Was ging bei... der Prenzlschwäbin im E-Werk?

Elena Stenzel

Im gut besuchten E-Werk war die Prenzlschwäbin zu Gast. Mit dabei: Ganz viel schwäbischer Charme und Gags aus ihren YouTube-Videos.

Der erste Eindruck

Der Saal ist ziemlich voll, nahezu jeder Platz ist besetzt. Gegeizt wurde, typisch schwäbisch, bei der Bühnenausstattung: In der Mitte hängt ein Banner mit der Aufschrift "Grüß Gott aus Berlin". Rechts und links stehen Banner mit Werbung fürs Buch und die Tour – nicht so toll. Mit Musik wird übrigens kaum gearbeitet. Nur der Kassettenrekorder von Sohn Bruno-Hugo-Louis kommt zum Einsatz, wenn kollektiv ins "Dritte Auge geschaut" wird.

Die Show

Die Prenzlschwäbin alias Bärbel Stolz betritt strahlend im rot-weiß gepunkteten Kleid und mit schwarzen Löckchen die Bühne. Und sie beginnt, locker aus ihrem Kiez Prenzlauer Berg in Berlin zu erzählen. Von "Swabophobie" in Berlin, vom Culture-Clash, wenn süddeutscher Frohmut auf die Berliner Schnauze trifft, vom Tinder-Dating ("Tinder, da tut man so wischen – liegt uns Schwaben ja im Blut"), von dem, was In ist im Berliner Trend-Kiez, von Vesperbrot-Smoothies und Namensgebung. Von ihren beiden Kindern Wikipedia und Bruno-Hugo-Louis natürlich auch. Und wie schwierig es doch ist, als Eltern feststellen zu müssen, dass das Kind "nur" ganz normal ist. Und sie teilt ihr persönliches Grauen mit dem Publikum: Mayo am Kartoffelsalat!

Am besten wird Bäbel Stolz übrigens spontan. Wenn Bruno-Hugo-Louis' Kassettenrekorder nicht funktioniert ("Dann summt ihr jetzt halt einfach!") oder ein Handy klingelt oder sie Komplimente eines Zuschauers aus der ersten Reihe erhält ("Hesch ja jetzt au e schöne Aussicht ghabt"), kontert sie schlagfertig. Sie knüpft einzelne Sketche aus ihren Videos locker aneinander, das Ganze hat den Charakter von Standup-Comedy.

Die Schwabenwitze

Schwabenwitze kommen in Baden natürlich nicht zu kurz – wäre ja auch zu schade. Dabei bleibt die Prenzlschwäbin selbstironisch. "Stellet euch haltemol vor, ihr seid Schwaben – jetzt versuchets haltemol!". Sie berichtet von daher, "wo der Schwabenhass erfunden wurde" und meint Berlin. Kommentar meines Sitznachbarn dazu: "Nein, das war eindeutig hier". Mit der Swabophobie geht sie locker um. Ist mit Graffiti auf die Hauswand "Schwaben raus" geschmiert, entgegnet sie "Als Landsmännin von Hölderlin und Schiller, frag ich mich da schon: Ja wie, raus? Heraus? Wo raus? Und wenn wo raus, wo denn hin?". Zu Freiburg hat sie auch was zu sagen: "Freiburg isch der Prenzlauer Berg Süddeutschlands. Der Prenzlauer Berg isch wie dieses...Vauban. Nur halt cooler und sauberer." Insgesamt versprüht sie ganz viel Liebe für Süddeutschland. Sie erzählt, wie wütend die Berliner reagieren, wenn man aus Versehen Weckle bestellt: "Motzen ist quasi die Landessprache in Berlin. Ich glaube, Berlin ist der einzige Ort auf der Welt, wo sich die Leute was auf ihre schlechte Erziehung einbilden".

Das Publikum

Gemischt, aber eher ab vierzig-aufwärts. Meistens sind es Freundinnen-Gruppen, etwas älter als die Prenzlschwäbin selbst. Zielgruppe und so. Riesenausnahme: Die Gruppe von drei gutaussehenden Endzwanzigern in Lederjacken und hippen Gelehrtenbrillen – wer sind die? Und was machen die hier? Am Anfang ist das Publikum etwas schüchtern. Nach der Pause lacht aber dann auch die Mehrheit laut heraus.

Der Abgang

Den Abschluss macht eine Meditationsübung, um die schlechten Schwingungen eines Wutausbruchs zu vertreiben. Den Schlussgag gibt's, während das Publikum brav ins dritte Auge schnauft: "Ich kann noch in Ruhe zu Ende klatschen und bin trotzdem der Erste an der Garderobe."

Preis-Leistung (sehr wichtig für Schwaben)

Knapp 25 Euro ist schon ein Preis, aber Bärbel Stolz liefert ab.

Message des Abends

"Für Berliner ist südlich von Hannover alles eins. Alles Schwaben. Liebe Badener, das müsst ihr jetzt so hinnehmen. Wir sind alle eins".