Was ging bei ... Falk im K.I.S.S.?

Paula Kühn

Bitterböse Ironie im Kreuzreim. Unplugged singt Falk seine ungeschminkten Bosheiten im K.I.S.S. und lässt dabei kein gutes Haar am Sein des durchschnittlichen Mittelstand-Menschen. fudder-Autorin Paula Kühn war dabei.

Der erste Eindruck

Authentisch, offen und unaufgeregt. Und rotzfrech. Falk wirkt wie jemand, der verstanden hat, dass der einzig mögliche Blick auf dieses manchmal sehr bittere Leben ein humorvoller sein muss. Mit seiner Gitarre steht er einfach und ungeschminkt auf der Bühne und singt einfache Wahrheiten über die ungeschminkten Abgründe des modernen Zusammenlebens.

Die Songs

Falk beginnt mit einem Selbstgeständnis in Selbsthilfe-Gruppen-Manier und entschuldigt sich in seinem ironisch selbstbewusst zweifelndem Ton mit seinem Song: "Klappe halten" schon mal im Vorhinein für alles was dann folgt. Denn das ist hart. Falk lässt kein gutes Haar am kuscheligen Pelz der Mittelklassen-Gesellschaft: Er übt Gesellschaftskritik an Kindern, gibt hilfreiche Tipps, "wie man eine Beziehung erfolgreich zerstört" und rechtfertigt seine spaßig-brutalen Freizeitaktivitäten mit dem zum Mitsingen animierenden Refrain: "Ich bin ein Unsympath! ... aber auch ein Mann der Tat." Falk singt Lieder seines neuen Albums "Smoggeruch" aber auch aus "Mama" und "Skizzen".

Die Stimmung

Vor so wenig Publikum zu spielen, ist Falk eigentlich gar nicht mehr gewohnt - er nimmt es mit Humor: "So bleibt man auf dem Boden!". Und singt in behaglicher Wohnzimmeratmosphäre, in der seine bitterbösen Lieder umso eindringlicher wirken. Wirklich loszulachen traut man sich in dem intimen Rahmen jedoch nicht und doch hätte ein Lachen so gut getan, schließlich ist es das Lachen über die kleinen und großen Bitterkeiten des modernen Lebens, die Falks Texte ausmachen.

Die Crowd

Bei jedem neuen Lied herrscht andere Stimmung im Raum, jeder neue Text ruft andere Reaktionen bei den aufmerksam zuhörenden Zuschauern hervor. Unter denen sind bereits Fans, die Falk noch von seinem letzten Auftritt in Freiburg 2015 im White Rabbit kennen. Aber auch solche, denen die manchmal etwas schwer verdaulichen Texte noch ganz neu sind. Gerade diesen kann man ansehen, wie sie hin und her gerissen sind zwischen lautem Lachen, erschrecktem Kopfschütteln und dem Drang scharf die Luft einzuziehen.

Fazit

Wer sich schon mal gefragt hat, wie man heutzutage noch provozieren kann - Falk schafft es, provoziert in charmantem Kreuzreim und wirkt dabei so sympathisch als würde er Liebeslieder singen. Man kann nur hoffen, dass er nochmal wieder nach Freiburg kommt. Aber diesmal hoffentlich mit ebenso viel Publikum wie in Zürich, Stuttgart oder seiner Wahlheimat Berlin.