Was ging bei… Isolation Berlin und Gurr auf dem ZMF?

Kerstin Ernst

"Berliner Abend" am Freitag im Spiegelzelt auf dem ZMF: Die zwei Indie-Bands Isolation Berlin und Gurr sorgten dafür, dass die Holzdielen des Zelts bebten. Wie die Berliner das schafften und warum ein Song über Schweiß Gurr fast zum Rap brachte.

Der erste Eindruck

Das LED-Leuchtschild "Gurr" leuchtet pink und Gurr kommen zum Song "Schwule Mädchen" von Fettes Brot in das Spiegelzelt. Die Bühne dort ist eher kleiner – das soll aber kein Nachteil sein. Denn dadurch entsteht eine familiäre Atmosphäre. Das klappt vor allem bei Gurr besonders gut, da die Leadsängerin Andreya mitten in der Show von der Bühne in das Publikum springt um Mitzutanzen.Nach einer kurzen Umbaupause stellt sich Isolation Berlin vor: "Wir sind die sogenannte Band und spielen jetzt ein sogenanntes Konzert", sagt Sänger Tobias Bamborschke schmunzelnd und alle müssen grinsen.

Die Bands

Die Mädels von Gurr waren schon im letzten Jahr in Freiburg, damals im Café Atlantik. "Das Einzige was uns von dem Abend noch im Gedächtnis geblieben ist, sind die Serviettenknödel an den Rest können wir uns nicht mehr erinnern", sagt Andreya und lacht. Zwischen den Songs zum Verschnaufen vom Tanzen kommen immer mehr Anekdoten von Gurr. Auch die Geschichte zu ihrem Rapsong über’s Schwitzen: Über Schweißflecken, die im Sommer an den unmöglichsten Stellen entstehen: "Mei Bobbes is nass, unser erster Schritt in eine Rap-Karriere?", sagt Laura die zweite Sängerin und Gitarristin.

Isolation Berlin sind nicht ganz so gesprächig. Mehr als um den nächsten Song anzukündigen wird nicht gesprochen sondern Song nach Song gespielt. Man hat fast den Eindruck, dass die Band ein bisschen schüchtern ist und nur auf der Bühne während der Musik die Sau rauslässt – passt ja aber auch irgendwie zum Image von den Jungs.

Tracklist-Check

Musikalisch unterscheiden sich beide Bands: Die Mädels von Gurr spielen einen fast schon rebellischen Rock’n’Roll, bei dem man unmöglich ruhig stehen kann. Die Songs sind mal rockig und mit viel E-Gitarre und mal verträumt. Ihre Texte sind hauptsächlich auf Englisch, die beide Sängerinnen singen mit einer kraftvollen Stimme, die zwischen gefühlvoll und laut kreischend wechselt.

Dazu stehen Isolation Berlin im Kontrast. Die vier Berliner Jungs können zwar auch schnelle und rockige Musik, doch wechseln sich die schnellen, rockigen Passagen immer mit ruhigeren, melodischen Tönen ab, deren Übergang meistens hart klingt. Ihre Texte schreiben Isolation Berlin auf Deutsch, die von tiefgründigen Themen handeln, mit denen sich jeder schon befasst hat: Verzweiflung, Hass oder die Liebe.

Das Publikum

Schaut man durch das Publikum, sieht man überwiegend 20- bis 30-Jährige, doch vereinzelt findet man auch Leute der älteren Generation. Am Anfang des Abends scheinen alle noch etwas zurückhaltend, man wippt im Takt mit, bleibt aber auf einer Stelle. Je weiter der Abend vorangeschritten ist lockert sich die Stimmung: Zur Musik von Gurr tanzen alle ausgelassen, hüpfen und pogen, ja auch die Älteren sind hier ganz vorn mit dabei, als die Mädels von Gurr um einen Tanzkreis bitten bevor sich alle in das Chaos in der Mitte des Zeltes stürzen. Als dann Berlin Isolation mit "Serotonin" startet, waren alle im Zelt schon von Gurr aufgewärmt und singen und tanzen mit.

Pauschalurteil

Ein sehr wilder Abend, bei dem der Boden im Spiegelzelt bebte und alle mal ein wenig zur Musik ausrasten konnten. Gurr startet mit einer sehr impulsiven Show dem die sehr emotionalen Songs von Isolation Berlin folgen. Schade war, dass Teil zwei mit Isolation Berlin gefühlt kürzer war als der erste Teil mit Gurr. Und dass, obwohl das Publikum noch mehr von den Berliner Jungs hören wollte.

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