Was ging bei … den Monophonics im Atlantik?

Felix Klingel

Der Soul lebt! Die Monophonics haben es am Dienstagabend im Atlantik bewiesen. Den großen Vorbildern aus den 70ern stehen sie in nichts nach. Warum die Band so überzeugt und welches Bier es auf der Bühne gab.

Die Stage

Schweres Gerät steht auf der Bühne bereit: Ein Fender-Reverb verspricht warmen Vintage-Sound, ebenso die passende Gibson-Gitarre und die Keys. Ansonsten: schnörkelloses Konzert Set-up. Was nicht passt sind die blauen LED-Strahler, die mit ihrem Licht die Bühne etwas kalt erscheinen lassen. Egal, es wird noch heiß genug werden.

Die Crowd

Alte Freiburger Konzert-Garde, Surfer-Dudes mit Lockenmähne in Shorts und ein paar Berufsjugendliche. Außerdem eine Gruppe betrunkener Amis, die sich lautstark Songs wünschen. Die Crowd ist gemischt und hat Bock auf Soul. Auffällig text- und tanzsicher die Frauen in der Menge. Das Atlantik: Gut gefüllt, aber nicht ausverkauft.

Track-Check

Die Monophonics spielen Stücke aus ihrem aktuellen Album "Sound of Sinning", das auch schon zwei Jahre auf dem Buckel hat. Außerdem ein paar Hits aus dem (etwas besseren) Vorgängeralbum "In Your Brain". Frontmann Kellly Finnigan dominiert den Sound mit seiner kräftigen Stimme und den zwei E-Pianos, die er teilweise gleichzeitig spielt. Dazu setzen die Bläser punktgenaue Akzente, Gitarrist Ian McDonald flitzt über die Gitarre – sprich: Die Jungs liefern einen supertighten Sound ab.

Schön auch die Hommage an ihre Wurzeln – den Soul decken sie mit "Summer Breeze" ab. Im Orginal ist das vom Soft-Rock Duo Seals & Crofts, wurde aber schon gecovert von den Soul-Legenden der Isley-Brothers. Um den Attribut "Psychedelic" gerecht zu werden, wagen sie außerdem einen kurzen Ausflug zu Pink Floyds "Time".

Geil

Sänger Kelly Finnigan wütet vor dem Mikrofon, schreit Verflossene an, als würden sie vor ihm stehen, klagt über Lügen und Verrat, zetert, hadert, hofft – starke Performance!

Fail

Bei fast 30 Grad und Sonnenschein ins verdunkelte Atlantik – was tut man nicht alles für die Musik. Dazu mehr beim ...

… Schwitzfaktor

Der ist hoch, höher, Atlantik im Hochsommer. Das Hemd von Sänger Kelly ist so nassgeschwitzt, als würde es gerade aus der Waschmaschine kommen. Auch der Crowd steht der Schweiß im Gesicht. Die Hitze staut sich, aber egal, was wäre der Soul schon ohne Leiden.

Trophäe für Wärme-Resistenz

Trompeter Ryan Scott überlebt die Hitze der kompletten Show mit geschlossenen Jackett.

Der Freiburg-Moment

Die Crowd wird zwar nur mit "Germany!" angesprochen, dafür trinken die Jungs auf der Bühne Freiburger. Prost!

Kassensturz

18 Euro kostet das Ticket im Vorverkauf – für eine hochklassige Soul-Band aus den USA völlig in Ordnung. Bierpreise auf Atlantik-Niveau – auch Ok. Nur die Platte der Band reist mit 30 Euro ein Loch ins Portemonnaie. Uff. Dafür bekommt man eine limitierte 2LP in den schicken Farben orange und lila.

Pauschalurteil

Manch einer behauptete schon, der Soul sei tot und lebe nur noch im Sampling von HipHop und House weiter. Quatsch! Die Monophonics beweisen: Der Soul lebt. Und er lebt vor allem von seinem herzergreifenden Gesang – den hat Sänger Kelly Finnigan unverwechselbar drauf. Ein hervorragendes Konzert.