Was ging bei... Dillon Cooper im JuZe Denzlingen?

Moritz Kraus

Boombap, 808-Beats und Hoodpoesie – das verkörpert der New Yorker Rap-Newcomer Dillon Cooper. Am Freitagabend war er auf seiner ersten Deutschland-Tour als Headliner im JuZe in Denzlingen. Wie’s war und warum man sich ein bisschen wie im Rap-Film 8 Mile gefühlt hat:



Die Stage

Mit Graffitis, Stickern und einem Konterfei von Walter White an der Wand hat das JuZe noch ein gewisses Underground-Flair. Zwei bis drei Rapper plus die Turntables haben Platz auf der Bühne, sie ist dementsprechend überschaubar.

Zwischen der Crowd und der Stage ist keine Lücke -  fast wie bei einer New Yorker Rap-Cypher Ende der 90erJahre. Ein riesiges Banner hinter der Bühne rundet die Location gut ab.

Die Crowd

Das JuZe ist ein Jugend-Treff, was sich im Publikum widerspiegelt. Einige U18-Hip-Hop-Bunnys mit Beanie und übergroßem White-T tummeln sich Zigarette paffend und Bier nippend in der ersten Reihe. An der Bar unterhalten sich zwei Männer mit Fubu-Cap und Club Mate in der Hand.

Der Großteil der Menge sind Jungs, gerade 18 geworden. Von Bartwuchs keine Spur, dafür tragen sie ihre Baseball-Mützen konsequent mit dem Schirm nach hinten gedreht. Mit annährend 150 Besuchern ist das JuZe gut gefüllt, aber gleichzeitig fühlt man sich nicht eingeengt.



Die Show/Track-Check

Als Opener wählt Dillon Cooper seinen aktuellen Hit „The Dark Knight“. Mit knallroter Kappe und glitzernden Grills im Mund bringt er einen extrem urbanen „Flavour“ ins beschauliche Denzlingen.

Zwischen den Tracks findet er Zeit für ein paar A-Cappella-Rhymes und einen Gedenkmoment für seinen verstorbenen Freund. Weitere Highlights sind „Practice“ vom aktuellen Mixtape X:XX und sein wohl größter Hit „State of Elevation“, mit dem 2013 der Hype um ihn begann.



Kassensturz

19 Euro muss man für das Ticket an der Abendkasse hinlegen. Dafür bekommt man knappe zwei Stunden Support-Acts und eine Stunde Dillon Cooper. Die Getränke sind glücklicherweise spottbillig: Für ein Bier werden zwei Euro, für eine Cola sogar nur ein Euro fällig.

Geil

Durch den aufsteigenden Rauch aus Zigaretten und Nebelmaschine bildet sich ein Dunst auf und vor der Bühne. In der Luft liegt ein leichter Marihuana-Geruch. Mit der dunklen Beleuchtung und den düsteren Beats dazu fühlt man sich fast wie im Rap-Film 8 Mile, der Eminems Karrierebeginn in der Detroiter Untergrundszene erzählt.



Fail

Zweimal muss Dillons DJ den Track unterbrechen, weil das Mikrofon des Rappers zu leise eingestellt ist. Auch der Sound aus den aufgestellten Boxen wirkt ein wenig verzerrt. Das nervt, aber trübt die gute Stimmung nicht allzu sehr.

Pauschalurteil

Man merkt an diesem Abend, dass amerikanischer Rap live einfach besser funktioniert als deutscher. Dillon Cooper bietet keine Doubletimes, Hi-Hat-Gewitter oder moderne Trap-Beats, sondern guten alten New York-Sound, zu dem die Menge sowohl pogen als auch chillen kann. Für diese 60 Minuten Show wird das das JuZe in Denzlingen zu einem Hip-Hop-Club in Brooklyn.

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[Foto/Vines: Moritz Kraus]