Was ging bei ... Brothers Of Santa Claus im Jazzhaus?

Alexander Ochs

Heimspiel für die neuen Helden am Freiburger Indie-Himmel: Die hochgelobten Brothers Of Santa Claus machen auf ihrer Deutschlandtour Halt im Breisgau. Wie es war.

Die Stage

Mut zum Minimalismus: Etwa ein halbes Dutzend Gladiolen an den Mikrofonständern – das ist die komplette Deko für den gesamten Saal. Und das reicht vollkommen, zumal der Gewölbekeller ja gerammelt voll ist.

Die Crowd

Wie das Publikum war? Erster Hinweis: Das Verhalten reimt sich auf Crowd. Aber zuerst: Wohin man auch schaut – junge Leute im selben Alter wie die Bandmitglieder Anfang/Mitte 20. Ab und an blitzt mal eine Halbglatze oder ein sonstwie älteres Semester durch. Viele der vorwiegend Studis haben, es war sicher eine volle Woche, einen außergewöhnlich hohen Gesprächsbedarf. So ist es erstmal dunkellaut: Das Licht spärlich dosiert, nur auf die Bühne gerichtet, ready for Konzentration, doch das fröhlich-bunte Geschnatter im Saal spricht eine andere Sprache. Es sagt: Wir brauchen noch einen Moment. Dieser wird mindestens die 90 Minuten bis zum Konzertende dauern. (Anfangshinweis noch im Kopf? Es war laut.)

Track-Check

Was cool an den Jungs ist: Sie lassen sich scheinbar durch nichts beirren. Ziehen ihr Ding durch. Konzentrieren sich aufs Wesentliche. Spielen ihre Setlist, zusammengesetzt aus dem Material ihrer beiden Alben, souverän durch, ganz fokussiert auf die Musik. Ja klar, ein paar plüschige Ansagen gehören auch dazu. Zwischen synthie-angehauchtem Dream Pop, zeitgemäßem Indiepop erster Sahne und auch mal spacigem Rock changieren die in sich ungemein stimmigen und stimmungsvollen Nummern. Ein jeder Song fasziniert auf seine Weise, becirct, betört, entrückt. Und beglückt. Kongenial flankiert von der Lichtregie, die den Auftritt ruhig und bedacht in Szene gesetzt.

Sänger Maximilian Bischofberger gibt den Aktivposten, wechselt vom E-Piano zur Ukulele und umgarnt mit seiner honigweichen Stimmfarbe. Stimmlich unterstützt wird der Bart- und Brillenträger im wallendem Försterhemd von Bela Hagel, der auch für die rockigen (Gitarren-)Saiten zuständig ist zusammen mit Jan Horst. Francesco Rezzonico an der Bassgitarre schält stoisch Bassreliefs heraus, gepaart mit dem wirkungsvollen Schlagwerk von Simon Heitzler.

Denn das ist Teil ihres Geheimnisses: Den Brothers Of Santa Claus gelingt es hervorragend, genau die richtige Instrumentierung für jedes Stück zu finden. Nicht zu üppig, nicht zu sparsam. Schön satt, aber nicht überfrachtet. Was ein Stück weit sicherlich auch Produzent Alexander Sprave zu verdanken ist, der es sich nicht hat nehmen lassen, eigens per Auto mit Familie aus Berlin anzureisen. Es mag hochgegriffen klingen: In ihren besten Momenten kommen die Jungs den Indiegiganten Radiohead oder auch Alt-J nahe. Chapeau!

Highlight ist das untertourig wirkende, aber knisternd spannende "Figure It Out" mit seinem mysteriösen Zauber. Mit "No One Ever Noticed" als zweiter Zugabe kegeln sie die Zuschauer sanft und sachte aus der Tür.

Beharrlichster Publikumsruf

"Simon! Si-mon! S-I-M-O-N!" Regelmäßig bekommt der Drummer Anfeuerungsrufe zu hören. Wisst ihr Bescheid.

Bester Merchandising-Werbespruch

"Wir haben auch selbergemachte Taschen dabei. Und auch Vinyl!" (Maximilian Bischofberger)

Kassensturz

Für 13 Euro servierten Freiburgs Pop-Hoffnungsträger anderthalb Stunden lang Musik vom Feinsten. Handgemacht, selbstgemacht, wohldurchdacht. Die fünf Jungs lassen jedes Indieherz höher schlagen. Bleibt zu hoffen, dass das Quintett mit dem frisch releasten Album "NOT OK" wirklich den Turbo zündet, verdient hätten sie es!

An der Tanke

Es wird getrunken, aber nicht gebechert: Gut an kommt das handliche Stümple für 3,20 Euro. Der bezahlbare Eintritt dürfte dazu beigetragen haben, dass das Budget noch was hergibt für den Flüssigkonsum.

Schwitzfaktor

Vorne, direkt an der Bühne, sind die echten Fans zu finden, Tanzbewegungen und Vergleichbares werden gesichtet. Dort ist auch der Konzertgenuss am höchsten. Weiter hinten Mr. Lover und Mrs. Palaver – also hoher Kommunikationsgrad. Für ein volles Haus waren die Temperaturen noch absolut im Rahmen.

Flirtalarm

Bei den ruhigeren Nummern wie "Brother" kuscheln die Pärchen etwas enger, sonst wird gebalzt und geflirtet – Vorglühen am Freitagabend.

Pauschalurteil

Schwelgerisch ausfreaken und Endorphine ins Ohr schleusen. Ein fantastischer Gig der Brothers Of Santa Claus!

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