Was ging bei.. José Gonzáles auf dem ZMF?

Vanja Tadic

Wie von einem anderen Planeten: Der Künstler José Gonzáles verzaubert im Zirkuszelt mit seinem Talent. Was gefehlt hat, war allerdings das Sofa.

Die Crowd

Vermutlich haben fast alle glücklich Vergebenen aus Freiburg dem Partner dieses Konzert zum Geburtstag geschenkt. Viele Pärchen. Viele Caps, Man-Buns und Blümchenkleider. Vereinzelt Ü-50er, die statt der Latzhose und dem Top Crop das karierte Hemd gewählt haben. Frauen und Männer sind ziemlich gleich vertreten. Die Crowd ist laut. Während der Songs lehnt sie sich ein wenig von einem Fuß auf den anderen, danach kreischt und klatscht sie.

Die Stage

Der Hintergrund ist eine gezeichnete Berglandschaft mit Sternen, Planeten und Regen. In der Mitte der Bühne steht ein Podest mit einem Stuhl und einem Mikrofon darauf. Das ist der Planet von Gonzáles, den er nur zum Gehen verlassen wird.

Track-Check

Gitarre spielen sieht bei ihm so einfach aus wie Zähne putzen. "Remain", "With the Ink of a Ghost" und weitere Songs aus seinem neusten Album "Vestiges and Claws" laden ein zu einer Reise der Gedanken. Seine Debütsingle "Crosses" und eins der wenigen Lieder, bei dem ein paar Zuschauer mitsingen können – "Heartbeats" – dürfen nicht fehlen. Als Zugabe spielt er "Blackbird" von den Beatles und "Open Book" von seiner Band Junip. Dabei scheint er an dem Abend alles andere als ein offenes Buch zu sein.

Erde an Gonzáles

Das halbvolle Zirkuszelt macht ihn leider kleiner als er ist. Sein Talent ist beeindruckend, jedoch bleibt er, ganz der Musiker, den Abend über bei sich, schließt die Augen und scheint nichts um sich herum zu bemerken. Wo er sich genau befindet weiß niemand. Doch dadurch nimmt er nicht richtig mit, seine Musik packt nicht, sondern läuft ein bisschen wie Hintergrundmusik zum Entspannen. Was man aber auch wirklich wird. Entspannt. So sehr, dass man sich ein gemütliches Sofa herbeiwünscht.




Sprit-Check

Africola, Apfelschorle und Radler, auf das man beim Verkauf warten muss, weil es so begehrt ist.

Fail

Bei "Heartbeats" niest eine Frau so laut, dass es das ganze Zelt hört. Sie alleine ist aber nicht Schuld, denn die Akustik ist nicht besonders gut und die Musik nun einmal ruhig.

Geil

Die Crowd schafft es, dass José, nachdem er schon ein zweites Mal auf die Bühne kam, noch ein Mal auf die Bühne kommt, obwohl er sich schon sein verdientes Feierabendbier geholt hatte.

Schwitzfaktor

Pärchen stehen umschlungen nebeneinander- also Schwitzfaktor gleich Null.

Flirtalarm

Auch gleich Null, dazu ist José zu unnahbar. Süß ist, dass er bei jedem Mal Gehen (dreimal insgesamt) dem Publikum eine Kusshand zuwirft und ein breites Grinsen auf seinem Gesicht erscheint.

Kassensturz

Das Ticket kostet 43 Euro. Zu viel für ein wenig Entspannung und definitiv zu teuer für Studenten.