Was ging bei... Benne im Great Räng Teng Teng?

Anna Germek

Deutschsprachig, eine Mischung aus Melancholie und Pop – Das ist Benne. Barfuß stand er auf der Bühne und begeisterte mit schwermütigen Texten am Donnerstagabend Freiburg. Die Band gab alles, der Schweiß strömte.

Das Konzert in Freiburg

Die Band beobachtet und bejubelt hat man am vergangenen Donnerstagabend. Im gut besuchten Teng ist Benne einen Abend lang – echteres Gefühl gibt's nicht. Wer schon einmal in diesem Club war, kennt die Nähe zur schnuckelig kleinen Bühne. Im Wohnzimmerflair müssten Benne und seine Band fast Angst haben, von begeisterten Fans betatscht zu werden – aber die Besucher sind anfangs zaghaft und trauen sich kaum näher.

Vorher macht Fins mit englischen Texten Stimmung. "Ich hab wirklich 'ne Band – die kommt nur heute aus dem Laptop. Ich freue mich mit Benne unterwegs zu sein. Ihr freut Euch wahrscheinlich auch schon!" Und das stimmt. Das Publikum begrüßt Benne mit Band jubelnd.

Der Sänger bahnt sich barfuß, ganz in schwarz gekleidet und schmunzelnd seinen Weg zur Bühne. Optisch könnten die Jungs auch Straßenmusiker sein – etwas alternativ angehaucht, die Haare aus der Stirn schüttelnd, wenn sie ins Gesicht fallen. Damit passen sie doch sehr gut nach Freiburg. Und auch die Boxershorts kann man sehen, wenn die Hose rutscht.

Die Atmosphäre

Die markante Stimme erfüllt den Raum, als Benne mit seinem ersten Lied "Freiheit" einsteigt. Zu diesem Zeitpunkt, gegen 22 Uhr, zupfen sich die Gäste schon ungeduldig an der Kleidung. Der Schweiß strömt und Frauen fächern sich Luft zu. Die zwei Ventilatoren können auch nichts mehr ausrichten. Aber das kann der gutem Stimmung nichts anhaben. Benne erzählt von "Hier und Jetzt". Es handelt davon, Menschen kennenzulernen, mit denen man sich nicht auf Anhieb versteht. "Aber ich habe bemerkt, dass wir alle ähnliche Ziele haben, nur der Weg dahin ist unterschiedlich", sagt er. Während er singt, grinst er immer wieder in das dichte Gedränge.

Sanft, gefühlvoll, mit viel Tiefgang und oft melancholisch sind Bennes Texte. Bei Liebeskummer sprechen sie einem aus der Seele. Dann kann man wohl gar nicht anders, als sich ins Bett zu kuscheln und gepflegt eine Runde zu heulen. Aber er zeigt, dass seine Musik auch durchaus tanzbar ist – und das mit sehr viel Körpereinsatz auf der Bühne.

Das Publikum

Von der wippenden Mutter mit ihrer Tochter über Mittvierziger bis hin zu offensichtlich verliebten Pärchen sind überwiegend Frauen da. Zwei Mädels in der ersten Reihe tanzen eifrig und singen mit geschlossenen Augen. Studenten fläzen sich auf den Boden oder quetschen sich auf spärliche Hocker.

Benne mag Freiburg!

"Ich freu' mich. Das ist das erste Mal, dass ich mit kompletter Band in Freiburg spiele. Ich mag Freiburg und den Club sehr", sagt Benne, der in Heilbronn aufgewachsen ist. "Diese Kirche, unter der auch die Straßenbahnen durch fahren, was ist das nochmal?" Das Publikum lacht und grölt einstimmig "Martinstor!"

Nach dem Auftritt kommt er gleich wieder zurück, um "ein Bier mit allen" zu trinken. Damit beweist er wieder, wie nahbar er ist: Nach einem Autogramm kann ich auch einen kurzen Small Talk und Blick in die braunen Augen ergattern: "Die Menschen waren anfangs zurückhaltender und dadurch schwerer einschätzbar, aber sonst war's spitze", sagt er über das Konzert in Freiburg.

Fazit

Als Fan deutschsprachiger Musik kann man nur begeistert von Bennes Musik sein. Gefühlvolle, oft auch schwermütige Texte gehen ins Ohr und finden für jeden Hörer eine eigene Bedeutung. Auch wenn es unfassbar heiß in diesem kleinen Raum ist – der Besuch hat sich gelohnt. Gerade weil die Künstler so nah sind und dir in die Augen sehen, sind sie sehr viel echter.

Noch sind sie unbekannter als Clueso und Co, aber dadurch noch so authentisch und greifbar – Sie sagen nicht die gleichen Sätze wie auf jedem Konzert und trinken danach auch ein Bier mit dir.
Die Liste der deutschsprachigen Sänger scheint mittlerweile endlos: Clueso, Philipp Poisel, Joris, Bosse, Philipp Dittberner. Alle Fans deutschsprachiger Lieder jubeln. Sie sind poetisch angehaucht, feinfühlig und eben: deutsch. Für viele schon ein K.o.-Kriterium, es nicht zu hören.

Noch eher unbekannt ist Sänger und Songwriter Benne aus Berlin, der an der Popakademie Baden-Württemberg studiert hat. Von seiner bisherigen Lebenserfahrung zehrt die Musik des Mittzwanzigers, eine Mischung zwischen angenehmer Schwermut und Pop. Er war auch schon Vorband von Revolverheld oder Adel Tawil.

Mit seinem neuen Album "Alles auf dem Weg" ist er jetzt auf Tour. Es soll ein Zeichen für Gemeinschaft und Gefühl sein – und gegen die digitale Hysterie. Echtes Gefühl erleben und nicht in Sozialen Medien versumpfen.