentakel von Delphi auf dem ZMF auf. Handgemachte Beats treffen dabei auf eine eigenartige Poesie. Fudder-Autor Jannis Jäger war dabei.

Die Band

Käptn Peng ist die zweite Identität von Robert Gwisdek, den der ein oder andere möglicherweise als Schauspieler in Filmen wie "13 Semester" kennt. Abseits davon jedoch ist er mit mittlerweile fünf Studioalben ein alteingesessener Teil der deutschen Hiphop-Landschaft. Und was für einer. Die Tentakel von Delphi sorgen für handgemachte Beats mit allem, was sie finden können. Und der Käptn verkündet seine Botschaft. Lieder wie "Backpfeifenernte auf dem Alphabeet" erscheinen zuerst skurril, man wundert sich, es ist einem ein wenig fremd. Und ehe man es sich versieht hat es einen gepackt. Der Käptn und die Tentakel machen Musik wie ein Angelhaken, es reißt einen mit in eine andere Dimension, voller Verschrobenheiten, Farben und ein bisschen Erkenntnis über sich selbst und die Welt in die man zurückkehrt, wenn der Käptn einen wieder vom Haken lässt.

Das Publikum

Man liegt nicht falsch, wenn man einen Gutteil der Leute, die sich an diesem Abend im Zirkuszelt tummeln, einem alternativeren Spektrum zuordnet. Aus fast jeder Altersgruppe findet sich hier ein Vertreter. Alle zusammen bilden sie ein Publikum, das zu dieser Musik passt. Es wird exzessiv getanzt und frenetisch gejubelt, gepfiffen und gesungen. Ja, in echt. Vielleicht wundert sich jemand noch, wie viele Worte der Käptn wohl pro Minute los werden kann, umso erstaunlicher erscheint es, dass so viele Fans regelmäßig die sechsminütigen Tracks von vorne bis hinten mitrappen.

Die Location

Gespielt wird im Zirkuszelt. Und vielleicht muss es mal gesagt werden, aber für Konzerte ist das einfach eine Erste-Sahne-Location. Klar, die Foo Fighters spielen vermutlich nicht in nächster Zukunft auf dem ZMF, aber diese große Bühne, der sanfte Anstieg des Geländes an den Rändern und über aller Leute Köpfe das Zelt, über dessen Innenseite die Lichter tanzen, das alles lässt das als Jammern auf hohem Niveau erscheinen.

Die Show

Als die Bühne für Käptn Peng umgebaut wird, erscheinen die ersten Vorzeichen für das, was einen gleich erwartet. Alles ist voll mit Drums und Percussion, dekoriert mit Plastikgehirnen, Decken, einzelnen Tentakeln und so weiter. Aber es ist noch genug Platz, damit der Käptn sein Ding machen kann. Diese Show ist mehr als ein Hiphop-Konzert. Es ist ein Theaterstück, eine Dichterlesung, Performance Kunst. Es wird sich verkleidet, der Käptn gerät in Ekstase und in Trance, er hält Zwiesprache mit einer Sockenpuppe und durch alles fließen diese Texte, wie man sie kein zweites mal findet. Verwirrend und poetisch, aber auch eingängig.

Es ist ein eigenes Universum, das sich da auftut. Vielleicht steht man zuerst noch davor und hält es für befremdlich, doch da ist dieses einzigartige Schauspiel, die Lichter, die Lyrics, die ganze Szenerie und ehe man es sich versieht hat man drei Stunden Konzert hinter sich und ist wütend, weil der Käptn keine Zugabe mehr geben darf, wegen Lärmschutz.

Fazit

Zurück bleibt die Erfahrung, dass ein Käptn-Peng-Konzert eine ganz wunderbare Sache ist. Die Texte schwanken immer ein wenig zwischen Eingängigkeit und Verwirrung, das macht aus der ganzen Sache ein kleines Abenteuer. Im einen Moment hört man gebannt den Texten zu und im anderen tanzt man inmitten einer wild gewordenen Menge. Das ist keine Hintergrundmusik, man muss sich ihr widmen, sich darauf einlassen. Dann taucht man aus dem Konzert wieder auf und will nur noch auf die Bühne rufen: Danke Käptn.

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