Was ging bei … Between the Beats in Lörrach am Samstag?

Tamara Keller

Becher-Heldin, Rap-Gott und Kuschelrock: Das alles gab es bei der sechsten Ausgabe des Between the Beats Festival am Samstag in Lörrach. Warum es ein Fest auf musikalisch höchstem Niveau war.

Der verrückteste Auftritt

Musik mit Kinderinstrumenten? Das geht, zumindest wenn man Maeckes heißt. "Gib mir mal einen Drop!", ruft er seinem Gitarristen zu, der gerade gleichzeitig die Ukulele, die Loop-Station und den Synthesizer bedient und damit mit Abstand der beste Musiker im Raum ist. Tatsächlich schafft er mit einem Stimmverzerrer einen Drop zu dem alten Maeckes-Song "Saegewerk" zu simulieren. Die Katastrophen, wie sich die Live-Band rund um Maeckes nennt, haben für zwei Songs ihre normalen Instrumente weggelegt. Stattdessen spielen sie Gangster-Rap mit Mini-Schlagzeug, einem Mini-Keyboard, welches Geräusche wie aus Super Mario macht, und einer Ukulele. So ein Rapper und so eine verrückte Live-Band ist schon eine tolle Kombi.

Die Stage(s)

Sie sind dieses Mal erstaunlich schlicht. Im Burghof sind mehrere Quadrate aufgestellt die in bunten Farben leuchten. Im Hintergrund steht in silbernen Buchstaben "Between the Beats". Rechts und links hängt jeweils ein Festival Plakat, welches auch im alten Wasserwerk die einzige Deko ist. Auffällig ist aber, dass egal bei welchem Auftritt, die Bühne mit den verschiedensten Musikinstrumenten vollgestellt ist, die die Künstler mitgebracht haben.

Style-Check

Ganz dem Indie-Pop-Klischee entsprechen sowohl der Sänger von Ten Fé als auch die Hauptstimme der Brothers of Santa Claus: Beide mit einem bedruckten Hemd bei dem man sich nicht so ganz sicher ist, ob das in die nächste Kleidersammlung gehört oder noch Vintage ist. Maeckes fällt mit seinem gelben Anzug aus der Reihe – obwohl nicht so schön, wirkt das gelbe Teil für eine Bühnenshow ganz tauglich. Alle anderen Künstler fallen in die Gattung zwischen Normalo- und Hipster-Look.

Der besonderer Moment bei …

Nele, die Becher-Heldin bei Ten Fé

Vor der Bühne steht ein Mädchen. Sie klammert sich mit ihren beiden Händen an ihrem Plastikbecher fest, den sie auf die Bühnenkante gestellt hat. Während Ten Fé spielt, bewegt sie sich nicht, sondern starrt einfach nur nach oben in die Richtung des Sängers. Um sie herum sind kaum Gäste. Zwar steigert sich die Publikumszahl im Laufe des Abends, trotzdem wirft es die Frage auf, warum zieht dieses Festival nicht mehr Leute an? Der positive Seiteneffekt: Nie Gequatsche und immer genügend Platz zum Tanzen.

Das Line-up wirkt auf den ersten Blick vielleicht uninteressant, da nur sehr wenige Namen wirklich bekannt sind, doch Ten Fé beweisen, was dieses Festival so besonders macht: Die Londoner Band, die normalerweise größere Bühnen gewohnt ist, bespielt mit drei Gitarren, abwechselndem Lead-Gesang und einem Synthesizer das kleine Lörrach. Kurz vor Ende fragt Sänger Leo Duncan ins Mikrofon: "Du, wie heißt du?" und zeigt auf das Bechermädchen. Sie antwortet. "Nele, du bist für mich die Heldin des Abends", sagt er auf englisch zum Abschied.

Maeckes, der Gott wird angebetet

"Ihr dürft keine anderen Rapper neben Maeckes haben", singt der Untergrund-Lyriker der bürgerlich Markus Winter heißt in seinem Song "Partykirche". Tatsächlich scheint es so, als würde das Publikum im Burghof dieses Gebot sehr ernst nehmen. Egal welches Alter, egal welches Geschlecht, es scheint so als bete das gesamte Publikum an diesem Abend nur zu einem Rap-Gott. In den Gesichtern ist pure Begeisterung zu lesen. "Äh Dings" wie sich Maeckes Produzent und Bassist nennt hat sich für den Song extra eine Mönchskutte und eine Riesenkreuzkette übergezogen, die sogar im Dunkeln leuchtet. Passend zum Songtext teilt er das Publikumsmeer und am Ende wird es seinen Rap-Gott Maeckes auch auf Händen tragen.

Kuschelrock bei Brothers of Santa Claus

Dafür, dass es schon halb zwölf ist, liefern die Brothers of Santa Claus im Alten Wasserwerk schwer verdauliche Musik: Die mit Aufwand komponierten ruhigen Stücke sind zwar schön anzuhören, machen es den Anwesenden aber schwer die Augen aufzuhalten. Zwar bewegen sich die Meisten hin und her, aber wirklich wach hält das nicht. Alle richtig gemacht hat das Paar, dass sich einen Sitzplatz auf der Treppe neben der Bühne gesichert hat. Während des gesamten Auftritts sitzen sie dort Seite an Seite als gäbe es nur sie und die Musik. So lassen sich die Brothers of Santa Claus am besten genießen.

Bei "Fuck Art, Let's Dance" wird wirklich getanzt

Bereits beim zweiten Song springt Sänger Nico Cham mit Gitarre in die Publikumsmenge und hüpft und tanzt mit dem wieder aufgeweckten Publikum, während er die Gitarre weiter bespielt. Auch der Bassist hüpft, der Gitarrist tut es ihm gleich und so schnell wie der Schlagzeuger seine Drumsticks bewegt, ist es kaum verwunderlich, dass seine Bizeps deutlich zu sehen sind. "Fuck Art, Let's Dance" scheint neben dem Bandnamen tatsächlich auch das Motto zu sein. Zum Schluss bleibt nur eine Frage: Wie schafft es der Sänger sich so viel zu bewegen und trotzdem mit so einer festen Stimme zu singen? Nur zwischen den Songs ist manchmal zu hören, wie er schwer und schnell atmet.

Das nich-existente Nichtraucherschutzgesetz

Für die erste Zugabe zieht sich Maeckes etwas in den Hintergrund. Sein Bassist übernimmt das Mikrofon und stellt sich als "Future Ferdinand" vor – sehr verwirrend, denn kurz zuvor war sein Künstlername noch "Äh Dings". "Dieses Lied geht an alle Raucher", sagt er während er einen Glimmstängel aus der Tasche zieht und ihn tatsächlich anzündet. Einige derjenigen, denen auch das Lied gewidmet ist, nutzen diese Grauzone aus und holen ihre Zigarette heraus und zünden sie an. Für einen Song gibt es mal kein Nichtraucherschutzgesetz. Das Lied erinnert an einen Malle-Hit, denn der Refrain besteht aus einem mit tiefer Stimme gegrölten "Ich bin ein Raucher!"

Pauschalurteil

Maeckes und die Katastrophen stechen an diesem Abend deutlich hervor. Seine Show reißt die Zuschauermenge mit und wird zu keinem Zeitpunkt langweilig. Musikalisch gesehen liefern jedoch alle Acts, egal ob mit Kinderinstrumenten oder mit normalen auf höchstem Niveau ab. Sie beweisen deutlich, dass ein Bandname nicht immer bekannt sein muss, um Qualität zu liefern.

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