Was ging bei ... Joris im Jazzhaus?

Carmen Schliesser

Bereits am 12. August war das Event ausverkauft: Joris! Mit seinem Hit "Herz über Kopf" gelang dem 25-jährigen Singer-Songwriter der Einzug in die deutschen Radios. Fudder-Autorin Carmen ging hin und traf den Sänger nach dem Konzert. Ein Playlist-getreu zusammengefasster Abend:



Der erste Eindruck

Das Team hatte vor dem Konzert aus Fanliebe große rechteckige Lampen im Papiermantel bemalt: ein paar Herzen, der Schriftzug „DANKE“, dazu ein roter Herzluftballon „für die großen Emotionen des Abends." (Joris). Ein bisschen Herz über Kopf eben.

Ein bisschen Sommerregen wäre aber nicht schlecht gewesen, hier, im großzügig temperierten Partykeller. Ein Hauch Sommerfeeling wird trotzdem verteilt. Für einen Moment ist das Licht aus. Zum Augen zu machen, den Gitarrenklängen lauschen und alles vergessen, was die letzten Tage so war. „Hier ankommen“, nennt Joris das.

Die Crowd?

Das Jazzhaus ist komplett voll, wie eine dicke Schneedecke steht das Publikum "dicht an dicht" von der Bühne bis nach hinten zur Licht- und Ton-Anlage. Ich sehe – dank hoher Schuhe – trotzdem was. Einen Neustart in Sachen musikalischer Orientierung haben an diesem Abend wohl eher wenige Männer gewagt. Das Publikum ist überwiegend weiblich, vermischt mit ein paar Pärchen,  bei denen man nicht sicher erkennen kann, ob das männliche Pendant freiwillig da ist.

Win

Der Korken knallt spätestens, als plötzlich in eine Art „I don’t care what tomorrow happens“-Partysession umgestiegen wird. Zwischen schrillen Lichteffekten und lautem Bass können sich nun auch die Wipper und Bummeltänzer nicht mehr halten.

Der Künstler

Er selbst, Joris, legt viel Wert auf eine konstante Verbindung zum Publikum, beweist mal hier, mal da ein wenig Humor und kommt beim Publikum gut an. Die beiden Freiburgerinnen neben mir, Sarah und Ruth, beide Anfang 20, beschreiben das Konzert als „vielseitig“ und „persönlich“.

Überwiegend bittersüß ist die Musik an diesem Abend. Für einen Joris nehme man eine raue Stimme mit Gefühl, einen Schlafzimmerblick und ein paar ordentliche Griffe in die Klaviertasten. Das musikalische Feuerwerk des Abends ist die rhythmische Trommeleinlage der vierköpfigen Band mit Drumsticks & Co als musikalische Begleitung zum Titel „Rom“.

So, wie alle Wege nach Rom führen, laufen auch Joris’ Songs an einem bestimmten Punkt zusammen. Inhaltlich komplett unterschiedlich weisen sie dennoch alle einen ähnlichen Sound auf und haben somit einen guten Wiedererkennungswert.

Joris selbst lebt nicht in einer Stadt in den Wolken, sondern zeigt sich als bodenständig. Er habe bisher viel Glück gehabt, alles sei so gelaufen, wie er sich das vorgestellt habe und dafür sei er auch dankbar.



Der geheime Star

Viel interessanter als jeder Hollywood-Star ist für das Publikum der Mann an den Keys. Constantin Krieg, ein Pianist aus dem Schwarzwald, mausert sich durch Herkunft und Können zum Publikumsliebling.

Fazit

Im Schneckenhaus, eine durchaus treffende Bezeichnung für den alten Jazzkeller mit seinem steinernen Gewölbe, zeigte Joris selbst sich mir gegenüber zufrieden mit seinem Auftritt: „Ich fands super! Es war sehr warm, ein toller Raum, hat viel Spaß gemacht!“

Bis ans Ende der Welt würde ich mit Joris zwar nicht gehen, dennoch beweist er, dass er einer Show Charakter verleihen kann.

Hoffnungslos scheint es, als Joris sich in Richtung Abschied bedankt und dann plötzlich mit einem Sprung von der Bühne ist. Konzert zu Ende? Hoffnungsvoll wartet das Publikum auf seine Wiederkehr, „Zugabe“ rufend. Er kommt. Um ein Bühnen-Selfie zu machen und zwei weitere Songs darzubieten.

Wie man es auch dreht, es war ein gelungener Abend. „Danke, dass ich hier sein durfte“, sagt Joris zum wiederholten Mal. Bitte!

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