Was ging bei … dem Filmmusikkonzert von "Weit."?

Simon Langemann

Kann ein Soundtrack eines Films auch ohne den Film selbst funktionieren? Diesem Experiment stellten sich am Sonntag im Artik fünf Musiker, die den den Soundtrack der Freiburger Erfolgs-Doku "Weit." live spielten. Ob’s ein Erfolg war?

Die Begrüßung

"Wir sind das Weit-Filmmusik-Ensemble", begrüßt Falk Schönfelder das auf Sofas, Stühlen und Sitzkissen platzierte Publikum. "Wir finden den Namen noch nicht besonders einfallsreich. Und ihr offensichtlich auch nicht, so wie ihr guckt." Man sammle weiterhin Ideen – und sei für Vorschläge offen, fügt der Pianist und Komponist hinzu.

Der Konzert-Hintergrund

Wie schon die Entstehungsgeschichte des ursprünglichen Soundtracks (Gwendolin Weisser und Patrick Allgaier lernten zwei der Musiker in Indien kennen), sind auch die Umstände, unter denen das Ensemble für seine dreiwöchige Deutschland-Tour probte, fast zu romantisch um wahr zu sein. Die ursprünglich eingeplante Wohnung in Spanien ging kurzfristig abhanden, also musizierten man einfach mit Hilfe der Solarzellen eines Busses am Strand. Die Musik zu einem Film über eine Weltreise per Anhalter – eingeübt unter freiem Himmel? Klingt cheesy, ist aber so.



Der Sound

Atmosphärisch, stimmungsvoll, beruhigend, aufwühlend, perkussiv, instrumental: Wer das in "Weit" transportierte Lebensgefühl noch heute in guter Erinnerung hat, kann diese Musik eigentlich nur mögen.

Die Instrumente

Falk Schönfelder bedient meist die Tasten eines wohlklingenden Stage-Pianos. Matthias Hübner spielt sich am Cello wie in Trance. Isaac Friesen, der die Musik gemeinsam mit Schönfelder komponierte, greift neben seiner mit Effektgeräten und Loopstation versehenen Akustikgitarre auch mal zur Flöte. Die von Maximilian Dierksen so gefühlvoll angeschlagenen Handpans sind ohnehin ein Instrument, wie es zu den visuellen Eindrücken aus "Weit" kaum besser passen könnte. Und Anselm Salewski – so etwas wie der fünfte Beatle des Ensembles – ist nicht nur Busfahrer, Booker, Gedichtrezitator und Gelegenheits-Cellist, sondern obendrein auch für die Visuals zuständig.

Die Randnotiz

"So ein Teil hatte ich seit fünf Jahren nicht mehr in der Hand", kommentiert Patrick Allgaier vor dem ersten Stück das schwere Gerät auf seiner Schulter. Der "Weit"-Protagonist zeichnet das Konzert mit Hilfe dreier Kollegen und professionellen TV-Kameras auf – und schlüpft damit zurück in jene Rolle, die er vor seiner Weltreise hauptberuflich innehatte.

Pauschalurteil

Keine Frage: Die Gelegenheit, drei Wochen lang mit einer derart aufwendigen Produktion durch Deutschland zu touren, verdanken die Musiker nicht zuletzt dem überwältigenden Überraschungserfolg der Reisedoku. Doch zu gönnen ist es ihnen allemal – schließlich sind ihre bunten Instrumentalstücke weit mehr als nur schmückendes Beiwerk.
Termin

Das nächste Konzert von "Weit: Filmmusik live" findet am 30. Mai in Breisach statt. Alle Infos gibt es bei BZ-Ticket

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