Was ging bei … den Lochis im ZMF-Zirkuszelt?

Alexander Schumacher

Mit zwölf veröffentlichten die Zwillinge Roman und Heiko Lochmann ihre ersten Videos auf ihrem YouTube-Kanal. Damals dichteten sie hauptsächlich Parodien mit deutschen Texten auf amerikanische Charthits. Heute sind die beiden 17 und echte Stars.

Die Stage

Es ist etwa halb sieben, Support-Act Meltem Acikgöz hat vor zehn Minuten die Bühne verlassen. Das Zirkuszelt ist nicht gerade drängend voll, nur direkt vor der Bühne drängeln sich die Zuschauer um die besten Plätze. Kleine Gruppen von 13- oder 14-Jährigen schnattern vorfreudig, zwei etwas jüngere Mädchen mit selbstgemalten Lochis-Fan-Shirts stehen links und rechts ihrer Mutter und versuchen, sie näher an die Bühne zu ziehen. Immer wieder brechen "Lo-chis! Lo-chis!"-Sprechchöre aus.

Dann betritt der DJ die Bühne, schon jetzt kreischen die jungen Fans auf den Stehplätzen lauthals. Als der Halbkreis aus Scheinwerfer hinter ihm aufleuchtet und die Lochis schließlich auf die Bühne springen, wird es noch einmal lauter, auf den Rängen enthusiastisch geklatscht und gepfiffen.



Track-Check

"Game (Intro)", der erste Song auf dem neuen Album, eröffnet auch das Konzert und klingt nach Aufbruch. Die Lochis singen ihn wie auch das restliche Konzert live, die instrumentale Begleitung und die Backing Vocals kommen vom Band. Einige erfolgreiche Songs aus früheren Jahren sind zu hören, zum Beispiel "Durchgehend online", das 2013 erschien.

Bei diesen Liedern und Songs wie "Ab geht’s", dem bisher größte Hit der Lochis, scheint fast das ganze Publikum den Text zu kennen. Ansonsten spielen die Lochis viele neue Songs, natürlich auch die Single "Lieblingslied". Schließlich gibt es bald ein Album zu kaufen, darauf weisen die Lochis die Eltern ihrer Fans noch kurz vor Schluss hin. Der Musikstil ist leichtfüßiger, auf gute Laune getrimmter Pop, hin und wieder rappen Heiko oder Roman eine Strophe. Die Texte drehen sich um die Dinge, die im Leben von Jugendlichen am bedeutendsten sind: Abenteuer, Freunde, Liebe, Liebe, Liebe.

Die Crowd

Wenn der eine singt, ruft der andere "Alle Hände!", "Yee-ah" oder "Freiburg!": Roman und Heiko wechseln sich dabei ab, ihre Fans zum Mitmachen aufzufordern und die Fans folgen aufs Wort. Die meisten von ihnen sind zwischen sieben und siebzehn Jahre alt, erst von den Jahrgängen über 35 sind wieder Zuschauer vertreten.

Es sind die Eltern der Fans, die sich das Geschehen aus sicherer Entfernung anschauen. Kaum einer von ihnen beschwert sich. Die einen beobachten entweder ihre Kinder dabei, wie sie andächtig oder begeistert der Show folgen; die anderen tauschen leicht spöttische Blicke aus. Am Ende, nachdem die Lochis endgültig die Bühne verlassen haben, ruft ein Vater noch einmal laut nach einer Zugabe und erntet dafür belustigte "Bitte nicht"-Blicke.

Fail und Geil

Neben der Hitze im Zelt macht den Eltern vor allem die Lautstärke zu schaffen. Die Stimmen ihrer Kinder sind höher als die erwachsener Konzertbesucher – aber keineswegs leiser. Das beweist die Dezibelmessung: Die beiden Zwillinge fordern ihre Fans auf, alles zu geben, zwei große Anzeigen über der Bühne zeigen den Schallpegel an. Das Zelt wird daraufhin von ohrenbetäubendem Kreischen in den höchsten Frequenzen erfüllt. 113 Dezibel, in etwa die Lautstärke einer Motorsäge und deutlich über der Schmerzgrenze. Einige Eltern halten sich mit verzerrten Gesichtern die Ohren zu.

Doch was den einen missfällt, bejubeln die anderen: Das übrige Publikum feiert sich selbst – und das zu recht: Das ganze Konzert über hält es die Lautstärke, die Fans vor der Bühne und jene, die bei ihren Eltern auf den Rängen bleiben mussten, springen ekstatisch im Takt, die Hände über dem Kopf, singen komplette Lieder mit oder werfen die Arme in Hip-Hop-Manier auf und ab.

Pauschalurteil

Es ist deshalb sinnvoll, dass das normale Ticket 31,50 Euro, das Elternticket aber nur 28,50 Euro kostet. Vielleicht wäre es fair gewesen, den Eltern noch etwas mehr Preisnachlass zu geben, wirklich freiwillig waren wohl die wenigsten von ihnen dort. Obwohl: Zwar wirkten die Zwischenmoderationen von Heiko und Roman weniger spontan, als sie scheinen sollten, trotzdem haben die beiden es verstanden, das ganze Zelt mit ihrer Musik mitzureißen. Beim Rausgehen stellt eine Tochter ihren Vater zur Rede: "Du musst zugeben, dass es nicht schlecht war", sagt sie fordernd. "Ja, das muss ich zugeben", antwortet ihr Vater, und es klingt überzeugt. Vielleicht hatte er heimlich sogar ein bisschen Spaß.