Was ging bei … Isolation Berlin im White Rabbit?

Gina Kutkat

Im ausverkauften White Rabbit spielten die vier Musiker von Isolation Berlin sich mit ihrer Mischung aus Indierock, Noise und Punk in Ekstase – und nahmen das Publikum gleich mit.

Der erste Eindruck

Die Socken sind rot, die Hosenbeine kurz, die Gitarren hängen hoch, der schwarze Pulli sitzt ordentlich, auch die Elbsegler-Mützchen auf dem Kopf: Auf den ersten Blick wirken die vier Musiker von Isolation Berlin sehr adrett und so jung. Ist der Aufzug ein Statement? Eine Anlehnung an popkulturelle Größen? Und ist das wirklich die Band, die diese verzweifelten Texte schreibt?

Die Band

Weltflucht, Melancholie, Depression – das sind Themen, mit denen sich Tobias Bamborschke in seinen Texten beschäftigt. "Die Trostlosigkeit hat uns zusammengeführt, wir sind versunken in der Isolation Berlin", lautet eine Selbstbeschreibung. Auf der Bühne zeigt Bamborschke nicht weniger Pathos: Die Füße stampfen im Takt, der Kopf wird zurückgeworfen, das Mikrofon umtänzelt. "Du hast mich nie geliebt", singt er auf Repeat, dreht sich mit dem Rücken zum Publikum und nimmt einen Schluck von seinem Pfefferlikör. Seine Bandkollegen sind weniger extrovertiert, begleiten ihren Sänger routiniert im Hintergrund.

Die Musik

"Ich würde dir so gerne gefallen" kreischt Bamborschke in "Ich wünschte, ich könnte", verliert sich in fast fiebrigem Trancetanz und nimmt das Publikum gleich mit. Steigert sich bei "Wahn" in panisches Schreien, das von heulenden Gitarren verstärkt wird. Was als Indie-Rock-Konzert mit Gassenhauern wie "Annabelle" und "Alles Grau" begonnen hat, verwandelt sich in ein Live-Erlebnis aus Punk- und Noiseelementen. Zu den Texten von Isolation Berlin kann man mitgrölen, zur Musik tanzen oder pogen. Es ist das fehlende Konzept und die fehlende Schublade, die Isolation Berlin zu einer Band machen, zu der ungewöhnlich oft Referenzen gesucht werden. Auch das Konzert im White Rabbit ist schwer greifbar, weil es heiter ist und melancholisch, laut und leise, kitschig und dreckig.

Augenschmaus

Die braune, speckige Lederjacke mit dem "Isolation-Berlin"-Schriftzug auf dem Rücken. Die drei Mädchen in der ersten Reihe, die jeden Text mitsingen können. Die zwei Headbanger, die plötzlich nach vorne kommen, sich gegenseitig stützen und loslegen. Die Flasche Pfefferlikör, die von Sänger Tobi ins Publikum wandert – und nie wieder gesehen ward.

Das Publikum

Fans der ersten Stunde, Fans der zweiten Stunde und Menschen, die sich diese Sensationsband einmal anhören wollten. Enttäuscht wurde niemand – und melancholisch hoffentlich auch nicht. Dafür war der Auftritt von Isolation Berlin zu laut, ungestüm und leidenschaftlich.

Was wir gerne noch gewusst hätten

Warum sich die Jungs weigern, den Song "Lisa" zu spielen.

Preis-Leistungs-Verhältnis

14 Euro für das Konzert einer der besten deutschen Bands momentan: Besser geht’s nicht.