Was ging bei... BAP auf dem ZMF?

Stefan Mertlik

Seit dem Austritt langjähriger Band-Mitglieder tritt Wolfgang Niedecken mit wechselnder Besetzung als " Niedeckens BAP" auf. Bei seinem vierten ZMF-Konzert feierte er am 19. Juli das 40-jährige BAP-Jubiläum.


Die Stage

Auf der Bühne des restlos ausverkauften Zirkuszeltes war jede Menge los. Wolfang Niedecken spielte mit einer fünfköpfigen Band, die sich nicht auf das Rock-Grundrezept aus Gitarre, Bass und Schlagzeug verließ, sondern zusätzlich mit Keyboard, Cello, Posaune, Mundharmonika, Tamburin und Violine ein ordentliches Instrumentenarsenal auffuhr. Die Stagehands waren entsprechend fleißig und reichten vor, nach und während den Liedern immer wieder Musikgeräte nach.

Die Crowd

"Ist das Freiburg oder Köln?", fragte Wolfgang Niedecken sein Publikum, als dieses selbst kölsche Textpassagen einwandfrei mitsingen konnten. Nur im Refrain von "Jraaduss" musste Niedecken verbessern. Zum Glück hatten die Freiburger in ihren Reihen Unterstützung von Muttersprachlern, denn auf Nachfrage des Musikers outeten sich eine Handvoll Kölner Fans, die BAP hinterhergereist waren.

Track-Check

Eine Band, die in 40 Jahren 23 Studio- und Live-Alben veröffentlicht hat, von denen fast die Hälfte auf Platz 1 der deutschen Charts landete, hat es beim Zusammenstellen einer für alle Zuschauer zufriedenstellenden Setlist erwartungsgemäß schwer. Ein ansatzweise umfassender Querschnitt durch das Schaffen der Kölschrockband ist Wolfgang Niedecken trotzdem gelungen.

Stücke aus den frühen Jahren wie "Frau, ich freu mich", "Fortsetzung folgt" oder dem wohl bekanntesten Lied der Gruppe "Verdamp lang her", Songs aus den etwas ruhigeren Neunziger Jahren wie "Für den Moment" oder "Nix wie bessher", aber auch aktuellere Nummern wie "Halv su wild" oder das gerade erst erschienene "Dä Herrjott meint et joot met mir" haben gezeigt, dass sich BAP über vier Jahrzehnte einen beachtlichen Songfundus aufgebaut haben.

Da kann man nur verständnislos den Kopf schütteln, wenn Niedecken auf der Bühne des Zirkuszeltes ernsthaft behauptet, BAP wäre nie eine Hit-Kapelle gewesen.

Fail

Für eine Band, die bereits länger Musik veröffentlicht, als der Autor dieses Textes lebt, ist es sehr schwierig, von den alten Hits abzulenken. Immer wieder "Verdamp lang her" zu singen, kann mit der Zeit verdamp anstrengend werden.

Da ist es nur nachvollziehbar, dass BAP viele Stücke ihres aktuellen Albums "Lebenslänglich" in das Programm aufgenommen haben. Leider schmeckte das dem Freiburger Publikum, welches sich bei den bekannteren Liedern die Hände wund klatschte, weniger. Auch wenn im Vorfeld der Tour über die BAP-Website abgestimmt werden konnte, welche Songs der neuen Platte ihren Weg in die Shows finden sollten, wurden Nummern wie "Alles relativ", "Absurdistan" oder "Vision vun Europa" eher verhalten aufgenommen.

Geil

Fans des Sportclubs mussten keine Angst vor Missionierungsversuchen eines Geißbock-Anhängers haben. Die rot-weißen Scheinwerfer, mit denen das Publikum ab und an beleuchtet wurde, erinnerten zwar an die Fankurve im Rheinenergiestadion – Niedecken hat sich aber größte Mühe gegeben, den Fußballstolz seines Publikums zu respektieren. Textstellen, in denen "FC" gesungen wird, wurden stellenweise durch "SC" ersetzt. Da wären die Glückwünsche zum Aufstieg gar nicht mehr nötig gewesen: "Ich freu mich schon auf die Punkte, die wir in Freiburg lassen!"

Sekundenschlaf

Spätestens nach dem dritten Lied hatte sich Niedecken warmgeredet und fast jedes Stück mit einer neuen Anekdote bedacht. Was für ein Problem er mit Selfies hat, was an seinem Auftritt bei "Wetten, dass..?" so lustig war und weshalb er glaubt, dass es etwas mit dem Alter zu tun hat, wenn man Crosby, Stills, Nash & Young nicht kennt, kann ich nicht sagen. Gedanklich war ich schon beim nächsten Lied.

Schwitzfaktor

Bei 32 Grad Außentemperatur lief der Schweiß im aufgeheizten Zelt bis in die Unterhose. Wolfgang Niedecken machte sich einen Spaß daraus, verlangte zu Beginn nach einem weiteren Aufguss und gab am Ende des Konzertes die Anweisung, man könne die Heizung nun wieder ausschalten.

An der Tanke / Sprit-Check

Statt Kölsch wurde Fürstenberg ausgeschenkt! Machte aber nix: kühles Wasser und andere antialkoholische Getränke standen beim dehydrierten Publikum viel höher im Kurs.

Pauschalurteil

Die zweieinhalb Stunden mit BAP haben sich sowohl für Fans als auch neue Hörer gelohnt. Langjährige Anhänger wurden mit einem Potpourri der beliebtesten Lieder beglückt und Gäste, die bisher keine Berührungspunkte mit der Band hatten, bekamen einen repräsentativen Einblick in ihr Schaffen. Da kommt man Niedeckens abschließender Bitte – BAP weiterzuempfehlen – gerne nach.