Rap

Was ging bei … Haiyti im Jazzhaus?

Felix Klingel

Sie vereint Unvereinbares: Mit ihrer eigenen Mischung aus Gangster-Rap und kitschigem Pop hat die Hamburger Rapperin Haiyti das Jazzhaus zum Ausrasten gebracht.

Die Stage

Die Bühne im Jazzhaus ist Hip-Hop-üblich recht spartanisch ausgestattet. In der Mitte das obligatorische DJ-Pult hinter dem sich Produzent und Tour-DJ Asadjohn austoben darf. Eingerahmt ist das Pult von zwei mannsgroßen Holzboxen, auf die vorne das Antlitz eines Geldautomaten aufgedruckt ist – das neuste Album von Haiyti heißt passenderweise "ATM".


Die Musik

Harte, schleppende Bässe paaren sich mit nervös zuckenden Hi-Hats und einfachen Synthie-Melodien: Die selbsternannte Trap-Queen hat sich den Namen nicht einfach so gegeben. Während des ersten Songs scheint soundtechnisch allerdings etwas nicht zu stimmen, sehr dünn kommt der Bass aus den Boxen, "Lauter"-Rufe aus dem Publikum. Danach klingt aber alles so, wie es sollte.

Haiyti spielt Songs aus ihren neuen Alben, die allesamt etwas kitschiger und poppiger klingen, etwa "Serienmotel" oder "Homezone". Dazu kommen kontrastierend die Gangster-Tracks, die das Publikum zum ausrasten bringen. Spätestens bei "Mafioso" springt das komplette Jazzhaus. Der Spagat zwischen Kitsch und Gangster-Gehabe funktioniert auch live erstaunlich gut.

Die Crowd

Ins Jazzhaus sind wenige Hip-Hop-Heads der alten Schule gekommen. Das Publikum ist gemischter, Studierende, Leute aus der Techno-Szene, Brillenträger und Trainingsjacken-Hipster. Bös dreinblickende Gangster gibt es keine. Die Kluft zwischen der Lebenswelt des Publikums und dessen, was Haiyti in ihren Texten zelebriert, könnte nicht größer sein. Warum sie trotzdem kommen? Weil Haiyti ein Gefühl trifft, das irgendwo zwischen Egomanie und Weltschmerz liegt: "Ich setz' mich hin, hau das Geld auf den Tisch / Ich bestell', was ich will, ich will alles und nichts", rappt sie im Jazzhaus. Und die Menge schreit mit.

Fail

Eine Art Junggesellenabschied scheint sich auf das Konzert verirrt zu haben. Schon vor der Location fallen sie mit einem Bollerwagen auf, im Jazzhaus grölen sie irgendwelche unverständlichen Dinge. Naja.

Geil

Zum Über-Track "Zeitboy" holt sich Haiyti einen Typen aus dem Publikum, der den Part von Joey Bargeld performen soll. Keine leichte Aufgabe, bedenkt man den nach 3-Tagen-Berghain klingenden Rap-Stil von Bargeld. Vermutlich traut sich darum auch erstmal niemand, bis sich dann aber doch noch jemand findet, der von seinen betrunkenen Freunden auf die Bühne bugsiert wird. Und er macht seine Sache dann wirklich gut. Respekt!



Sprit-Check

Bier und Vodka-Mate. Trinken ist angesichts des unausweichlichen Mosh-Pits aber kaum möglich. Ein Typ versucht mittendrin sein Bier im Plastikbecher vor der tobenden Menge zu schützen und hebt es weit in die Luft. Ergebnis: Er leert es sich selbst ins Gesicht und aufs Shirt.

Schwitzfaktor

Sehr hoch. In der Menschentraube vor der Bühne steht die Luft bis unter die Gewölbedecke des Jazzhauses.

Kassensturz

27 Euro für ein gutes Konzert mit viel Schweiß und Action.

Pauschalurteil

Die Stimmung war super, Haiyti hat ordentlich abgeliefert. Hier und da gab es zwar einen Texthänger oder das Playback hat einige Stellen übernommen, aber wen stört das schon, wenn die Show trotzdem überzeugt.

Mehr zum Thema: