Was ging bei... der ersten Galanacht der IG Subkultur?

Christina Braun

Neuentdeckungen garantiert: Bei der Galanacht zeigten 16 Bands, 12 DJs und 9 Künstler aus Freiburg was sie können. Fudder hat sich für Euch an sechs Locations auf die Suche nach Freiburgs Subkultur gemacht.

Warum braucht Freiburg eine aktive Subkulturszene und was macht die eigentlich? Wer das genauer wissen wollte, konnte am Freitag bei der Galanacht der IG Subkultur Einblicke in die Arbeit von mehr als 30 Freiburger Künstlern bekommen. Die IG Subkultur ist ein Zusammenschluss aus Kulturmacherinnen und Kulturmachern aus Freiburg, der es sich zum Ziel gemacht hat, das Freiburger Nachtleben wieder auf Vordermann zu bringen (Fudder: Diese 13 Freiburger engagieren sich bei der IG Subkultur). Dabei will die Verbindung Künstlerinnen und Künstler miteinander vernetzten, damit Freiburgs Nächte bunt und vielfältig bleiben.


Für fünf Euro gab es an 13 Locations Theater, Lesungen, Live-Musik und Kunstausstellungen. Darum geht es bei der Galanacht: Neuentdeckungen machen und damit die lokale Kunstszene unterstützen (Fotos: Die erste Galanacht der IG Subkultur – in Schwarz-Weiß und in Farbe)

20:30 Uhr: Eröffnung in der Mensabar

In der Mensabar wird die Galanacht offiziell eröffnet. Die sonst so graue Mensabar ist bunter geworden: Von der Decke hängen grün-gelbe Netzte, metergroße Totenköpfe blinken in Neonfarben und auf der Bühne ist alles für die DJs Uenay, Isabelle Gaultiér und Don Kanalie vorbereitet, die später mit Techno, Acid und House für Stimmung sorgen sollen. Dazwischen gibt es Nischenkunst von den Künstlerinnen Kathrin Kochs, Tara Groß und Aiwara Laloba.

Im hinteren Bereich ist als Teil von Kathrin Kochs Ausstellung eine gemütliche Sitzecke entstanden. Dabei lässt sie Objekte aus der Natur in einem ganz neuen Kontext erscheinen, um so ihre beiden Leidenschaften Design und Biologie miteinander zu verbinden. Da können schon mal zwei ausgestopfte Marder und ein Küken mit Partyhütten und Tröten zusammenkommen und so etwas wie Partystimmung verbreiten. Nebenbei ein gemächliches Kommen und Gehen - die Mensa bleibt mehr Ausstellungsraum als Partyhalle. Wer kommt, diskutiert vor den abstrakten Malereien der Künstlerin Tara Groß oder kommt mit den Organisatoren und Organisatorinnen in den schwarzen T-Shirts mit dem farbigen Subkulturlogo ins Gespräch.

21:15 Uhr – Hilda5

Die Galerie in der Wiehre ist ein echter Hingucker. Das liegt vor allem an der hippen Streetart, die hier sorgsam gerahmt an den Wänden hängt. Die Hilda5 ist als Projekt des Kulturaggregats Ausstellungsfläche, Café und Atelier. Regelmäßig finden hier Lesungen, Theater, Workshops und Konzerte statt.

Die Besucherinnen und Besucher schlendern durch die hell beleuchteten Räume mit den großen Schaufenstern. Im vorderen Teil der Galerie kann man Postkarten, T-Shirts und Graffiti auf Holz kaufen. Alles in der Hilda5 ist irgendwie arty – der Raum, die Leute und die Musik. Unten in dem kleinen Kellerraum spielen Bensnburner, ein Kollektiv aus Musikern, Visual Artists, DJs, Bühnenbildnern und Filmemachern. Die vier Jungs stehen hinter einer Glasscheibe, die mit dicken weißen Strichen bemalt ist, auf die passend zur Musik visuelle Art projiziert wird. Mal sind das dunkelblaue Laserstrahlen, mal die Konturen eines Autotachos.

