Was ging bei … Jesper Munk auf dem ZMF?

Katharina Kiefel

Flatterndes Hemd, Whiskey-Flasche und Kippe in der Hand. Dass Jesper Munk´s Stimme nach jahrelang verrauchten und durchgesoffenen Nächten klingt, kommt also nicht von Ungefähr. Dabei ist das Blues-Talent erst 25 Jahre jung. Jesper Munk liefert ein wunderschönes Konzert im Spiegelzelt. Wie es war:

Die Stage

Jesper Munk steigt für eine kurze Zeit noch unbemerkt vom Publikum auf die Bühne und macht sich an dem Kabelsalat zu schaffen, kurz darauf gibt es einen kurzen Soundcheck an den Mics, bei dem jetzt die ersten im Publikum anfangen, zu schreien und applaudieren. "Servus!!!" ruft einer aus der Menge, Jesper reagiert lachend "Servus, mir seh´n uns glei!" Und verschwindet lachend wieder Backstage.

Die Crowd

Ganz Freiburg scheint an diesem Abend den Weg zu Jesper Munk gefunden zu haben: Neben zwei Justin Bieber-Verschnitten in der ersten Reihe, kreischenden und mitsingenden Teen-Mädels (Bravo-Leser hören jetzt anscheinend Funk und Blues) lassen sich auch ergraute Häupter in der Menge ausmachen, die sich im Mittelfeld der Menge wohlfühlen und von alten Zeiten und Ray Charles Konzerten schwärmen. Ein paar reifere Paare haben sich auf den wenigen Sitzmöglichkeiten niedergelassen und schlürfen ihr Weinchen, jung gebliebene Omas machen (wahrscheinlich für die Enkeltöchter) Fotos mit ihren Smartphones und ein paar Alt-Hippies, die noch vom Dieter-Thomas Kuhn Konzert am Vortag übrig geblieben scheinen, bescheren herrliche Freiburg-Momente, etwa in Form eines esoterischen Ausdruckstanzes.

Die Musik

Jesper Munk legt direkt ohne viel Schnörkel und Gerede los und kommt sofort zum Punkt. Seine Stimme ist der Hammer! Mit seinem ausgeprägten Blues-Talent hält der 25-jährige Münchner nicht hinterm Zaun. Muss er auch nicht: zu verführerischem Timbre, einer teils rotzigen, dreckigen Stimme, mischen sich weiche Piano-Akkorde oder verzerrte Gitarrenklänge. Das Ganze perfekt eingebettet in mysteriösen Nebel. Apropos Gitarre: Bereits vor dem ersten Lied meint Jesper "Oh shit, sorry, hat jemand n´ Plektrum?" In der Menge schreit jemand auf und das Plektrum gelangt über viele Hände zu Jesper: "Danke, bekommst ´n Neues!" Jesper hat sich und das Publikum gut eingegroovt, greift immer wieder zum Becher mit Jameson-Whiskey und prostet dem Publikum zu. "Was ´n da los? Ihr habt ja gar keine Getränke, sind die zu teuer oder was?" Das Publikum bejaht unter Gelächter und wippt wieder weiter zum nächsten Song. Neben älteren Sachen, präsentiert Jesper an diesem Abend im Spiegelzelt auch mehrere neue Songs, die er selbst, wie er sagt "noch nie so wirklich alleine gespielt hat". Merkt man nicht, läuft alles super!

Geil

Jesper kündigt ein Cover von Tom Waits an, woraufhin ein Mädel im Publikum ganz laut sagt "Schau, hab´ ich doch gesagt, TOM WAITS!" Das war eigentlich nur für die Freundin neben ihr gedacht, ging anstatt dessen aber an das halbe Spiegelzelt. Gelächter in den ersten Reihen...

Schwitzfaktor

Die Leute gehen gut mit, so heiß wie in den letzten Jahren ist es dennoch nicht an diesem Abend im Spiegelzelt. Das enttäuscht vor allem die weiblichen Fans "Als wir vor zwei Jahren hier waren, mussten wir uns alle fast komplett ausziehen, das war hier ´ne Saune mit 50 Grad. Das wird heute nicht passieren…außer, ihr macht mit!" Dazu kam es gestern nicht, Pech gehabt.

Kassensturz

29,70 € im Vorverkauf, das tat dem ein oder anderen Teen mit Sicherheit weh, auch für Studenten ein stolzer Preis, der diese musikalische Darbietung in Bestqualität aber auf jeden Fall wert war. Die Getränke sind tendenziell zu teuer, ein Zu-Prosten fällt daher flach.

Pauschalurteil

Blues gehört nicht mehr nur älteren Männern in Anzügen. Blues ist 25 Jahre alt, talentiert und mach unglaublich viel Laune, zuzuhören. Die Ankündigung des ZMF-Organisators "Jesper Munk ist jetzt schon eine Legende" trifft es auf den Punkt.