Noise-Rock

Was ging bei … Heim im Slow Club?

David Baldysiak

Noisige Gitarren, Texte voller Wut und Resignation: Die Indie-Rock-Band Heim ist gerade mit ihrem dritten Album auf Tour. Am Freitag spielten die drei Musiker eine im besten Sinne minimalistische Show in Freiburg.

Die Band

Denny Thasler, Florian Bauer und Michael Shihrer stammen aus der bayerischen Provinz und sind mit ihrem mittlerweile dritten Album auf Tour. Versprochen wird ein Nachfolger von Dinosaur Jr. mit "noisigen, verzerrten Gitarren" und Texten voller Wut und Resignation, die trotzdem Spaß machen. Das ist auch genau das, was man bekommt.

Die Crowd

Alternative-affines Publikum zwischen 20 und 30 mit einigen Ausreißern nach oben, mehr Männer als Frauen. Es gibt keine Schlange vorm Einlass, bei Konzertbeginn ist der Raum dann aber doch einigermaßen voll. Zunächst bewegt man sich, wie man sich eben zu Gitarrenmusik bewegt:

Das Gewicht vom einen Bein aufs andere verlagern und im Takt mit dem Kopf nicken. Ab dem dritten Song wird allerdings tatsächlich auch getanzt.

Die Stage

Im besten Sinne minimalistisch. Auf der knapp einen halben Meter hohen Bühne haben Gitarrist, Bassist und Drummer gerade genug Platz, um sich nicht in die Quere zu kommen. Wenn man nicht instinktiv einen kleinen Abstand halten würde, könnte man den Bandmitgliedern auf die Schulter tippen und sich einen Song wünschen. Keine Lichteffekte, nur Licht, mal blau, mal violett. Außerdem befindet sich der Backstage-Bereich im Slow Club nicht hinter der Bühne, sodass die Band vor und nach dem Auftritt den Weg durchs Publikum nehmen muss.

Sprit-Check

Es wird vor allem Bier getrunken. Außerdem beliebt: Phil Collins, Sekt mit Mate. An der Bar gibt es Salzstangen, Weintrauben und Lose, mit denen man Platten, T-Shirts oder einfach ein weiteres Bier gewinnen kann.

Flirtfaktor

Nicht besonders hoch. Der Sänger der Vorband knutscht mit jemandem herum, ansonsten gehen alle mit den Leuten heim, mit denen sie gekommen sind.

Die Show

Sehr konzentriert. Kein Song wird angekündigt, bis auf ein schüchternes "Danke" bei Applaus, der gar nicht eingeplant scheint, spielen Heim fast ohne Übergang durch. Florian Bauer an der Gitarre ist den Großteil der Show nicht zu sehen, da seine Haare schon nach dem ersten Song sein komplettes Gesicht verdecken. Denny Thaslers Mienenspiel beim Singen verrät, dass er mit Leidenschaft bei der Sache ist: Er kneift die Augen zu, fletscht die Zähne und bei den richtig wütenden Songs sieht man seine Halsschlagader deutlich hervortreten.

Die Setlist

Heim liefern eine gute Stunde ab, was ungefähr der Spielzeit ihrer letzten beiden Alben entspricht. Dementsprechend sind alle Hits dabei. Eröffnet wird melancholisch mit "Tropisch", danach wird laut und wütend das Programm abgespult. Selbstzweifel und die Frage "Wofür das Ganze?" schwingen immer mit. Den Beifall nach dem letzten Song muss Michael Shihrer an den Drums alleine entgegennehmen: Während seine Kollegen die Bühne schon verlassen haben, zieht er sich noch die Schuhe an. Als Zugabe spielen Heim "Der letzte Halm" und "Nein", und alle dürfen sich nochmal verausgaben.

Fazit

Ein sehr solider Auftritt, professionell durchgezogen. Insgesamt lässt die Band ein wenig an Spontaneität zu wünschen übrig, allerdings passt diese Haltung sehr gut zur introvertierten Stimmung der Musik.