Was ging bei... BOY und JORIS auf dem ZMF?

Vanja Tadic

Schunkeln mit den Nachbarn, viel Liebe, Special-Effects und Gesang. BOY und JORIS haben beim ZMF in Freiburg gespielt. Fazit: "Mein Herz sagt: Bleib(t)!"

Die Stage

Valeska Steiner aus Zürich und Sonja Glass aus Hamburg von BOY treten nach 2013 zum bereits zweiten Mal im Zirkuszelt auf. Sie stehen mittig am Mikrofon, bleiben die meiste Zeit in mystisches Licht gehüllt.

Nach dem Umbau haben sich nur die Anordnung der Instrumente und das fette weiße JORIS auf dem schwarzen Hintergrund verändert. Das Lichtrepertoire erstreckt sich von sanftem Rot bis Strobopop.



Die Crowd

Kinder, 14-jährige Mädelsgruppen, Opis mit Grönemeyer-Cap, Erwachsene in schickem Hemd und Bluse, die gerade vom Golfen kommen könnten, Mittzwanziger-Gangs, alterstechnisch wirklich jeder dabei. Auffällig: Niemand fällt durch besondere Kleidung auf, alle eher im 08/15-Outfit.

Tendenziell mehr Frauen, was bei JORIS’ Gesangsbattle zwischen Jungs und Mädels klar zum Vorschein kommt. Verblüffend gut waren die leidenschaftlichen männlichen Stimmen dennoch.

Christian Streich vor und direkt nach dem Konzert gesichtet. Die Vermutung liegt nahe, dass der SC-Trainer ebenfalls mitsummte.

Track-Check

BOY eröffnet den Abend mit "We were here", der Song ist Namensgeber ihres neuesten Albums (2015), von dem sie einige Lieder spielen. Alte Knaller aus ihrem ersten Debüt "Mutual Friends" (2011) wie "Drive Darling" und "Little Numbers" lassen das durch Valeskas Engelsstimme eingeschüchterte Publikum sogar mitsingen.

JORIS und Band begeistern mit Songs ihres ersten und bisher einzigen Albums "Hoffnungslos Hoffnungsvoll"(2015), bei dem ich überrascht von den guten Mitsängern um mich herum bin. Beide Bands sind mal ruhig und gefühlvoll, mal am "über die Bühne hüpfen, als gäbe es kein Morgen mehr".

Fail

Als bei "Little Numbers" von BOY das Publikum mitsingt und Valeska sagt:"Es ist so schön, singt weiter" und sich die Sänger auf einmal als textunsicher erweisen. Ein Lachen dreht die Runde.



#luschdig

Scheinbar niemand weiß, wie JORIS Ramon Buchholz aussieht. ZMF-Gründer Alex Heisler, der die beiden Bands ankündigt, erzählt dem Publikum, wie er zu den Künstlern im Backstagebereich ging und fragte, ob JORIS dieses Jahr den Echo gewonnen habe. "Der steht vor dir und hat sogar drei Echos gewonnen."

Beim Umbau zwischen BOY und JORIS checkt zum Schluss ein Techniker das Mikro des Leadsängers, als ein Mädchen hinter mir aufgeregt ihre Freundin fragt: "Ist er das? Ich weiß ja gar nicht wie er aussieht". Als sich dann ein Bandmitglied an das Klavier in der Mitte setzt, rastet das Publikum solange aus, bis es merkt, dass das schon wieder nicht JORIS ist.

Endlich kommt er auf die Bühne und ich bin mir sicher, dass er nach seinem sympathischen Auftritt allen in Erinnerung bleiben wird.

Geil

Geil ist der Spaß der beiden Gruppen auf der Bühne. Sie stehen da oben, um Musik zu machen und beim Zuschauen ist für mich logisch, dass es nichts Geileres geben kann. Die gute Laune steckt an und vor allem JORIS und seine Jungs kitzeln alles aus den anfangs stocksteifen Besuchern raus. Die Künstler sind sprachlos darüber, wie geil Freiburg ist und wie sehr das ZMF bockt.

Als JORIS die Bühne verlässt, singt das Publikum immer weiter "Herz über Kopf" und man sieht ihm an, wie sein Herz sagt "bleib", doch sein Kopf schreit "GEH".

Sekundenschlaf

Ironischerweise drifte ich etwas ab, als BOY "No sleep for the dreamer" trällert. Zum Glück retten das die beiden mit ihrem ältesten Song "This is the beginning", bei dem Valeska mit Headbanging beginnt.

Gänsehaut

JORIS’ Worte über schöne Momente des Lebens und traurige Momente, wie den Verlust einer Person. Seine Augen glänzen, wie so viele andere im Raum und er singt "Bis ans Ende der Welt" und zum ersten Mal verstehe ich den Text.

Kassensturz

Für zwei klasse Bands 39,60 Euro? Ziemlich fair.

Flirtalaram

Bei BOY ist die Atmosphäre eher verhalten, eine süße "Mädchenparty-Stimmung". Als JORIS das Mikro in die Hand nimmt und anfängt, Freiburg als "sexy motherfucker" zu bezeichnen, wird die Luft immer heißer.

Fazit

"Wir waren die letzten Wochen auf Festivals mit 100 000 bis 200 000 Leuten und dann kommen wir in dieses Zelt... Ihr gebt uns so viel Liebe, danke!", sagt JORIS. Zurecht! Danke BOY, danke JORIS für einen Abend, an dem viele ihre Handys in der Tasche ließen – einfach weil es so gut war.