Was ging bei … Dicht & Ergreifend beim ZMF?

Alexander Schumacher

Mit ihrem sozialkritischen Mundart-HipHop nehmen Dicht & Ergreifend selten Rücksicht auf Befindlichkeiten. So hatten sie auch keine Angst, Sarah Connor zum Duell um das lautere Publikum herauszufordern.

Die Stage

"Wia in a Kirch schaut’s hier aus" staunte Rapper George Urquell – und meinte damit wohl die bunt verglasten Fenster unter dem Runddach des Spiegelzelts. Passend sakral war auch der erste Auftritt der MCs George Urquell und Lef Dutti, DJ Spliff und Trompeter Sir Mix A Lothar, die die Bühne zu Glockenschlägen betraten und unter Trompetenklängen erst mal andächtig mit dem Rücken zum Publikum standen. Als die Jungs sich aber um- und außerdem aufdrehten, war es vorbei mit der Andacht.

Der Bayern-Faktor

Unter den Zuschauern waren mindestens fünf Lederhosen-Träger und -Trägerinnen zu entdecken. Ein "Minga 89"-T-Shirt und eine auffällig hohe Anzahl an Weißbier-Trinkern ließen ebenfalls vermuten, dass wohl einige Exilbayern aufs ZMF gekommen waren. Das kräftige Bayerisch der beiden Rapper Lef Dutti und George Urquell und ein ganzer Song zur Rettung des "Leberkaas" sorgten für heimatliche Gefühle. Doch mit Zeilen wie "In Bayern gibt es keine Unterschicht und wenig Asylanten / In Franken verhungern sie doch bei uns fördert man die Anden" ersticken Dicht & Ergreifend jeden "Samma mia"-Patriotismus im Keim.

Die Crowd

…bestand ansonsten aus einem erstaunlichen Querschnitt durch die Altersklassen, von geschätzten 13 bis 55 Jahren. Das Gewühl vor der Bühne bestreiten vor allem Besucher unter 30, etwas weiter hinten nicken die älteren Jahrgänge zu den Blasmusik-Beats. Mit etwa 130 Zuschauern ist das Konzert für die außerhalb Bayerns noch weniger bekannte Rap-Formation gut besucht, doch um das Spiegelzelt ganz zu füllen, reicht es nicht.

Der Freiburg-Faktor

Als Lef Dutti von der Menge wissen wollte, ob man "Leberkaas" möge, hatte er sich wohl eine enthusiastischere Antwort erhofft. Zum passenden Track sprangen Veganer und Fleischesser trotzdem gemeinsam auf und ab.

Sarah Connor

…reimt sich bei Lef Dutti auf "schwoanga". Und wurde schon vor dem Konzert auf Facebook zum Duell in Sachen Dezibel aufgefordert. Gut möglich, dass man auch beim Hauptact des Abends im Zirkuszelt Stampfen, Klatschen und "Himmel, Herrgott, Sakrament"-Rufe aus dem Spiegelzelt vernommen hat.

Geil

Dicht & Ergreifend waren im vollen Kontakt mit dem Publikum, schließlich gab es ein Duell zu gewinnen. Schon ab den ersten Songs wippten die Arme im Takt, wenige Tracks später gaben die Tanzenden in den ersten Reihen alles. Für "Meier und Wimmer" stiegen Dutti und Urquell von der Bühne herab und performten inmitten der Zuschauer. Gegen Ende des Konzerts wurde die Menge für einen von vielen Freestyles in drei Teile geteilt, die MCs und Trompeter Lothar stachelten jeweils ihre Teile dazu an, die anderen zu übertönen.

Fail

Lef Duttis peinliche Kommentare über Sarah Connors Werbung für Binden und seine Frage zu Regelblutungen bei Schwangeren. Zurück in den Biologieunterricht, Herr Dutti!

Das Pferdchen

…kam gemeinsam mit der Band auf die Bühne und war hin und wieder Sitzgelegenheit für George Urquell und Lef Dutti. Während eines ruhigeren Songs ergriff ein weiblicher Fan die Gelegenheit und setzte sich frech neben Sir Mix A Lothar in den Sattel. Der zweite Nachahmer entging nur knapp einer Begegnung mit dem Sicherheitsdienst.

Kassensturz

Dicht & Ergreifend sind eines der günstigeren Konzerte auf dem ZMF und veranstalten eine großartige Show. Die 18,20 Euro sind bei ihnen gut investiert.

Das T-Shirt von Lef Dutti

George Urquell erklärte das Shirt seines MC-Kollegen zum Gradmesser für die gemeinsame Leistung von Publikum und Band und forderte dazu auf, das T-Shirt zu "ficken": Bei einer sehr guten Show sei das Hemd hinten durchgeschwitzt, bei einer geilen Show auf beiden Seiten. Am Ende war klar: Die T-Shirts von Dutti und vieler seiner Fans waren rundum nass, das Konzert von Dicht & Ergreifend eindeutig eine geile Show. Und wie war’s bei euch so, Sarah Connor?