Was ging bei … Daara J auf dem ZMF?

Bernhard Amelung

Faada Freddy und N’Dongo D, Rapper und Frontmänner von Daara J, lassen in ihren Songs die Silben nur so rattern. Bei ihrem Auftritt im Spiegelzelt boten sie ein Hochgeschwindigkeitskonzert in intimem Rahmen.

Der erste Eindruck

Etwas mehr als 1500 Wörter hat Eminem für seinen Song "Rap God" verarbeitet. Vier Wörter pro Sekunde sind das im Schnitt. Faada Freddy, eigentlich Abdoul Fatah Seck, und Mamadou Lamine Seck, der als N’Dongo D auftritt, liegen gefühlt drüber.

Die beiden Rapper aus dem Senegal, Frontmänner der Formation Daara J, lassen die Silben nur so rattern. Ob auf Englisch oder Wolof, der meistverbreiteten Sprache ihrer Heimat: Das Sprech- beziehungsweise Raptempo ist hoch. Geradezu langsam nimmt sich dazu die Begrüßung aus. "We are all friends", sagt Faada Freddy, und die Party beginnt.

Die Musik

Nachrichten und politische Kommentare, im Fernsehen vorgetragen als Sprechgesang? Was in Deutschland nicht denkbar ist, gehört im Senegal zum Alltag: Makthar Fall alias Xuman, Rapper, Moderator und Journalist aus Dakar, ist Gründer und Gesicht des "Journal Rappé". Eine Nachrichtensendung, die seit 2013 einmal aktuelle Themen aufgreift. Gerappt. Die Beiträge werden auf der Video-Plattform YouTube hochgeladen.

Rap durchdringt die Lebenswelten vieler Menschen im Senegal, übt einen großen Einfluss auf die Gesellschaft aus, sagt auch Faada Freddy im Spiegelzelt. Der Rapper, seit über 20 Jahren als Künstler aktiv, dürfte mit seinen Songs daran nicht unbeteiligt sein. In diesen bringt er musikalische Traditionen seiner Heimat, die verschachtelten Rhythmen des Mbalax und Sprechgesang auf Wolof, mit Funk, Soul, Reggae und Rap nach US-amerikanischem Vorbild zusammen. Ein hochexplosives Spannungspotential, das sich im Spiegelzelt mit den ersten Takten entlädt.

Das Publikum

Das Freiburger-Konzert-Theorem besagt: Wer als Künstler weltweit auftritt, in anderen Städten Konzerthallen ausverkauft und Open-Air-Gelände auch mal zur Überfüllung bringt, muss in Freiburg im intimen Rahmen konzertieren.

Fast schon ein VIP-Konzert ist der Auftritt von Faada Freddy, N’Dongo D und der Band, der Daara J Family, im Spiegelzelt. Rund 150 Gäste sind es, vom Mittzwanziger bis zum Mittfünfziger, die sich der stilistischen Breite und instrumentalen Farbenbracht der Band hingeben. Gut, dass auch eine kleine senegalesische Community am Start ist, die die hochexplosive Atmosphäre auf der Bühne ins Publikum bringt.

Höhepunkt

Die Jungs und Mädels mit senegalesischen Wurzeln feiern die Musik und die beiden Rapper Faada Freddy und N’Dongo D als ob es kein Morgen gäbe. Sie klettern auf die kleine Bühne, tanzen mit den Künstlern, singen und sprechen die Refrains mit. Call and Response. Die Grenze zwischen Künstlern und Publikum verwischt. Partytime.

Satz des Abends

"Wir haben unterschiedliche Pässe, wir sprechen unterschiedliche Sprachen, aber wir sind alle eins: Menschen. Lasst uns zusammen kommen und feiern."

Fazit

Ein großes Konzert in kleinem Rahmen.

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