Konzertkritik

Was ging bei... den Foals auf dem ZMF?

Anika Maldacker

Dieser energiegeladenen Show konnte sich kaum jemand entziehen: Die britische Indie-Band Foals hat das Zirkuszelt zum Toben gebracht, obwohl noch viel Platz war. Am Ende gab es einen kleinen Aufreger.

Der erste Eindruck

Hundert Leute springen gleichzeitig. Der Holzboden des Zirkuszelts ist zum Trampolin geworden. Vorne singt Yannis Philippakis aus dem Foals Klassiker "My Number" ins Mikrofon: "You don't have my number / We don't need each other now". Das T-Shirt des Vordermanns klebt, die Haare der Vorderfrau kitzeln unangenehm am Arm. Es ist Indie-Rock-Zeit. Freiburg hat Bock zu hüpfen und zu tanzen und die im britischen Oxford gegründete Band Foals brachte das Zirkuszelt am Mittwochabend bei ihrem ZMF-Besuch zum Abfeiern.

Wenige Minuten und einige Songs später schiebt sich ein Typ mitten in der Menge, wenige Meter vor der Bühne Platz frei, fordert die Menge auf, einen Kreis freizulassen. Dann setzen Gitarre, Bass, Drums und Keyboard ein, gipfeln in einer Klangexplosion der rockigen Art. Alle springen in den Kreis. In Freiburg reichen schon die Foals für einen Moshpit aus.

Auch nicht schlecht: Der Auftritt der kurzfristig eingesprungenen Vorband Sea Moya. Die drei Mannheimer, die mittlerweile in Kanada leben, sind von früheren Freiburg-Auftritten bekannt, zuletzt im Dezember im Räng Teng Teng. Ihr bunter Style, ihre atmosphärische, leicht dahinschwebende Musik mit vielen elektronischen Elementen und ihr abgefahrener Tanzstil faszinieren.

Die Stage

Palmen und rote Elemente verwiesen auf das Design des neusten, im März erschienen Foals-Albums "Everything Not Saved Will Be Lost Part 1". Das Album folgte vier Jahre nach dem Vorgänger "What Went Down". Die Pause dauerte auch so lange, weil die Foals in der Zeit an einem Doppelalbum gearbeitet haben. Part 2 von "Everything Not Saved Will Be Lost" erscheint diesen September.

Die Band

Dunkle Skinny-Jeans, schwarze T-Shirts oder 70er-Jahre-Hemden – der Indie-Style aus den 2000er-Jahren, er lebt dank der Foals. Ihre Bühnenpräsenz ist einnehmend. Die Beats sind abwechslungsreich, schnell und schmutzig, dann wieder harmonisch und tanzbar – niemals langweilig. Die Energie, die die Band versprüht, überträgt sich sofort aufs Publikum. Dabei bleiben die Foals recht wortkarg, aber Sänger Yannis Philippakis verlässt die Bühne mehrmals, um sich den Fans anzunähern. Sie stecken ihre Power in ihre Instrumente und in die Musik – zu 100 Prozent. Es ist quasi unmöglich, sich dieser Energie zu entziehen.

Das Publikum

Trotz etwas Aufregung im Vorfeld, weil Foals-Tickets drei Tage vor Konzertbeginn für 30, statt für die anfangs angesetzten 57 Euro verkauft wurden, war das Publikum in bester Tanz- und Feierstimmung. Auf den Rängen war zwar noch Platz, aber die aufgeladene und positive Stimmung der Band und des Publikums hat das Zirkuszelt ausgefüllt.

Die Show

Die Setliste der Foals ist aus allen fünf bisher erschienen Alben gefüttert, vom 2008 erschienen "Antidotes" bis zum neusten Werk "Everything Not Saved Will Be Lost Part 1". Von der neuen Platte kommen die meisten Songs. Nur der Song "Spanish Sahara" vom 2010 veröffentlichten Longplayer "Total Life Forever" entschleunigt kurz. Danach reist der Song "Red Socks Pugie" die Meute wieder in das schnelle Tanztempo der Foals rein.

Der Aufreger

Nach 13 Songs ist um kurz vor 22 Uhr allerdings Schluss, die Foals ziehen von der Bühne. Zuvor hatte sich Foals-Sänger Yannis Philippakis noch entschuldigt, dass er krank sei. Das Publikum will trotzdem mehr, fordert lautstark eine Zugabe. Doch die Roadies bauen ab, ZMF-Gründer Alexander Heißler versucht zu beschwichtigen. Nach minutenlangen Zugabe-Rufen buht das Publikum lautstark.

Fazit

Das Zirkuszelt war nicht voll, da wäre noch Platz gewesen. Dafür hat das Publikum mit seiner Energie das Zelt gefühlt ausgefüllt. Die Foals haben mit ihren abwechslungsreichen, atmosphärischen Beats die Menge zum Ausflippen und Tanzen gebracht. Am Ende war das Konzert mit 13 Songs etwas kurz. Schade, dass es keine Zugabe gab, obwohl eine Krankheit natürlich ein Grund dafür ist. Man kann die Enttäuschung der Besucher, die fast 60 Euro für das Konzert bezahlt haben, nachvollziehen. Trotzdem ist es schade, ein solch furioses Konzert mit Buh-Rufen abzuschließen.

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