Was ging bei … Element of Crime beim ZMF?

Inka Rupp

Drei Zugaben, ein volles Zirkuszelt, Jever und Lieblingsfarben – das war das Konzert von Element of Crime beim Zelt-Musik-Festival in Freiburg. So hat es unserer Autorin gefallen.

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Die Stage

"Freiburch! Wir sind Element of Crime auf dem ZMF, dem besten Zelt-Musik-Festival überhaupt", begrüßt Sven Regener das vollbesetzte Zirkuszelt. "Auch mal so eine populistische Aussage loswerden", setzt er mit seinem sarkastischen Lächeln hinzu. Ansonsten halten sie sich nicht mit langen Reden auf, die fünf in die Jahre gekommenen Herren.

Gekleidet sind sie, als wären sie nach dem letzten Bier in der Kneipe gemütlich zum Festivalgelände geschlendert: Schwarzes-T-Shirt und Jeans. Mehr muss nicht sein. Schnörkellos wie das Outfit ist auch die Bühnengestaltung. An der Bassdrum klebt in aus Papier ausgeschnittenen Lettern der Bandname und auf einem Verstärker steht ein mysteriöser kleiner Hund aus Plastik.

Die Crowd

Graue Haare sind an diesem Abend keine Seltenheit. Einige der Konzertbesucher haben die Band wahrscheinlich schon in ihren Gründungsjahren, den späten 80ern, live gesehen. Auch jüngere Gesichter mischen sich unter das Ü-40-Publikum: Studenten, Söhne und Töchter mit ihren Eltern.

Gemeinsam lauschen sie Liedzeilen wie "Wer eine Monatskarte hat, sollte besser nicht am Monatsanfang sterben". Weisheiten wie diese betreffen jede Altersgruppe.

Getanzt wird nicht, ein leichtes Wiegen im Takt ist das höchste der Gefühle. Trotzdem grölt ein Mann zwischen zwei Liedern "Rock´n´Roll!" in die Menge. Hinter mir zündet sich ein älterer Mann verstohlen eine Zigarette an.

Track-Check

Neben Songs aus dem neuesten Album "Lieblingsfarben und Tiere" stimmen Element of Crime auch Altbewährtes an und greifen Lieder aus ihrem Album "Damals hinterm Mond" von 1991 auf. Zwischen nachdenklich-melancholischen und schnelleren Stücken gibt’s dann auch mal einen Coversong – denn "immer nur die eigenen Lieder zu spielen ist ja asozial", bemerkt Regener.

Der Autor und Frontmann steht mit seiner rauchigen, ernsthaften und doch ironischen Stimme klar im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Er wechselt virtuos zwischen Trompete und Gitarre, schwingt die Arme wie ein Dirigent und erteilt dem Publikum zwischen den Liedern Nachhilfe in "norddeutscher Heimatkunde".

Fail

Der Lichttechniker hat offenbar ein Faible für Horrorfilme: Anders kann man sich das grüne Licht nicht erklären, das Sven Regeners Gesicht äußerst unvorteilhaft von unten beleuchtet. In einem Lied singt Regener: "Wird dir auch schlecht, über die Reling halte ich dich gern". Mit seinem giftgrünen Gesicht sieht er selbst aus, als könnte er eine helfende Hand gebrauchen.

Win

Als die Band nach ein paar kurzen Abschiedsworten die Bühne verlassen hat, kommt plötzlich Bewegung in das gemütlich schunkelnde Publikum. Schrilles Pfeifen, Kreischen und Klatschen untermalt vom Trommeln hunderter Füße auf dem Holzboden erfüllt das Zirkuszelt. Auch nach der Zugabe will das Publikum sich noch nicht von der Band verabschieden.

Das Kreischen und Stampfen ist dieses Mal so laut, dass ein älterer Mann neben mir sich erschrocken die Ohren zuhält. Erst nach der dritten Zugabe, sechs weiteren Liedern und einem tosenden Schlussapplaus verlässt die Band endgültig die Bühne.

An der Tanke

Während in der stickigen Hitze im Publikum eher Apfelsaft und Wasser die Runde machen, trinkt Sven Regener in norddeutscher Manier Jever. Nach jeder Verabschiedung vom Publikum betritt er die Bühne zur Zugabe mit einem neuen Bier in der Hand. "Dass das Bier in meiner Hand alkoholfrei ist, ist Teil einer Demonstration gegen die Dramatisierung meiner Lebenssituation", lautet eine Liedzeile aus dem Album "Immer da wo du bist, bin ich nie".

Alkoholfrei oder nicht – fast wäre Regener am Ende des Konzerts über seine Trompete gestolpert. Er kann sich jedoch gerade noch fangen und verabschiedet sich in der üblichen lässigen Art vom Publikum: "Machts gut, kommt gut nach Hause und keinen Scheiß machen unterwegs."

Fazit

Niemand kann über Hotdogs unten am Hafen und Erdbeereise in solch philosophischem Ton singen, wie Sven Regener. Schlicht, direkt und ohne viel Gewese – so sind die Liedtexte, so war auch das Konzert. Element of Crime zeigen einmal mehr, dass für ein tolles Konzert keine Glitzeroutfits und überschwänglichen Verabschiedungsszenen nötig sind. Im Mittelpunkt steht das, wofür die Zuschauer gekommen sind: Die Musik.