Was ging bei... Eisbrecher auf dem ZMF?

Benjamin Wissing

Männer in Tangas, Ausdruckstanz, betrunkene Frauen und Schnee im Sommer. All das gab es beim Konzert der Band Eisbrecher, die auf ihrer "Volle Kraft voraus" Tour einen Zwischenstopp beim ZMF einlegte.


Der Start

20.10 Uhr: In der Masse des bunt gemischten Publikums tauchen immer mehr schwarz gekleidete Menschen auf und drängen auf den Eingang des Zeltes. Fünf Minuten später erklingt ein Nebelhorn. Vor der dunklen Bühne hat sich eine überschaubare Menschenmasse versammelt: Nur etwa 500. Dann noch einmal das Nebelhorn und mit einem lauten Knall beginnen die fünf Musiker ihre Show. Die ersten Gitarrenriffs fühlen sich an, als ob sich eine Wand aus Sound auf einen zu bewegt - schnell, laut, brachial.

Das Publikum

Gekommen sind eigentlich alle. Väter mit ihren Töchtern, Mütter mit ihren Söhnen, Männer die alleine am Rand stehen, junge Paare und sogar ein zweijähriges Kind. Den höchsten Anteil stellen Single-Frauen um die 40, wahlweise in engen schwarzen Kleidchen oder Bandshirts.

Die Stimmung

Vielleicht sind einfach zu wenig Leute da: So richtig rastet die Menge nicht aus. Während der schnellen Parts des Konzerts kommt zwar etwas Bewegung in die vorderen Reihen, allerdings maximal bis zur Mitte des Raumes. Ansonsten sieht man viele der Frauen mittleren Alters, die sich in einer Art Ausdruckstanz üben. Die Männer hingegen stehen etwas ratlos herum, trinken Bier und schütteln ab und an die Faust. Was die Sache deutlich aufwertet, sind die zwei Mosh-Pits, die sich abwechselnd rechts und links der Bühne bilden.

Die Show

Schnee im Sommer. Von der Decke rieseln immer wieder weiße Flocken und legen sich auf die Häupter der Menschen. Bei gefühlten 40 Grad wirkt das etwas surreal. Ansonsten liefern Eisbrecher eine solide Show ab. Die leichte Lethargie des Publikums scheint sich auch auf die Band zu übertragen – oder umgekehrt. Viel Bewegung ist auf der Bühne nicht zu sehen, aber es gibt ja Frontmann Alexander Wesselsky, der mit seiner grundsympathischen Art für Stimmung sorgt. "Wir sind nicht Viele, aber wir sind laut." – Recht hat er.

Kostenpunkt

Knapp 40 Euro muss man berappen, wenn man im Hochsommer Männer in Winterjacken auf der Bühne bestaunen will.

Erotik

Ein glatzköpfiger Herr im besten Mannesalter tanzt, den Oberkörper frei, nur mit einem String-Tanga bekleidet, in den hinteren Reihen. So richtig wahrgenommen wird er aber nicht. Das erinnert an den Nackttänzer aus dem Cräsh, wozu auch die Musik passt. Ein Flirtfaktor ist nicht vorhanden, aber was soll's, es geht ja schließlich um die Musik und die knallt ordentlich aus den Boxen.

Fail

Der Bierstand ist verwaist. Wahrscheinlich war die stark betrunkene Frau, die in der Mitte des Konzertes von vier Sicherheitsleuten aus dem Zelt getragen wird, die beste Kundin an diesem Abend.

Kurz vor Ende der Show torkelt die zuvor entfernte Frau erneut durch den Raum. In Schlangenlinien steuert sie auf den Mann im String-Tanga zu, welcher sich allerdings angewidert abwendet. Flirttechnisch ist hier tatsächlich nichts zu holen.

Highlights

Die Worte 'Himmel, Arsch und Zwirn' im Refrain eines Liedes. Eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit, aber Eisbrecher mache das einfach und aus 500 Kehlen erschallen die drei Worte. Weitere Pluspunkte heimst Frontmann Alex ein, als er auf einen Zuruf aus dem Publikum, der das Wort Pokémon enthält, erwidert: "Allein Pokémon zu kennen – dafür wird man in Amerika erschossen."

Fazit

Kreischende Teenies, Frauen, die in Ohnmacht fallen und eine Band, die sich selbst für das Größte hält. All das gab es nicht beim Eisbrecher-Konzert auf dem ZMF. Selbst wer sich auf die Musik nur bedingt einlassen kann, kommt mit ’Gitarre und laut’ doch einigermaßen zurecht. Die Band wirkt sehr sympathisch und professionell, das Publikum ist konzentriert, jedoch etwas unterkühlt bei der Sache.