Es ist voll und immer mehr Menschen drängen sich auf der kleine Treppe nach unten. Die Leute lassen sich von der Musik mitnehmen, was vor allem daran liegt, dass Bensnburner auf voller Linie und Leidenschaft bei dem dabei sind, was sie tun. Die Musik ist live, experimentell und nimmt die Zuhörenden mit allen Sinnen in eine andere Welt. Mal laut und wild, mal leise und ganz weit weg – Bensnburner bringt E-Gitarre, Bass und Schlagzeug mit elektronischen Keyboardklängen zusammen und schafft damit etwas zwischen Jazz, Neo-Soul und Doom Metall. Besonders kurios: Bassist Ben Krahl streicht die Saiten seines Basses mit einem Cellobogen und erzeugt so ganz besondere neue Klänge, die die Musik noch interessanter machen.

22:25 Uhr – The Great Räng Teng Teng

Schummriges Licht und ein verrauchter Keller- eigentlich nichts Besonderes in dem kleinen Club in der Grünwälderstraße. Heute steht das Trio Danny & The Two Toms auf der Bühne und sorgt mit schwungvollem Rock’n’roll und Country für gute Laune. Der Sänger gibt eine verblüffend gute Elvis-Kopie ab: Von der präzise zurückgelegten Haarlocke bis zum Vintage-Mikro stimmt alles. Schweiß fließt und die Leute tanzen. Es ist nicht zu voll und nicht zu leer, es gibt genug Platz, um die alten Elvis-Moves auszupacken oder sich einfach nur in eine längst vergangene Zeit mitnehmen zu lassen. Es hätte wohl keinen besseren Ort für authentischen Rock’n’Roll geben können.

23:00 Uhr – Wheite Rabbit

Im White Rabbit ist um diese Uhrzeit noch gar nichts los. Ein paar Hipster stehen vor dem Eingang, um zu rauchen, drinnen ist es fast leer. Gerade erklingen die ersten Dark Techno und Industrial-Klänge. Später werden hier noch Jekyl, Luedenscheidt und Sören Wernicke auflegen. Spannend ist die Deko: Ein Beamer wirft die Simulation eines sich drehendes Maschinengewehrs an die Decke. Bunte Lampions hängen im Raum, rote Laserstrahlen brechen das Licht.

23:20 Uhr – Café Atlantik

Die Luft ist stickig, es riecht nach Schweiß und Bier. Die Leute stehen dicht an dicht, viele sitzen in großen Gruppen zusammen, erzählen und trinken. Platz gibt es kaum, der Geräuschpegel ist hoch. Immer wieder schieben sich Kellnerinnen durch die Massen, vor der Bar hat sich eine lange Schlange gebildet. Vorne lauschen einige der One Man Band Dollar Bill, der auf der kleinen Bühne Multitasking beweist. Der Musiker in Jeans-Latzhose mit Gitarre und Schlagzeug trifft mit den Blues Tönen den Nerv des Atlantiks. Die Stimmung ist großartig, die Mischung der Leute ist bunt. Von jung bis alt, vom Hippie-Stirnband bis zum Cowboyhut ist alles dabei.


Auf großen Bildschirmen und Leinwänden laufen in einer Diashow Kunst- und Fotoprojekte von verschiedenen Kunstschaffenden aus der IG Subkultur. Die Fotos zeigen Mädchenhöschen auf Häkelteppichen und Polizeiwagen vor Gefängnismauern, dazwischen immer auch experimentelle Visual Art.

00:15 Uhr – RiDO

Die Weinbar ist ein genau das Richtige, wenn man einen Ausgleich zu verrauchten Kellerbars und überfüllten Kneipen sucht. Hier geht alles etwas entspannter zu, man gönnt sich ein gutes Glas Wein, sitzt zusammen, erzählt oder spielt Karten. Alle Plätze sind belegt.

Die meisten scheinen öfter hier zu sein. Ab und an kommen aber auch wieder Besucherinnen und Besucher auf der Suche nach der Kunst. An den Wänden hängen nämlich Fotos vom Freiburger Künstler Felix Groteloh. Für seine Fotoreihe Nightlife hat er Kneipenbesitzer aus Freiburg vor ihren Theken abgelichtet. Mit dabei sind unter anderem die Gesichter vom Swamp, Waldsee und Walfisch. Für die passende Musik sorgt DJ Michael Ellis mit funkigem Disco, Soul und House. Das RiDO bietet gemütliche Baratmosphäre im urbanen Stil.

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