Was ging bei… den Lucky Chops auf dem ZMF?

Claudia Förster

Früher in der New Yorker U-Bahn, heute auf dem ZMF: Die Lucky Chops verleihen Posaune, Trompete & Co. ihren eigenen Style. So war der Auftritt am Donnerstagabend im Spiegelzelt auf dem Zelt-Musik-Festival.

Die Stage

Das Spiegelzelt auf dem Zelt-Musik-Festival wirkt mit seinen bunten Glasfenstern und vielen Spiegeln auf den ersten Blick eher wie ein gemütlicher Teesaal bei Alice im Wunderland, aber der Schein trügt: Mit den ersten Musikfetzen vervielfachen die Spiegel die bunten Lichtstrahlen, das Parkett unter der Diskokugel wird zur Tanzfläche und das stillstehende Spiegelzelt verwandelt sich in das pulsierende Leben.

Big Apple Style

Bad Taste Party im Spiegelzelt? Die fünf Musiker aus New York tragen alle Kombinationen, die man sich als Outfit nur so vorstellen kann: Kniestrümpfe, Sporthose und Pikachu-Mütze, Blümchenleggins mit Hipstertanktop, Basketballtrikot mit Haarband; und das alles natürlich mit neonfarbenen Leuchtsticks an Mann und Instrument on top. Die Mischung passt zu den Lucky Chops, die als Straßenmusiker an New Yorker U-Bahn-Stationen auftraten und dadurch weltweit bekannt wurden.

Die Band – Trompete, Posaune, Schlagzeug, Tenorsax und Sousaphon – sprüht nur so vor Energie und Leidenschaft, jeder der Musiker auf eigene charismatische Weise. Da ist der Sousaphonist, der jeden wummernden Bass mit Gesichtsausdrücken untermalt, der Posaunist, der gar nicht aufhört mitzuspringen und zu feiern und der Saxophonist, der in jedem der dreckigen Tenortöne aufgeht.

Die Crowd

Scheint sich dem Alter nach zu staffeln: in den ersten zwei Reihen Teenager in Fan-T-Shirts, in der Mitte tanzende Studis und weiter hinten die Ü30-Generationen. Alter hin oder her, allesamt lassen sich von der Musik mitreißen und von der Feierlaune anstecken.

Track-Check

Abgesehen von zwei, drei smoothen Balladen: laut, pulsierend, energetisch. Die Stimmungsmacher aus der New Yorker U-Bahn spielen auch beim ZMF superfetzige Medleys aus bekannten Songs wie Danza Kuduro oder Mr. Saxobeat (das bei den Lucky Chops übrigens die Posaune übernimmt). Dröhnende Tubabässe, der typisch rotzige Tenorsax-Sound und kreischende Trompetensolos – die Band zeigt, welches Soundvolumen aus ihrem teils verbeulten Blech rauszuholen ist.

Überraschend: Zwischendrin fallen die Lucky Chops komplett aus dem erwarteten Stilrepertoire heraus: Mit technischen Tricks verzerren sie den Sound der Instrumente und spielen Techno sowie roboterhaften Elektro à la Daft Punk.

Get Lucky

Glückspilze des Abends sind wohl die Teenage-Fans aus der ersten Reihe, die mit leuchtenden Augen zur Musik ihrer Lieblingsband abgehen und zum Schluss sogar einen High Five von Sousaphonist Raphael Buyo ergattern.

Kassensturz

27,40 kostet ein Ticket – nicht ganz billig, war aber ausverkauft.

Sekundenschlaf

Davon kann keine Rede sein: die Musik ist wie Adrenalin und Koffeinschock gleichzeitig.

New York loves Freiburg

Neben Klischee-Philosophien über Sauerkraut in Deutschland sind die Lucky Chops wohl super über Freiburg informiert: Saxophonist Daro Berhoozi outet sich kurzerhand als Fahrrad-Liebhaber und wird von den Freiburger Fans natürlich ordentlich dafür gefeiert.

Pauschalurteil

Der Auftritt der Lucky Chops übertrifft die Erwartungen: Die Musiker sind total sympathisch, locker und individuell. Den Stil hört man nicht alle Tage – leider, denn die kräftigen Sounds und schnellen Beats machen richtig gute Laune. Auf jeden Fall reinhören!