Was ging bei... den Lucky Chops im Jazzhaus?

Alexander Ochs

Von den U-Bahn-Stationen der Megacity New Yorks über Millionen Internet-Klicks ins ausverkaufte Freiburger Jazzhaus: Schafft es die durchstartende Brass-Coverband Lucky Chops, die Breisgaumetropole zum Toben zu bringen?

Der erste Eindruck

Paradoxes Bild: Von einem Schlagzeugset mal abgesehen – gähnende Leere auf der Bühne. Demgegenüber drangvolle Enge unter den Zuschauern. Seit Wochen ausverkauftes Haus, auf die in ge- und entspannter Erwartungshaltung lauernden Zuschauer prasselt laute Wummermusik. Während Kevin Congler, schwarz und hochaufgeschossen, den Platz hinten am Schlagzeug einnimmt, postieren sich die anderen vier Musiker: links außen Raphael Buyo mit seinem Susaphon, Trompeter Joshua Gawel, mittig Josh Holcomb an der Posaune und rechts Daro Behroozi am Tenorsaxophon. Alle urban, sportlich gekleidet. New York halt.

Die Setlist

1. Intro/Without You
2. Coco
3. I’ll Fly Away Intro
4. Boom
5. Miami
6. D20
7. Helter Skelter
8. Walter Jam
9. Skaba/Jam/Charles Solo
10. Sand?
11. Buyo
12. Connie
13. Behroozi
14.New Stand By Me
15. Danza Kuduro/Eye Of The Tiger
Zugaben:
16. ???
17. ???
18. Funkytown/So Good

Die Musik

Die Lucky Chops spielen einen Haufen Coversongs, die sie auf ihre eigene Art "brassisieren", also in starken Bläsersound überführen. Dabei entfachen die Jungs mächtig Wind und fegen über die Bühne wie Orkanböen am Schauinsland. Energiegeladen pulsiert der Groove, die Posaune quiekt, das Sousaphon pumpt und grundiert, das Schlagzeug marschiert, das Saxophon bebt und alles schiebt und treibt. Egal, ob der Beatles-Klassiker "Helter Skelter", der Gospelsong "I’ll Fly Away", die Rocky-Hymne "Eye Of The Tiger" oder der Seventies-Discokracher "Funkytown" – die Subway-Jungspunde hauen die Lieder in funky-fettem Bläsergewand raus, und zwar ultraschnell. Der Drummer wuchtet und fuchtelt ausgeklügelt am Schlagwerk, kräftig, urwüchsig, zugleich virtuos und filigran, lässt Beckenkaskaden erklingen, zwischendurch bekommt er sein umjubeltes Solo.

Augenschmaus

Schon beim Reinkommen der optische Knaller: die silbernen Adidas-Treter mit Flügeln, die der Posaunist trägt. Darüber enganliegende rotschwarze Jeans, bedruckt mit Motiven von Dollarscheinen. Und dazu ein NASA-T-Shirt. Mindestens ebenso gut: der quirlige kleine Filipino-Amerikaner im schwarzen Kickerdress – und in seinem Susaphon. Er passt gerade so unter den mächtigen Schalltrichter.

Das Bühnengebaren

Agil und athletisch kommen die Fünf rüber. Nun gut, Trompeter Joshua Gawel wirkt motorisch ein bisschen behäbig im Vergleich zu den kometenhaft auftrumpfenden Raketen um ihn herum. Aber vielleicht muss er noch daran knabbern, dass er vor sieben Jahren schon mal mit der Dave Matthews Band aufgetreten ist und zwischendurch kleinere Brötchen backen musste. Insgesamt feuern die vier Bläser aus alle Rohren, wobei vor allem das Sousa in kurzer Hose tänzelt und trippelt, fast dribbelt. Jeder, der bislang dachte, man erstarre förmlich beim Sousaphon-Spielen im Instrument, wurde eines Besseren belehrt: Raphael Buyo ist der Wirbelwind am Riesending.

Was in Erinnerung bleibt

Zwei Momente: Als die Band von der Bühne herunterkommt und Ben E. Kings "Stand By Me" mitten im Publikum spielt. Ein Superzaubermoment. Der natürlich von allen gefilmt werden muss. Und das Abschiedsselfie von drei Bandmitgliedern: Anschließend trägt der Große den Kleinen weg – der Schlagzeuger den Sousamann. Süß.

Fangirls des Abends

Die drei Mädels in der ersten Reihe mit den pinkfarbenen "Lucky Chops"-Fanshirts und den im Dunkeln leuchtenden Armreifen. Mitsingen und Schmachten – echte Hingabe!

Was wir gerne noch gewusst hätten

Warum die Stimmung unter den Zuschauern eher mau war. Lag’s am Montagabend? Oder isses einfach blöd für die Generation YouTube, wenn man auf einmal selbst mitmachen soll? "Freiburg halt", raunt einer. Und warum ist Baritonsaxophonist Leo P – der Mann mit den wechselnden Haarfarben – nicht mit dabei gewesen?

Preis-Leistungs-Verhältnis

Ganz ohne Gesang – das geht! Und wie. 100 Minuten für gut 20 Euro sind ein fairer Deal.

Note

Zwei plus