Was ging bei ... den ClassicBeats im Rotteck-Gymnasium?

Annika Gawlik

Classic Beats - ein Hybrid aus Disko und Klassik: Diese Lounge-Party - nach Vorbild der Klassik-Party Yellow Lounge aus Berlin - fand am Samstagabend im Rotteck-Gymnasium statt. Das Projekt des SWR-Sinfonieorchesters war das Erste einer Veranstaltungsreihe mit verschiedenen Schulen der Region. Wie's war:



Die Künstler

Es gab unzählige an diesem Abend. Da waren die DJs – Schüler des Musik-Grundkurses der K1 -, die Solisten – Dorothea Grolik und Lars Olaf Schaper-, eine wunderbare Bildschirm-Präsentation mit harmonischen alpinen Bildern und natürlich die Interpreten der aufgelegten Werke: Bach, Beethoven, Mozart.

Die Stage

Am äußersten Eck des Saals wirkten die Solisten etwas versteckt, obwohl sie sich doch gar nicht
hätten verstecken müssen. Sonst: Nicht weiter auffällig.

Die Crowd

Eltern, Lehrer, Nachbarn, Mitschüler – sie machten das Gros der Crowd aus. Vereinzelt konnte man allerdings auch Menschen finden, die nicht nur kamen, weil sie die Mitwirkenden kannten, sondern weil sie sich wahrlich für das neue Konzept interessierten. Ein paar mehr hätten der Verantsaltung aber gut getan.

Track-Check

Die Klassiker der Klassiker in einem wilden Potpourri. Der Übergang von "Für Elise" über die
"Carmina Burana" zum "Schwanensee" und anderen Meisterwerken war nicht immer für alle
ersichtlich. Auch war für traditionelle Liebhaber schwer verständlich, warum kein Stück
ausgespielt wurde und der Großteil der Musik nur aus dem Lautsprecher ertönte.

Die Solisten ließen dafür keine Wünsche offen. Dorothea Grolik bezauberte das Publikum auf der
Violine mit Stücken von Bach und Ysaye. Lars Olaf Schaper genoss anscheinend besonders die
Freiheit der Kleidungswahl und faszinierte nicht nur mit seinem grell-bunten Pullover, sondern
auch mit modernen Werken und barocker Pracht von Bach auf dem Kontrabass.



Fazit

Von purer Begeisterung über Egal-Haltung ("Die klassische Musik stört mich jetzt eigentlich
nicht"), bis hin zu völligem Unverständnis war im Publikum alles vertreten. Einige vermissten die Beats, andere den respektvollen Umgang mit klassischer Musik in ihrer Komplexität und Wirkungsweise.

Vielleicht ist die Schule nicht der beste Ort für eine "Lounge-Party". Die Jugendlichen, die feiern wollen, streben eher danach, sich dem Blick von Lehrern und Eltern zu entziehen. Sie verließen zuhauf bereits vor dem Auftritt des kunterbunten Bassisten die Veranstaltung. Und die Einzigen, die dann doch tanzten, lagen weit über dem Altersdurchschnitt.

Was wohl der überwiegenden Mehrheit fehlte, war eine kurze Einleitung, ein "Herzlich
Willkommen", eine Erklärung, wozu man überhaupt gekommen ist und was "das alles" eigentlich
soll. Auf diese Weise kann man sicherlich vielen Kritikpunkten vorbeugen und das Potenzial des
vielversprechenden Konzepts ausschöpfen.

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