Was ging bei … Curtis Harding im Spiegelzelt auf dem ZMF?

Bernhard Amelung

Mit zwei Alben hat sich Curtis Harding ins Herz vieler Soul-Liebhaber gespielt. Am Sonntagabend ist er im Spiegelzelt auf dem Zelt-Musik-Festival aufgetreten. Wie sein Retro-Soul-Sound ankam?

Der erste Eindruck

Sonnenbrille, hautenges T-Shirt, perfekt sitzende Stoffhose. Curtis Harding betritt die Konzertbühne im Spiegelzelt. Der US-amerikanische Sänger aus Atlanta, im Juni dieses Jahres 40 geworden, bleibt seinem Stilcode auch bei seinem Auftritt in Freiburg treu. Mit einer murmelnden Begrüßung wendet er sich an sein Publikum. Ein paar Basslicks später, unterfüttert mit etwas Wah-Wah-Gitarrensounds, beginnt das Konzert. Unprätentiös, roh, schnell. Wie der Garage- und Soul-Sound der Sechzigerjahre, auf den Harding mit seinen Songs verweist.

Das Publikum

Sonntagabend, 21 Uhr. Wer geht da eigentlich weg? Vor allem Fourty- und Fiftysomethings, dazu noch zwei gutes Dutzend Musikliebhaberinnen und -liebhaber, die auch das Eröffnungskonzert von Kamasi Washington im Zirkuszelt besucht haben. Optimistisch geschätzt ist das Spiegelzelt zu zwei Drittel voll. Wahrscheinlich sind’s weniger, denn es gibt noch reichlich Platz zum Tanzen.

Die Setlist

Das Programm ist superstraff. Zwölf Songs und eine Zugabe spielen Curtis Harding und seine Band in etwas mehr als einer Stunde. Unter anderem dabei: "Face Your Fear", der Titelsong seines zweiten, 2017 erschienenen gleichnamigen Albums; von dieser Platte im Programm auch: "Ghost Of You", "Need My Baby", "Wednesday Morning Atonement", "As I Am" und "Till The End". Von seinem Debütalbum als Solokünstler, "Soul Power" aus dem Jahr 2015, stellt er unter anderem "Castaway" und "Freedom" vor.

Die Musik

Curtis Harding, der im US-Bundesstaat Michigan geboren wurde aber seit seiner Kindheit in Atlanta Georgia lebt, gilt als Vertreter des Neo- beziehungsweise Retro-Soul. Fundament seiner Stücke ist also der Sound, für den James Brown, Sly Stone und Curtis Mayfield stehen. Letzteres wird besonders bei Hardings Stimmeinsatz beim Titelsong "Face Your Fear" deutlich, wenn seine Stimme ins Falsett überschlägt.

Ganz so krass schlägt Harding, der als Kind in einem Gospelchor gesungen, später in einer Punkband gespielt und als Background-Sänger das HipHop-Duo Outkast und Cee-Lo Green auf Tour begleitet hat, allerdings nicht. Seinen Stil nennt er "Slop’n’Soul", was so viel bedeutet wie: In seine Songs schleichen sich Versatzstückchen von Garage-Rock, Blues, Funk und Pop ein. Auf dem Album bewahren ihn die Produzenten Sam Cohen (Kevin Morby, Benjamin Booker, Rhett Miller), und nicht zuletzt Brian Joseph Burton alias Danger Mouse (Michael Kiwanuka, The Black Keys, Adele) davor, von der Retrowelle in die Beliebigkeit gespült zu werden. Live umgesetzt gelingt ihm das im Zusammenspiel mit seiner Band ziemlich gut.

Fazit

Cooler Auftritt, gut eingespielte Band, solide Songs. Gerne wieder.