Konzertkritik

Was ging bei… Fatcat auf dem ZMF?

Dita Whip

Funky Power, Jazz- und Soul-Feeling vom Feinsten und ein Publikum mit einem leichten Stotterstart: Das war der Auftritt der Freiburger Soul- und Funkband Fatcat beim ZMF. Am Ende sprang das Spiegelzelt vor Extase.

Erster Eindruck

Die Setlist am Licht und Soundpult verspricht eine gute Show, die Klimaanlage kühlt ordentlich und die Laune im Publikum ist gut. Die Jungs um Kenny Joyner sind schon ohne die Bühne betreten zu haben, ein Garant für geile Stimmung. Als das Intro unsere Trommelfelle massiert, wird klar: Hier wird geliefert.

Outfits

Während das ZMF Gelände von Dieter-Thomas-Kuhn-Fans in Polyester mit Mustern und Farben dominiert wird, zeigt Fatcat auf der Bühne eine stilsichere Brillanz mit Samt, Brokat-Hemden und Vintage-Einflüssen. Nur die Fellweste von Ferdinand Klamt an den Keys gehört verbrannt.

Show und Stimmung

Das Mitwippen und Mitklatschen auf 2/4 ist uns Deutschen einfach nicht auszutreiben, auch nicht bei ganz viel Funk, Soul & Jazz. Anfänglich noch etwas verhalten, muss sich das Publikum erst noch ein wenig auflockern. Tanzstil der meisten zu Beginn: Air Dancer, später ist dann mehr Schwung drin.

Ein Mädchen neben mir meint zu ihrer Freundin: "Der Sänger ist auch ein bisschen in seiner eigenen Welt!" – Sie hat Recht, und das ist auch verdammt gut so. Entweder man kommt mit auf den Ausflug ins Funk-Soul-Feeling oder man lässt es bleiben. Im Spiegelzelt wird harte, solide Entertainment-Leistung abgeliefert, denn die Bombenstimmung kommt leider nicht ganz von allein auf. Jedoch liegt das nicht an der Leistung der fetten Katze, sondern an der anfänglichen Verhaltenheit des Publikums. Nach 45 Minuten tobt das Zelt jedoch mit, so wie man es sich bei Nummern wie "Candy Pink" vorstellt.

Das besondere: Man erkennt ganz schnell, dass es den Jungs nicht um das Runterspielen einer Setlist geht. Das Feeling ist echt und die Freunde am Musikmachen und Zusammen-mit-uns-feiern ist greifbar. Gegen Ende hat man den Eindruck, dass die Jungs eigentlich – auch nach gefühlten drei Zugabe-Songs – noch locker 30 Minuten hätten weiter machen können.

Sound, Set, Licht

Die Setlist gibt neben den bekannten Nummern auch viele kleinere Momente her, welche sich nicht unter den Top-5 auf Spotify finden. Stimmlich versteht Leadsinger Kenny sein Handwerk und haut in allen Tonlagen sauber raus. Besonders die kurzen ruhigeren Passagen im Mittelteil sind Soul Food für die Ohren.

Verdorben hat es an diesem Abend allerdings der Lichttechniker und zwar nicht zu knapp. Wenn der Leadsinger immer wieder nicht richtig (oder gar nicht) ausgeleuchtet ist, ruiniert das einfach gewisse Momente. Zumindest entdeckt der Lichti später, dass die Moving Heads auch so was wie Farbe können. Es steht der Show ganz hervorragend zu Gesicht, allerdings kann auch das die schlechte Ausleuchtung von zwei Stunden nicht wett machen. Tontechniker Björn – später auch noch mit einem Happy Birthday vom Publikum umgarnt – hat seinen Job allerdings richtig klasse gemacht.

Highlights

Während des Drum-Solos möchte der halbe Saal spontan den Drummer Damian Stath heiraten. Kann man verstehen, so wie der Junge spielt. Witzig ist auch, dass die Jungs stellenweise sehr entgleisende Gesichtszüge präsentieren. Der "Oh Shit, meine Hose ist im Schritt gerissen!"-Ausdruck war irgendwie Dauergast.

Fazit

Fatcat scheint dann richtig, wenn das Publikum loslässt und sich in die – mittlerweile sehr erfahrenen Hände – der Jungs begibt. Was dann bleibt, ist Laune, die bis zum nächsten Morgen anhält, und Begeisterung für so viel Seele auf der Bühne.