Was ging bei ... der 187 Straßenbande in der Sick-Arena?

Laura Wolfert

Am Sonntagabend war die 187 Straßenbande zu Gast in der Sick-Arena. Neben einem silberfarbenen Mercedes-Benz gehörte auch ein aufblasbarer Flamingo zur Showeinlage.

Der erste Eindruck:

Es brummt aus der Anlage: der Sound des CL500. Das Herz pulsiert. Die Crowd gröhlt. Ein Mann auf der Bühne präsentiert seinen nackten Bierbauch. Er beugt sich über eine Mauer, die auf der Bühne aufgebaut ist, und schwingt eine Fahne durch den Rauchnebel. Ein silberfarbener Mercedes Benz rollt durch die Mauer-Einfahrt auf die Stage. "Tanktop sitzt, Zahnstocher sitzt, ich drück aufs Pedal, mir egal, ob es blitzt", rappt Gzuz mit seiner rotzigen Stimme in das Mikrofon.

Der Hamburger sieht aus, wie ein Straßenrapper aus dem Bilderbuch: Goldkette, Hakennase, Handtuch über dem Nacken, Lacoste-Sportanzug und ein Körper voller Tattoos. Seine Zeit im Gefängnis zeichnet sich auf seinem vernarbten Gesicht ab: mit hochgezogener Augenbraue blickt er in Richtung Crowd. Die Fans sind fasziniert von dem kiffenden Ex-Knacki, der es mit seinen Jungs von der Straße in die Charts geschafft hat.

Die Crowd

Damals waren es die Beatles, deren Pilzkopf-Frise nachgeahmt wurde. Heute ist es der Boxerschnitt der 187 Straßenbande. Immer wieder findet man in der Menge ein Double von Gzuz, Maxwell, Bonez, LX und Sa4. Der Großteil der Frauen erinnert dagegen an die Tänzerinnen aus den Musikvideos der Jungs. Die Nägel sind spitz und glitzern. Sie tragen wenig Klamotten und viel Make-Up und haben sich ihre längsten Fake-Wimpern aufgeklebt, die fast als Scheibenwischer für den CL500 durchgehen könnten. Leggings und Nikes gehören zum Standardoutfit. Absolutes Must-Have der Fans: die Bauchtasche.

Man hat das Gefühl, dass sich in jedem der Besucherinnen und Besucher ein kleiner Proll versteckt, der endlich zum Vorschein kommen darf. Weg mit dem braven Studierenden-Image, her mit der Fuck-You-Attitüde. Jetzt kann auf den Putz gehauen werden. Zumindest für ein paar Stunden. Die Fans wollen ein Teil der Straße sein, ziehen an der Capri-Sonne, futtern Chicken Nuggets und zünden sich Joints an.

Die meisten Besucher sind um die 20, bis auf ein paar Kinder, die sich in der Menge umher tummeln. Konzerteinlass ist ab 14 Jahren.

Flirtalarm

Bonez, Sa4, Gzuz und LX hüpfen von der Bühne runter und schlendern in ihren Jogginghosen die erste Reihe entlang. Die Fans strecken sich nach vorne, wollen mit ihren Finger die verschwitzten Hände der Rapper betatschen. Maxwell zieht auf der Bühne das Shirt aus. Der muskulöse Hamburger tänzelt sich im Scheinwerferlicht von links nach rechts, dreht sich und zwinkert seinen Fans zu. Gepfeife und Gekreische übertönt die basslastige Musik, die aus der Anlage wummert.

Track-Check

Kein 187-Konzert ohne die alten Hits, deren Musikvideos noch im Schwimmbad gedreht wurden: "CL500", "9mm" und "Mit den Jungs" gehören zum Song-Repertoire wie die Tracks aus dem neuen Sampler 4. Sogar die Dauer-Chart-Brenner wie "Mörder" aus dem "Palmen und Plastik" Album von Bonez und RAF Camora werden gespielt.

Geil

"Mariona" wird eingespielt und ein riesiger, aufgeblasener Flamingo in die vorderen Reihen geworfen. Maxwell klettert über die Absperrung auf die Schultern der Zuschauer und thront auf dem pinken Schwimmtier über den Köpfen seiner Fans.

Fail

In den Texten der 187 Straßenbande geht es um Drogen, Waffen und den Knast – Themen, die nicht unbedingt für 14-Jährige gedacht sind. Ob sie die Musik privat hören, sei eine Sache. Auf einem Konzert, wo gekifft wird, haben sie aber nichts verloren.

Pauschalurteil

Die Jungs von 187 haben die Straße auf die Bühne der Freiburger Sick-Arena gebracht und den inneren kleinen Proll ihrer Fans erweckt. Trotz der Showeinlagen und der großen Halle des Musikklubs fühlte man sich der Bande so nah, wie vor zwei Jahren im kleinen Freiburger Jazzhaus.

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