Kritik

Was ging bei … Comedian Felix Lobrecht im Paulussaal?

Felix Klingel

Er ist Teil des Podcasts "Gemischtes Hack", einem der erfolgreichsten Formate in Deutschland, und seine Comedy-Shows sind alle ausverkauft: Felix Lobrecht war am Samstag in Freiburg. Hält der Hype, was er verspricht?

Die Crowd

Jung und auffallend nicht-studentisch! Ein Beispiel: Meine Begleitung will vor dem Auftritt noch eine Zigarette, hat aber keine Blättchen dabei. "Kein Dreher-Publikum hier", raunt er nach einem suchenden Blick über die Raucher vor dem Paulussaal. Und das in einer Stadt, in der "Haste ma’ nen Filter?" und "Fuck, der American-Spirit wird so schnell trocken" der Inhalt einer vollständigen Konversation sein kann. Mein Kollege schnorrt sich eine Kippe. Ein Mann kommt vorbei und weist die Rauchenden daraufhin, "dass es gegongt hat". Das soll wohl heißen: Jetzt geht es los. Also dann!

Die Stage

Fancy Bühneninstallationen machen bei einer Stand-Up-Show wenig Sinn. So bleibt die Stage spartanisch. Ein Barhocker mit Getränk, Mikro und im Hintergrund eine hochkante schwarze Stoff-Wand mit dem Schriftzug "Hype" - das war’s. Reicht ja auch.

Hype

… heißt das Programm von Felix Lobrecht. So eine richtig rote Linie zieht sich allerdings nicht durch den Abend. Vielmehr geht es um alles und jeden, unvermeidbare Comedy-Themen wie Mann/Frau eingeschlossen. Außerdem: WGs, rassistische Gedanken, die jeder hat, das Älterwerden, den Mond und Babys. Ein bunter und unsortierter Ritt durch die Themen des Lebens also. Dank seinem verschmitzten Lächeln verzeiht man Felix aber die abrupten Themensprünge.

Fail

Die letzten Minuten der Show, Felix Lobrecht steuert aufs Finale zu. Einmal im Programm wird er etwas ernster und kommt endlich darauf zu sprechen, warum sein Programm eigentlich "Hype" heißt. Es ist die Angst vor dem schnellen Aufstieg und dem genauso schnellen Fall, die ihn umtreibt. Aus seiner Vergangenheit mit wenig Geld macht er ebenso wenig Hehl wie aus der Tatsache, dass er jetzt jede seiner Shows ausverkauft und ein Gucci-Shirt für 500 Euro trägt. Er setzt zum letzten Satz an: "Was ist, wenn der Hype bald wieder vorbei i… ", "BEI DIR NIE, DU GEILE SAU", schreit eine Frau aus dem Publikum und versaut das Ende. Es ist die gleiche Frau, die schon während des ganzen Programms durch ein lautes und eigenartiges Lachen genervt hat. Gut, für seine Lache kann man nichts, aber was sollte das denn?

Geil

Richtig lustig wird’s immer, wenn Felix vom Programm abweicht und spontan auf Situationen im Saal eingeht. Nacherzählen macht hier keinen Sinn, wie bei jeder Situationskomik: Muss man dabei gewesen sein! Außerdem geil: Voract Kawus Kalantar.

Sekundenschlaf

Ein bis zwei Programmteile ziehen sich, etwa als es um Behindertenparkplätze geht. Nach zehn Minuten ist dann irgendwann auch mal gut. In den Sekundenschlaf gefallen ist keiner, aber zumindest die Mundwinkel gingen von oben mal wieder in Normalposition zurück.

Sprit-Check

Zum Saufen ist niemand gekommen: Der Abend verläuft weitgehend nüchtern.

Flirtalarm

Auffällig im Publikum sind viele Fan-Girls, die gemeinsam mit Freundin und gekleidet im Felix-Lobrecht-Merch mit großen Augen auf die Bühne schmachten. Besonders beliebt auch: Selfie vor dem dicken Mercedes von Lobrecht, der demonstrativ vor dem Paulussaal steht, und das aufgeregte Gespräch nach dem 30-Sekunden-Small-Talk bei der Autogrammstunde. Wer hier nicht Felix Lobrecht heißt, hat keine Chance auf einen Flirt.

Pauschalurteil

Gut zum Kopf abschalten und für den einfach Lacher. Wer etwas anspruchsvolleres mit Message sucht, wird möglicherweise enttäuscht.



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