Was ging bei … Jeremy Loops auf dem ZMF?

Clara Surges

Eine riesige Party! In seiner Heimat Südafrika ist Jeremy Loops ein Star, hier noch weitgehend unbekannt. Umso mehr Ansporn für den vielseitigen Sänger dem Publikum zu zeigen, was er drauf hat. Ob der Funke übergesprungen ist?

Die Stage

Fünf Männer stehen auf der Bühne, extrovertiert und energiegeladen. Jeder spürt, wie viel Spaß sie zusammen haben. Etwas bizarr: Durch die bunten Kirchenfenster des Spiegelzelts fällt noch Tageslicht, trotzdem blinkt die riesige Diskokugel an der Zeltdecke und die Lichtshow wirft abwechselnd rotes und blaues Licht auf die Musiker. Jeremy bedankt sich, als das Licht schließlich ausgeschaltet wird.

Die Crowd

Das Konzert ist komplett ausverkauft. Geschätzte 99 Prozent sind junge Frauen unter 20, ihr Stil passt zu dem von Jeremy: Surferboy mit blondem Dutt und offenem Hemd mit Palmendruck. Man sieht Hippie-Haarbänder und folkloristisch gemusterte Kleidchen.

Track-Check

Gelungene Mischung aus bluesigem Folk à la Fleet Foxes, ein bisschen Reggae, ein bisschen Rap, ein bisschen Pop. Jeremy greift öfter mal zur Mundharmonika, und der stets lächelnde Keyboarder mit den verschiedenfarbigen Chucks packt plötzlich das Saxophon aus. Jeremy macht seinem Künstlernachnamen alle Ehre und bastelt live Loops zusammen: Immer wieder hält er das Mikro in die Menge und nimmt den zarten Gesang des Publikums auf – um damit einen späteren Song zu schmücken.
Die Setlist ist bunt zusammengestellt: Hits vom Debütalbum "Trading Change" (2014), aber auch neue Stücke. Exklusiv ist die Premiere von "Small Places" – ein Song, den Jeremy angeblich erst am selben Morgen seiner Band präsentiert hat. Dafür klingt’s erstaunlich perfekt. Generell ein Trumpf: die gute Akustik und die brummigen Beats.

Schwitzfaktor

Das ganze Zelt tobt, tanzt, klatscht, stampft, springt, wirft die Arme in die Luft. Es ist schon nach drei Songs so heiß, dass Jeremy darum bittet, die Fenster zu kippen, "because the water is falling in my eyes".

Geil

"Down South", die Hymne an die Heimat. Jeremy Loops hüpft mit seinem Rapperkollegen Motheo Moleko auf und ab, Lichtblitze zucken über die Bühne, der Funke springt aufs Publikum über, es entsteht eine wahnsinnige Energie – und plötzlich verzögert Jeremy Loops den Refrain, stimmt stattdessen eine Version von Bob Marleys "Three little Birds" an und lässt es danach dann richtig krachen.



Fail

Alle tanzen so heftig mit, dass irgendwann der klapprige Ventilator fast vom Lautsprecher kippt. Gegen die Hitze im Zelt kam er eh nicht an.

Flirtalarm

Jeremy Loops geht auf Flirtkurs. Er begrüßt das Publikum in brüchigem Deutsch und macht ihm allerlei Komplimente: kleine Festivals seien viel cooler als große, und überhaupt seien die Europäer viel cooler als die Amis. Manchmal trägt er vielleicht ein bisschen dick auf. Aber das Publikum hat er auf seiner Seite.

Sekundenschlaf

Jeremy Loops will mitten im Konzert ein Erinnerungsfoto von sich und dem Publikum machen. Und eine Instagram Story. Und dann noch ein Panoramabild. Das zieht sich …

Kassensturz

Die etwa 25 Euro für die Eintrittskarte erweisen sich als gute Investition. Wem das Konzert nicht gereicht hat, kann danach für 15 Euro die CD erstehen. Das Bandshirt gibt’s für 25 Euro.

An der Tanke

Die Getränke sind ebenso bunt wie die Setlist. Von Wasser über Wein und Bier bis hin zu Cocktails ist alles dabei, für Preise zwischen 3 und 6 Euro.

Pauschalurteil

"Das ist so ein Newcomer aus Südafrika. Ich kenne auch nur zwei Lieder", sagt eine Besucherin vor Konzertbeginn. Und tatsächlich: Als Jeremy Loops ganz zu Beginn um ein Handzeichen bittet, wer noch nie auf einem seiner Gigs war, hebt fast das ganze Zelt den Arm. "That’s okay", sagt er selbstironisch, um dann auf voller Linie zu überzeugen. An wem das erste Album vorüberging, der kann nun schon mal umso gespannter sein auf das zweite: In drei Wochen beginnt Jeremy Loops mit den Aufnahmen.