Was ging bei… den Beginnern in der Rothaus-Arena?

Laura Wolfert

Mit Sonnenbrille, lilafarbenen Lackschuhen und Ringelsocken haben die Beginner deutschen Hip-Hop von Hamburg in die Freiburger Rothaus-Arena gepackt. Eine Gans stagedivte – und neben Megaloh waren drei weitere Überraschungs-Acts dabei.

Die Stage

Ein dröhnendes Schiff, dass in den Hafen einfährt: Das Geräusch des Hafens Hamburgs, der erste Ton auf Advanced Chemistry von "Ahnma" – der Ton, der die Herzen der Beginner-Fans höherschlagen lässt.

Eizi Eiz schlendert in lila-lack-farbenen Nikes auf die Bühne. Sein linker Fuß ist mit einem Verband umwickelt, sein rechter in eine gestreifte Wollsocke geschlüpft. Die Sonnenbrille des Rappers verdeckt sein halbes Gesicht: Sie ist breiter als seine dünnen Beine, die von einer enganliegenden Röhrenjeans umhüllt sind (Fotos vom Konzert).

Es brummt erneut die Hafenmelodie aus der Anlage. Gänsehaut macht sich auf den Armen breit, Härchen stehen ab. Denyo – ebenfalls mit Brille auf der Nase – schreitet auf die Bühne: "Yes, Advanced Chemistry", rappt er in das Mikrofon und die 5.000 Besucher in der Rothaus-Arena kreischen.

Hinter den Jungs: ein mehrstufiges Podest, das gleichzeitig als Bildschirm dient und die Bühne mit bunten Farben beleuchtet. Ganz oben thront DJ Mad, der seine Basket-Mütze auf den Kopf gesetzt hat und an Schaltern und Knöpfen dreht und drückt. An der Wand prangt das Logo: ein Fuchskopf. Lichter blinken von allen Seiten, Scheinwerfer bringen den grünen Rauchnebel zum Vorschein. Es riecht nach Popcorn und fettigen Pommes, dazu schwebt ein bissig-süßer Duft durch die ersten Reihen.
Eizi Eiz richtet mit einem Schnips seine verkehrt herumtragende Cap, schwingt das Mikro zwischen seinen Fingern und gibt seinen ersten nasalen Ton von sich: "Seid ihr fireburg?" Er verzieht seine Mundwinkel nach oben. Denyo blickt zu ihm rüber und zwinkert: Die Jungs haben Bock – und das Publikum erst recht.

Die Crowd

Eineinhalb Stunden vor Konzertbeginn hockt die Crowd am Geländer der ersten Reihe, mit einer Popcorn Tüte in der einen und einem Pils in der anderen Hand. Es läuft zur Einstimmung Weihnachtsmusik aus der Anlage – aber selbst Mariah Careys "All I want for Christmas is you" mindert die gute Laune der Besucher nicht.

Einer der Zuschauer hat sich das Beginner-Logo auf seinen Arm tätowiert, eine andere trägt einen dicken Woll-Pullover mit einem gefälschten Fuchsschwanz. Als 1996 das erste Album "Flashnizm" der "Absoluten Beginner" erschien, haben die Besucher gerade ihren Schulabschluss gemacht, sind in den Kindergarten gegangen, oder waren noch gar nicht auf der Welt: Sie sind unterschiedlichen Alters – aber sie alle kennen 25 Jahre nach dem ersten Track der Beginner jeden ihrer Songs auswendig. Füchse sind eben doch Rudeltiere.

Support-Check

Megaloh ist nicht nur als Feature auf "Advanced Chemistry", sondern auch die Vorband auf der Tour der Beginner. Mit seinem Produzenten, dem Ex-Freiburger Ghanaian Stallion, tänzelt er schlicht in schwarz gekleidet in einer Jordan-Jogginghose und Nikes auf der Bühne. Er dreht sich, kreist seine Arme, streckt sie vorne, bückt sich hoch, hüpft. Megaloh rappt schneller und schneller. Der Rapper aus Frankfurt schmettert einen Hit nach dem anderen in das Mikro: Von "Oyoyo" zu "Was ihr seht" zu "Yogibär". Schweißperlen tropfen ihm von der Stirn, sein Hemd ist nass – trotzdem springt er zwanzig Minuten später wieder auf die Bühne als die Beginner "Thomas Anders" einspielen.

Gerade als Eizi Eiz nach Megaloh übernimmt und "Oh, ich komme rein, sag’ Boom Chakalaka" zu "Meine Posse" rappt, schreitet ein weiterer Mann auf die Bühne. Er hat eine Wollmütze über seinen Kopf gezogen, trägt eine tiefsitzende Jogginghose, ein Shirt mit buntem Aufdruck – und ebenfalls eine Sonnenbrille. Der erste tiefe Ton, den er einsingt verrät ihn: Auf die Bühne schlendert zwischen Megaloh, Eizi Eiz und Denyo tatsächlich Samy Deluxe – der als vierter Beginner gehandelt wird und ebenfalls als Feature auf "Advanced Chemistry" vertreten ist.

Aber nicht nur Megaloh und Samy Deluxe – selbst die Gruppe, nach der das neuste Album der Beginner benannt wurde, ist Teil des Konzerts: Advanced Chemistry mit Toni-L und Torch performen mit den Beginnern "Fremd im eigenen Land".

Track-Check

Die Beginner spielen jeden Hit ihrer Alben – aus "Advanced Chemistry, "Bambule" und "Blast Action Heros". Jeder Song sitzt. Der Bass bringt das Hip-Hop-Herz zum Pochen. Man spürt die "knusprig klebenden Augen", wenn Eizi Eiz seine Strophe zu "Kater" rappt. Eine Träne kullert, wenn Denyo "Nach Hause" singt. Man rüttelt am Geländer in der ersten Reihe und springt auf und ab, wenn "Rambo No. 5" eingespielt wird.

Flirtalarm

Nur Eizi Eiz kann mit einer nasalen Stimme verführen. Und wie.

Geil

Ein Mensch in einem Gans-Kostüm – Gustav Gans – wird von der Security über das Geländer gehoben. Die Gans macht Stage-Diving, wird von der Menge auf Händen einmal durch die Rothaus-Arena getragen.

Pauschalurteil

Die Jungs grinsen das Publikum an. Sie flirten. Sie winken. Ihre Songs klingen live noch besser, als auf Platte. Sie trällern ihre Lieder nicht einfach so runter, sondern lassen sich für jeden etwas Neues einfallen. Selbst nach 25 Jahren merkt man, dass die Beginner immer noch Bock auf Hip-Hop haben. Sie sind deutscher Hip-Hop – und das haben sie mit diesem Konzert bewiesen.

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