Was ging bei … Dancing to Connect im Theater Freiburg?

Carolin Buchheim

"Dancing to Connect" bringt Jugendliche mit und ohne Fluchterfahrung gemeinsam zum Tanzen auf die Bühne. Das Projekt gibt’s seit zehn Jahren – am Dienstag wurde mit zwei Performances Geburtstag gefeiert.

Die Stage

Die Bühne im großen Haus des Theater Freiburg ist leer. Tanz braucht ja Platz. Direkt davor hocken – in schwarz und weiß gekleidet, die Stars des heutigen Abends: Schülerinnen und Schüler von neun Schulen aller Schularten aus Freiburg, Lörrach und Breisach. Eine Woche lang haben sie gemeinsam mit Tänzerinnen und Tänzern von Battery Dance aus New York den heutigen Abend vorbereitet. "Dancing to Connect" – dabei geht es gar nicht so sehr um die heutige Performance – die zweite am Tag, übrigens, wie Noch-Intendantin Barbara Mundel anmerkt: "Wie richtige Profis".

Die Crowd

Es herrscht Schulaufführungs-Atmosphäre. Laut ist’s im sehr ordentlich gefüllten Auditorium. Die Eltern und Geschwister der Tänzerinnen und Tänzer sind da – und scheinen fast so aufgeregt, wie die Performer. Ab und an schreit ein Baby.

Sekundenschlaf

Fünf Grußworte –von Barbara Mundel, Friederike Schulte vom Carl-Schurz-Haus, Gemeinderätin Sylvie Nantcha, dem höchstrangigen US-Diplomat in Deutschland, Kent Logsdon, und Jonathan Hollander von Battery Dance – sind schon viel. Aber es war ja zehnter Geburtstag dieser guten Sache und alle lobenden Worte absolut angemessen. Schönster Moment: Als Jonathan Hollander Alumni der ersten Freiburg-Auflage von "Dancing to Connect" bittet, sich zu melden – und einige Hände hochgehen. Schön!

Dance-Check

Dann wird’s dunkel, pluckernde Elektro-Musik, und die Teenies fangen an zu tanzen. Insgesamt gibt’s fünf verschiedene Tänze. Die Tänzerinnen und Tänzer reichen sich unsichtbare Bälle, batteln sich, schließen einzelne aus, integrieren sie wieder, springen, rollen, stürmen über die Bühne. Sie finden Formierungen, lösen sie wieder auf, bauen menschliche Pyramiden. Die Tänzerinnen und Tänzer sie sind groß, klein, sportlich, rundlich, tragen Kopftuch oder Zöpfe – und all das ist egal. Manche sind Gymnasiasten, manche Haupt-, Gewerbe-, Realschüler. Manche Geflüchtete, manche Born-and-bred-Badener. Auch das ist alles egal, man kann es ihnen ja nicht ansehen. Sie tanzen mit Leidenschaft, manche bezaubernd unbeholfen, andere selbstbewusst kokett. Sie begegnen sich. Eine Gruppe tanzt zu "Lotus Flower" von Radiohead, während auf der Leinwand auf der Bühnen Rückseite Kreisprojektionen wabern. Keine Ahnung, was alles bedeutet, aber es ist toll. Es gibt Mega-Applaus, verdienterweise.
Nach den Teenies tanzen die fünf Tänzerinnen und Tänzer von Battery Dance, die die Woche als Teaching Artists mit den Teenies verbracht haben – mit sehr viel Energie, unbeschreiblich und atemberaubend gut.

Schwitzfaktor

Ob der neue Intendant eine Kliamanlage einbauen lassen wird?

Fail

Die Bodyguards des Interims-US-Botschafters waren das Gegenteil von unauffällig.

Kassensturz

Tickets kosteten 16 Euro, ermäßigt 8 Euro. Dafür gab’s 90 Minuten Tanz. Programme, wie üblich, 1 Euro.Garderobe ebenfalls wie üblich für umsonst.

Pauschalurteil

Ganz schöner Abend: Erbaulich, verwirrend und offensichtlich lebensverändernd für die Beteiligte. Was könnte man daran nicht mögen? Bisschen melancholisch auch, in der letzten Woche der Intendanz. Hat sich wirklich gelohnt.

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